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Staatlich geförderter BU-Schutz: Es hapert an der Umsetzbarkeit

Anfang 2014 hat die Bundesregierung den Startschuss für die staatlich geförderte Berufsunfähigkeitsversicherung gegeben. Anderthalb Jahre später existiert noch kein einziger entsprechender Tarif auf dem Markt. Der Versicherungsmakler und Experte für Berufsunfähigkeit Matthias Helberg erklärt, woran die Umsetzung bislang scheitert.
Staatlich geförderte BU ist zu teuer
Der staatlich geförderte BU-Schutz ist kaum bezahlbar

Mit dem Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz (AltvVerbG) wurde 2014 eine Möglichkeit geschaffen, die Beiträge zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zukünftig bis zu 100 Prozent von der Steuer abzusetzen. Damit wollte die Bundesregierung den Bürgern einen Anreiz schaffen, sich gegen die finanziellen Konsequenzen abzusichern, die der Verlust der eigenen Arbeitskraft nach sich zieht. Denn im Vergleich zu der hohen Wahrscheinlichkeit für Berufsunfähigkeit ist ein entsprechender Schutz in der Bevölkerung noch zu wenig verbreitet. Die staatlich geförderten BU-Tarife müssen allerdings strengen Vorgaben genügen.
Daher hat sich bisher kein Versicherer dazu bereiterklärt, ein entsprechendes Produkt anzubieten.

Staatlich geförderte BU ist „absoluter Flop“

Matthias Helberg löste 2013 ein großes Medienecho aus, als er auf die Mängel eines Berufsunfähigkeitsversicherung Tests der Zeitschrift Finanztest aufmerksam machte. Auch im Interview mit finanzen.de findet er deutliche Worte zum Konzept der steuerlich geförderten Berufsunfähigkeitsversicherung:

Herr Helberg, finden Sie das Modell der staatlich geförderten Berufsunfähigkeitsversicherung gelungen?

Matthias Helberg: Als Beispiel für bürokratische Vorschriften, die vollkommen am Bedarf der arbeitenden Bevölkerung und den Möglichkeiten der Wirtschaft vorbeigehen, ist das Modell sicherlich gelungen. In der Praxis handelt es sich um einen absoluten Flop.

Warum glauben Sie, wurde das Modell noch nicht umgesetzt? Rechnen Sie in Zukunft noch mit Anbietern?

Matthias Helberg: Warum sollte ein Lebensversicherer so einen Unfug mitmachen? Fixe Versicherungsdauer bis 67 Jahre, lebenslange BU-Rente und eingeschränkte konkrete Verweisungsmöglichkeiten – wer sich als Anbieter darauf einlassen will, muss enorme Sicherheitspuffer einkalkulieren. Das Produkt muss also zwangsläufig deutlich teurer sein, als die heute schon existierenden Produkte. Aber welcher Anbieter möchte schon gern mit dem Prädikat ‚extrem teuer‘ verbunden werden? Wer körperlich oder in sozialen Berufen tätig ist, kann sich darüber hinaus heute schon oft keine ‚normale BU‘ mehr leisten. Da hilft bei zwangsläufig noch teureren BU-Modellen auch nicht das Zauberwort „Steuerersparnis“. Es gibt also vermutlich nicht einmal einen nennenswerten Markt für diese Tarife. Daher muss man auch nicht unbedingt damit rechnen, dass sich ohne Änderungen des Konzeptes noch Anbieter finden.

Was hätte die Regierung Ihrer Meinung nach anders machen können, um eine schnellere Umsetzung zu erreichen?

Matthias Helberg: Alles. Die größten Probleme mit der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung bestehen weder bei einer Mindestversicherungsdauer bis Alter 67 für alle, noch bei der Notwendigkeit einer lebenslangen BU-Rentenzahlung, noch bei einer erforderlichen Einschränkung der konkreten Verweisung, also wenn ein Berufsunfähiger bereits konkret einer anderen Tätigkeit nachgeht. Das Problem für viele Berufstätige ist erstens, überhaupt vernünftig versichert werden zu können und zweitens, sich den Schutz auch leisten zu können. Um das zu ändern, sind ganz andere Maßnahmen erforderlich.

Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Helberg.

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Finanzministerium sieht keinen Handlungsbedarf

Sowohl aus Kundensicht als auch aus der Perspektive der Versicherer scheinen die Maßnahmen zur staatlichen Förderung der Berufsunfähigkeitsversicherung ihre beabsichtigte Wirkung zu verfehlen. Doch welche Zwischenbilanz zieht die Bundesregierung aus dem bislang ausbleibenden Erfolg? Ein Pressesprecher des Finanzministeriums zeigt sich gegenüber finanzen.de zumindest zuversichtlich, dass es bei einem konkreten Bedarf auch in Zukunft „entsprechende Produkte“ geben werde.

Eine Erhöhung des steuerlich absetzbaren Höchstbetrages für Vorsorgeaufwendungen schließt er als Alternative zum jetzigen Modell jedoch aus: „Wir werden den Markt weiter beobachten und die Entwicklungen nach einer angemessenen Zeit evaluieren. Derzeit ist aber kein konkreter Handlungsbedarf gegeben.“ Für die Verbraucher bedeutet dies: Solange weder die Regierung noch die Versicherungen zur Tat schreiten, wird es in absehbarer Zeit keine verbesserten steuerlichen Vergünstigungen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung geben.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur Berufsunfähigkeitsversicherung.