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Unabhängige Patientenberatung: 2016 droht Verlust der Unabhängigkeit

Die Patientenberatung droht ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Denn schon ab dem nächsten Jahr könnte die Beratung von einem Unternehmen durchgeführt werden, das gleichzeitig für die Krankenkassen arbeitet. Dabei sollen Patienten auch bei Problemen mit ihrer Kasse eine Anlaufstelle für ihre Sorgen haben. Verbraucherschützer befürchten Interessenskonflikte.
Werden zukünftige Fragen unabhängig beantwortet?
Kritiker fürchten Ende der Unabhängigkeit bei Patientenberatung

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wurde ins Leben gerufen, um sowohl gesetzlich wie auch privat krankenversicherten Menschen kostenfreie und neutrale Informationen rund um gesundheitsrechtliche Fragen zu gewährleisten. Pro Jahr werden derzeit etwa 80.000 Beratungen durchgeführt. Patienten haben dabei die Möglichkeit, sich persönlich, per Telefon oder online an die Beratung zu wenden. Das Angebot steht auch in türkischer und russischer Sprache bereit. Nachdem die Patientenberatung bereits seit dem Jahr 2000 als Modellvorhaben und seit 2011 als Teil der Regelversorgung verfügbar ist, wird nun die Unabhängigkeit der Patientenberatung in Frage gestellt.

Warum ist die Unabhängigkeit der Patientenberatung gefährdet?

Die Patientenberatung wird von den gesetzlichen Krankenkassen und zum geringeren Teil auch von der privaten Krankenversicherung finanziert. Dabei ist es diesen Institutionen jedoch nicht gestattet, Einfluss auf die Patientenberatung auszuüben, damit die Unabhängigkeit gewährleistet wird. Allerdings endet zum Jahreswechsel der Vertrag mit dem bisherigen Anbieter der Beratungen, der auch mit den Verbraucherzentralen zusammenarbeitet.

In einer neuen Ausschreibung hat laut Medienberichten ein anderes Unternehmen den Zuschlag erhalten und soll ab Januar 2016 für die nächsten sieben Jahre Patienten unterstützen. Kritiker befürchten allerdings, dass es eine echte Unabhängigkeit der UPD dann nicht mehr geben wird. Denn Sanvartis, der vermutlich neue Anbieter, betreibt auch andere Dienstleistungen im Gesundheitswesen. Dazu gehören beispielsweise zahlreiche Callcenter für Krankenkassen und Pharmaunternehmen.

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Alles neu bei der Unabhängigen Patientenberatung?

Mit der Neuvergabe der Patientenberatung wird das Beratungsnetzwerk wahrscheinlich neu aufgebaut werden. Unklar ist bisher noch, ob sich die Erreichbarkeit der Beratung zukünftig verbessern oder wie stark auf die telefonische Beratung statt Vor-Ort-Gespräche gesetzt werden wird. Aktuell sorgen sich Verbraucherschützer und Patientenrechtler vor allem um die Unabhängigkeit der Beratung. Wenn Sanvartis tatsächlich den Zuschlag erhält, wird sich das Unternehmen sowohl für einige Krankenkassen mit Krankengeldansprüchen auseinandersetzen müssen als auch die entsprechenden Patienten beraten, wenn ein Antrag abgelehnt wird. Interessenkonflikte sind hier kaum auszuschließen.

Unabhängige Patientenberatung: Ist auch Qualität gefährdet?

Kritiker verweisen zudem darauf, dass die bisherige Patientenberatung laut Untersuchungen ausgezeichnete Arbeit geleistet hat. In der aktuellen Sendung von ARD Plusminus wird daher gefragt, warum man dieses Erfolgsmodell stoppen will. In einer kleinen Anfrage fordert außerdem die Linksfraktion vom Bundestag eine Stellungnahme zu dem Auswahlverfahren selbst. Schließlich entscheidet über den Zuschlag nicht nur ein Vertreter der Bundesregierung. Auch die Krankenkassen sind an der Entscheidung beteiligt. Dass die Kassen sich nun womöglich für ein Unternehmen entschieden haben, mit dem sie bereits erfolgreich zusammenarbeiten, verwundert kaum. Ob dies am Ende jedoch eine gute Nachricht für die Patienten ist, darf bezweifelt werden.

In welchen Fällen können sich Patienten an die Beratungsstelle wenden?

Die unabhängige Patientenberatung deckt ein weites Spektrum von Fragestellungen ab. Wer beispielsweise unsicher in Bezug auf den Krankengeldanspruch ist, wissen will, welche Gesundheitsleistungen von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden müssen oder zuverlässige Informationen zu IGeL (Individuelle Gesundheitsleistungen) benötigt, kann sich an die Patientenberatung wenden.  

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur gesetzlichen Krankenversicherung.