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Trotz Bedenken: Sanvartis erhält Zuschlag für die Patientenberatung

Die Unabhängige Patientenberatung wird trotz vielstimmiger Kritik voraussichtlich ab 2016 von dem Unternehmen Sanvartis betrieben. Dadurch sehen zahlreiche Experten die Unabhängigkeit der Beratung gefährdet. Sanvartis stellt sich nun den Vorwürfen und erläutert, wie die Patientenberatung auch zukünftig dem Wohl der Patienten dienen soll.
Ist Unabhängigkeit der Beratung grwährleistet?
Unabhängige Patientenberatung: 2016 mit neuem Gesellschafter

Die Patientenberatung wird nach einem aktuellen Entschluss der Vergabekammer des Bundes ab 2016 voraussichtlich von dem Dienstleistungsunternehmen Sanvartis betrieben. Nachdem die Beratung jahrelang als Unabhängige Patientenberatung (UPD) durch die Gesellschafter Verbraucherzentrale Bundesverband, Sozialverband VdK und Verbund unabhängige Patientenberatung als gemeinnützige GmbH getragen wurde, fällt nun dem Unternehmen Sanvartis diese Rolle für die Dauer von sieben Jahren zu.

Die Aufgaben der Unabhängigen Patientenberatung

Die Unabhängige Patientenberatung soll sowohl gesetzlich als auch privat Krankenversicherten die Möglichkeit geben, sich neutral und kostenlos zu Patientenrechten etwa bei Behandlungsfehlern zu informieren. Die Beratung wurde bisher durch rund 80 Mitarbeiter durchgeführt. Neben dem telefonischen Gespräch gibt es derzeit 21 Beratungsstellen vor Ort in Deutschland. Ob und in welchem Umfang es zukünftig Beratungsstellen geben wird, ist noch unklar. Zwar hat Sanvartis in einer aktuellen Pressemitteilung betont, man werde die Vorort-Beratung sogar ausbauen. Das genaue Konzept soll der Öffentlichkeit aber erst nach Ablauf der 14-tägigen Einspruchsfrist gegen die Entscheidung der Vergabestelle vorgestellt werden.

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Sanvartis kontert Kritik

Um Unabhängigkeit zu gewährleisten, hat das Unternehmen angekündigt, eine gemeinnützige UPD GmbH zu gründen. Damit soll garantiert werden, dass Sanvartis keinen Zugriff auf Daten oder das IT-System der Patientenberatung haben wird und auch keine Einflussnahme auf die Geschäftsführer oder andere Mitarbeiter stattfinden wird.

Die Vergabe an das Unternehmen war auch unter dem Gesichtspunkt der Neutralität kritisiert worden. Denn Sanvartis bietet zahlreiche Dienstleistungen im Gesundheitswesen an, beispielsweise Callcenter für Pharmaunternehmen und Krankenkassen. Kritiker sehen hier einen eindeutigen Interessenkonflikt, schließlich soll die Patientenberatung Bürger auch bei Ärger mit der Krankenversicherung unterstützen.

Sanvartis beruft sich auf Qualitätsprüfung durch die Vergabestelle

Wie das Unternehmen nun betont, gibt es jedoch keinen Grund zur Beunruhigung. Vielmehr achte man auf die ärztliche Schweigepflicht und strengsten Datenschutz. Damit soll gewährleistet werden, dass es keinerlei Austausch von Daten zwischen der UPD und den Auftraggebern aus dem medizinischen Bereich geben wird. Das Konzept von Sanvartis hat dabei zumindest die Vergabestelle überzeugt. Nachdem die bisherigen Betreiber der UPD einen Nachprüfungsantrag beim Bundeskartellamt gestellt haben, wurde nicht nur die Vergabe selbst, sondern auch das Konzept des Unternehmens für die Patientenberatung überprüft. An der Qualität des Konzepts, insbesondere hinsichtlich der Unabhängigkeit und Neutralität, gibt es demnach nichts zu beanstanden.

Patientenberatung: Grüne fordern Eingreifen von Gröhe

Ganz abgeschlossen ist das Ganze trotz der Entscheidung der Vergabestelle noch nicht. Neben der zweiwöchigen Einspruchsfrist, die die bisherige unabhängige Patientenberatung zur Verfügung hat, könnte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe einschreiten. Das fordern laut einem Bericht der Ärztezeitung zumindest die Grünen. Sie bezeichnen das Vergabeverfahren als ungeeignet. Auch die Linke sehen in der Neuausschreibung der Patientenberatung vor allem einen Versuch die „kassenkritischen Ergebnisse der UPD-Beratungen zu unterdrücken.“

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