0800 300 3009

Kostenlose Service-Hotline

 
finanzen.de Nachrichten immer gut informiert

Krankenkassenreform 2015: Die vier wichtigsten Fakten

Der endgültigen Umsetzung der Krankenkassenreform 2015 steht nicht mehr viel im Wege. Kommenden Freitag wird auch der Bundesrat das Reformvorhaben durchwinken. Grundsätzlich könnte das für die Versicherten auf lange Sicht bedeuten, dass sie für ihren Versicherungsschutz mehr Geld ausgeben müssen. Doch das ist noch nicht alles, was sich ändert.
Krankenkassenreform 2015: Nur scheinbare Entlastung
Krankenkassenreform 2015 wird Versicherten nicht mehr Geld bringen

Die Krankenkassenreform 2015 soll den Wettbewerb unter den Kassen stärken und etwa 20 Millionen Versicherte im nächsten Jahr vorerst entlasten. Dies ist die optimistische Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Doch so sehen es längst nicht alle: Die Opposition etwa kritisierte das Reformvorhaben scharf und stimmte gegen das GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungs-Gesetz. Das kann die Umsetzung der Krankenkassenreform allerdings nicht verhindern, denn von der Bundesregierung wurde sie bereits am 5. Juni gebilligt. Auch von der noch ausstehenden Debatte im Bundesrat werden keine großen Überraschungen zu erwarten sein. Unerwartet könnte so manchen Versicherten jedoch Post erreichen, die die neuen Zusatzbeiträge ankündigt.

Update 11. Juli 2014: Wie erwartet hat der Bundesrat der Neuregelung zugestimmt.

Was bringt die Krankenkassenreform 2015 – 1. Sonderbeitrag entfällt

Auf den ersten Blick sehen die Vorhaben der Großen Koalition im Rahmen der Krankenkassenreform 2015 versichertenfreundlich aus: Die Krankenkassenbeiträge reduzieren sich von derzeit 15,5 auf 14,6 Prozent. Denn der Sonderbeitrag von 0,9 Prozent, der von den Arbeitnehmern allein getragen wird, entfällt. Für die übrigen 14,6 Prozent kommen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte auf. Hätten Krankenkassen ab 2015 nicht die Möglichkeit einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag zu erheben, wäre von einer wirklichen Entlastung der Versicherten zu sprechen.

2. Neuer Zusatzbeitrag mit der Krankenkassenreform 2015

Ab dem 1. Januar 2015 droht Versicherten also ein Zusatzbeitrag, der prozentual am Einkommen bemessen wird. Den neuesten Einschätzungen der Vorsitzenden des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Doris Pfeiffer, zufolge, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Krankenkassen auf diesen verzichten können – insbesondere angesichts der wieder schrumpfenden Reserven der Krankenkassen. Anstelle des Sonderbeitrags müssen rund 50 Millionen Versicherte infolge der Krankenkassenreform 2015 einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag zahlen.

Anfängliche Vorteile durch den Zusatzbeitrag 2015

Dennoch kann der Zusatzbeitrag zunächst eine – wenn auch geringfügige – Entlastung für Versicherte darstellen. Die Versicherten könnten anfänglich einen geringeren Krankenkassenbeitrag als bisher zahlen, da vermutlich noch nicht alle Krankenkassen den Zusatzbeitrag in Höhe von 0,9 Prozentpunkten oder mehr verlangen werden. Das Bundesversicherungsamt veranschlagt den Zusatzbeitrag bis 2017 jedoch bereits auf 1,6 bis 1,7 Prozent. Wie hoch der Zusatzbeitrag bei der jeweiligen Kasse ausfallen wird, hängt dabei sehr stark von ihrem finanziellen Polster und von effizientem Wirtschaften ab.

3. Bleiben die Leistungen durch die Krankenkassenreform 2015 auf der Strecke?

Grundsätzlich soll die Krankenkassenreform 2015 zu höherer Versorgungqualität beitragen. Damit einher geht wirtschaftliches Handeln. So erklärt der Gesundheitsökonom Professor Eberhard Wille in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten auf der einen Seite, dass durchaus noch Rationalisierungspotenzial in den Leistungsbereichen des deutschen Gesundheitssystems bestehe.

Auf der anderen Seite möchte das Gesundheitsministerium die Kassen dazu bewegen, gute Leistungen anzubieten und gleichzeitig auf ihre eigenen Reserven zurückzugreifen. Dabei könnte ein Wettbewerb der Krankenkassen in puncto Wirtschaftlichkeit jedoch zu Lasten einer umfassenden und guten Gesundheitsversorgung gehen. Denn die einzelnen Krankenkassen werden zunächst versuchen, die Beitragssteigerung möglichst gering zu halten, um einen Mitgliederschwund zu vermeiden. Dadurch könnten sich Sparmaßnahmen der Krankenkassen am Ende in Leistungskürzungen für die gesetzlich Versicherten niederschlagen.

4. Qualität, Hebammen und UPD werden gefördert

Die Krankenkassenreform 2015 hat außerdem zum Ziel, die Qualität der Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Aus diesem Grund soll ein Qualitätsinstitut Leistungen und Qualität im Gesundheitswesen überprüfen. Dadurch sollen Behandlungen gezielt verbessert und Defizite erkannt werden. Dazu trägt beispielsweise auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschlands (UPD) bei, die aktuell die Auswertung von Patientenanfragen vorgenommen und daraus Rückschlüsse auf die Gesundheitsversorgung und bestehende Probleme gezogen hat. Auch diese Institution soll künftig mit weiteren neun Millionen Euro gefördert werden.

Nicht zuletzt unterstützen die Krankenkassen seit Juni 2014 Hebammen, die sich die stark gestiegenen Beiträge zur Berufshaftpflichtversicherung nicht mehr leisten können. Vielen droht sonst das berufliche Aus.

Autor: Jessica D'Ovidio