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Was die Angaben in der Renteninformation wirklich wert sind

Die Renteninformation soll Verbraucher über ihre erworbenen Rentenansprüche auf dem aktuellen Stand halten. Was die Zahlen allerdings wirklich wert sind, ist besonders für jüngere Generationen schwer einzuschätzen. Doch nicht nur für sie, sondern auch für ältere Generationen ist es wichtig, die Beträge richtig zu deuten, um so gegebenenfalls nachsteuern zu können.
Renteninformation gibt nur Bruttorente wieder
Renteninformation richtig verstehen ist nicht einfach

Erst kürzlich hat eine Umfrage im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP herausgefunden, dass 40 Prozent der Deutschen keine konkreten Vorstellungen über die Höhe ihrer gesetzlichen Rente haben, weitere 30 Prozent verfügen nur über eine grobe Idee. Nicht einmal jeder dritte Befragte ist sich demnach über die Höhe seines Altersgeldes zu Rentenbeginn im Klaren. Dabei verschickt die Deutsche Rentenversicherung jährlich ein Schreiben an ihre Versicherten, um sie über ihre Rentenansprüche zu informieren. Doch das Ergebnis der aktuellen Umfrage deutet an: Nicht jeder Verbraucher weiß die Angaben einzuschätzen.

Renteninformation richtig verstehen

Wie es um ihre gesetzlichen Rentenansprüche steht, erfahren Verbraucher aus der jährlichen Renteninformation. Dabei kann das Schreiben dazu beitragen, Maßnahmen für die private Vorsorge im Alter zu ergreifen. Doch das ist nur dann möglich, wenn die Bürgerinnen und Bürger die Zahlen richtig einordnen können. Im Gespräch mit finanzen.de erläutert Marina Herbrich, Präsidentin beim Bundesverband der Rentenberater e.V., dass die Idee der Renteninformation – Verbraucher aufzurütteln – zwar gut ist. Doch dies gelingt nur, wenn sich Rentenversicherte bewusst machen, dass es sich bei der angegebenen Rentenhöhe zu Rentenbeginn um eine Hochrechnung handelt. „Ändert sich der Versicherungsverlauf, ändert sich auch diese Hochrechnung.“

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Was ist die Rente tatsächlich wert?

Jährlich versendet die Deutsche Rentenversicherung rund 31 Millionen Renteninformationen. Jeder Rentenversicherte bekommt das Schreiben automatisch, sofern er bzw. sie mindestens 27 Jahre alt ist und bereits fünf Jahre lang Rentenbeiträge gezahlt hat.

Wer zum ersten Mal die Renteninformation bekommt, erhält erstmals einen Überblick darüber, welche Ansprüche bisher erworben wurden. Doch mehr lässt sich mit den Angaben meist nicht anfangen. Zuweilen können die Beträge sogar sehr ernüchternd sein, da zum Beginn des Berufslebens eher wenig verdient wird und daher entsprechend geringe Rentenbeiträge gezahlt werden. Steigt und stabilisiert sich das Einkommen, werden die Werte zur zukünftigen Regelaltersrente zwar aussagekräftiger. Dennoch sollten Verbraucher nicht vergessen, dass es sich dabei um Hochrechnungen handelt, die an bestimmte Voraussetzungen geknüpft sind.

 

Renteninformation überprüfen - Versicherungsverlauf anfordern

„Rentenversicherte sollten sich vom Rententräger den persönlichen Versicherungsverlauf zuschicken lassen“, rät Herbrich. Durch ihn erfahren sie beispielsweise, ob wirklich alle rentenrechtlichen Zeiten in der Renteninformation berücksichtigt wurden.

Renteninformation gibt nur die Höhe der Brutto-Rente an

Die Deutsche Rentenversicherung weist in der Renteninformation darauf hin, dass „von der Rente auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern zu zahlen sind.“ Doch im Folgenden werden nur Brutto-Werte angegeben. Verbraucher können daher nur schwer einschätzen, wie hoch ihre Rente nach Abzug aller Posten ausfällt. Diese Vorgehensweise hat vor einiger Zeit das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus kritisiert. Dabei wurde das Schreiben sogar als Rentenillusion bezeichnet. Dem Magazin zufolge erhalten Arbeitnehmer „gut ein Viertel weniger als zu erwarten vorausgesagt“ wurde. Angesichts dieser Kritik ist es für Verbraucher umso wichtiger, die Angaben in der Renteninformation als grobe Orientierung und nicht als feststehende Beträge zu verstehen.

Status Quo der Rentenansprüche

Da die Renteninformation Verbraucher über den Status Quo ihrer Rentenansprüche zum Zeitpunkt des Versands informiert, können zukünftige Rentenreformen natürlich nicht berücksichtigt werden. Im Juli 2014 wurde beispielsweise die sogenannte Mütterrente eingeführt, durch die sich die Rentenansprüche für Frauen verändert haben, deren Kinder vor 1992 geboren wurden. Betroffene werden daher in ihrer aktuellen Renteninformationen Veränderungen beim prognostizierten Rentenwert im Vergleich zum Vorjahr feststellen.

Rente mit 63: Hoher Bedarf an Beratung

Der Bundesverband der Rentenberater e.V. hat aufgrund der Mütterrente ein kurzzeitig erhöhtes Beratungsinteresse festgestellt. Noch immer gibt es viel Beratungsbedarf bei der ebenfalls im vergangenen Jahr eingeführten abschlagsfreien Rente mit 63. Marina Herbrich berichtet dabei im Gespräch mit finanzen.de, dass sich die Beratung vonseiten der Rententräger manchmal „schwierig gestaltet“. So haben sich beispielsweise die Informationen einer Beratungsstelle als falsch erwiesen. In Erwartung, binnen weniger Wochen frühzeitig in Rente gehen zu können, kündigte eine Mandantin ihren Job. Wie sich später allerdings herausstellte, war die tatsächliche Zeitspanne bis zum abschlagsfreien Renteneintritt wesentlich größer.

Wer mit dem Gedanken spielt, frühzeitig in Rente zu gehen, sollte sich diesen Schritt vom Rententräger schriftlich bestätigen lassen, rät Herbrich. Auch wenn die Beratungsstellen eine gute Arbeit machen, fordert sie, dass die Berater aufgrund der neuen Regelungen zur Rente mit 63 „sorgfältig und genau arbeiten.“

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur Altersvorsorge.