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Bilanz nach 365 Tagen: Mütterrente mit Licht und Schatten

Kaum ein Projekt der großen Koalition wird so gegensätzlich bewertet wie die Mütterrente. Unbestritten ist, dass eine Besserstellung älterer Mütter dringend notwendig war. Doch die Finanzierung über die Rentenkasse findet auch ein Jahr nach Einführung keinen Anklang. Kritiker fordern Nachbesserungen, sodass die Rente die Frauen erreicht, die sie am nötigsten brauchen.
1 Jahr Mütterrente: Viele Frauen bleiben noch immer außen vor
Bilanz zu 1 Jahr Mütterrente fällt gut und schlecht aus

Vor genau einem Jahr sind das Rentenpaket und damit die sogenannte Mütterrente in Kraft getreten. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) betonte damals, mit der Rentenreform werde „eine Reihe von Gerechtigkeitslücken“ geschlossen und sie mache „einen spürbaren Unterschied im Leben vieler Menschen, die sich reingehängt und angestrengt haben.“

Tatsächlich belegen aktuelle Zahlen der Deutschen Rentenversicherung die positiven Auswirkungen der Mütterrente. So stieg die durchschnittliche Altersrente 2014 im Vergleich zum Vorjahr bei den Frauen um rund 10 Prozent an. Statt 562 Euro monatlich liegt der Wert nun bei 618 Euro. Diese Erhöhung führt die Behörde auf die Mütterrente und die Rentenerhöhung 2014 zurück. Zudem haben im letzten Jahr rund 64.000 Frauen erstmals einen Rentenanspruch gehabt, da ihnen für vor 1992 geborene Kinder ein weiteres Kindererziehungsjahr anerkannt wurde.

Mütterrente führt zu Verbesserungen – Doch zu welchem Preis?

Die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zeigen, dass die Mütterrente ein Erfolg ist. Doch auch ein Jahr nach deren Einführung bleibt die Frage, zu welchem Preis dieser kommt? Informationen der WirtschaftsWoche zufolge rechnet das Institut für Weltwirtschaft damit, dass die Rücklagen der gesetzlichen Rentenversicherung bis 2016 um 5,5 Milliarden Euro schrumpfen werden – vor allem aufgrund der hohen Kosten durch das Rentenpaket.

Die Finanzierung der Mütterrente über die Rentenkasse bewerten viele Kritiker wie der rentenpolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Markus Kurth, als „besonders problematisch“. „Alle in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherten zahlen für das Rentenpaket über höhere Rentenbeiträge und geringere Renten“, erläutert der Politiker gegenüber finanzen.de. Er bewertet zudem die geplante Beteiligung des Bundes an der Finanzierung ab 2019 „als einen symbolischen Beitrag“.

Besonders Frauen mit geringen Renten haben nichts von der Mütterrente

Doch nicht nur die Finanzierung – etwa über Steuermittel – müsste nachgebessert werden. Sowohl Kurth als auch der Sozialverband VdK Deutschland kritisieren ein Jahr nach Einführung der Mütterrente, dass die Leistung nicht bei den Frauen ankommt, die sie am meisten benötigen. Da das zusätzliche Altersgeld auf die Grundsicherung im Alter angerechnet wird, „bleibt gerade jenen Müttern mit geringen Renten nichts davon“, so der Grünen-Politiker. „Die Bundesregierung gibt keine Antwort auf die Frage der zunehmenden Altersarmut von der insbesondere Frauen betroffen sind“, konstatiert er weiter.

Sozialverband fordert Freibetrag für „spürbare Leistungsverbesserung“

Für eine „spürbare Leistungsverbesserung“ für Frauen, die im Alter auf die Grundsicherung angewiesen sind, schlägt der VdK die Einführung eines Freibetrags von 100 Euro vor. Zudem fordert der Verband gegenüber finanzen.de „eine vollständige Angleichung auf drei Jahre“ bei der Anrechnung der Kindererziehungszeiten. Vor Einführung des Rentenpakets wurde Müttern, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, nur ein Kindererziehungsjahr anerkannt. Nun sind es zwar zwei. Doch eine komplette Gleichstellung mit Frauen, deren Nachwuchs 1992 und später auf die Welt gekommen ist, bleibt unerreicht.

Weitere Maßnahmen gegen Altersarmut gefordert

Generell sieht der VdK „weiteren Reformbedarf in der Rentenversicherung.“ So wäre es beispielsweise notwendig, dass die „Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld II wieder rentensteigernd berücksichtigt werden.“ Gleiches fordert der Sozialverband umfassender für die „Zeiten der Pflege- und Betreuung pflegender Angehöriger.“ Die Grünen sehen hingegen die Einführung einer steuerfinanzierten Garantierente als Mittel, um langjährig Versicherte vor Altersarmut zu schützen. „Auch ist die langfristige Stabilisierung des Rentenniveaus notwendig, um die familienpolitische Leistungen aufzuwerten“, so Kurth.

Die Bundesregierung will sich als ersten Schritt zur Bekämpfung der künftigen Altersarmut für eine stärkere Verbreitung von Betriebsrenten einsetzen. Auch die Lebensleistungsrente soll bis 2017 eingeführt werden.