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Zweite Stufe der Pflegereform „löst nicht ein einziges Problem“

Während das zweite Pflegestärkungsgesetz überwiegend wohlwollend aufgenommen wird, kritisiert es der Pflege-Selbsthilfeverband deutlich. Mit der Reform werde kein einziges Problem gelöst. Warum, welchen Lösungsvorschlag der Verband macht und wieso das Pflegeberufegesetz auf Verwunderung stößt, erklärt Adelheid von Stösser im Interview mit finanzen.de.
Zweites Pflegestärkungsgesetz in der Kritik
Kritik: Zweite Stufe der Pflegereform fördert Pflegebedürftigkeit

Mit der zweiten Stufe der Pflegereform wird die gesetzliche Pflegeversicherung einem grundlegenden Wandel unterzogen. Mit Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes findet  die eingeschränkte Alltagskompetenz Betroffener künftig wesentlich mehr Anerkennung bei der Beurteilung des Pflegebedarfs. Zudem werden die bisherigen drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt.

Während die Pläne aus dem Bundesgesundheitsministerium im Wesentlichen positiv aufgenommen werden, kommt vom Pflege-Selbsthilfeverband e.V. deutliche Kritik. Statt Probleme zu lösen, treibt das zweite Pflegestärkungsgesetz „die Kosten in die Höhe und fördert Pflegebedürftigkeit“, so Adelheid von Stösser, erste Vorsitzende von Pflege-SHV.

Zweites Pflegestärkungsgesetz bestraft aktivierende Pflege

Von Stösser bemängelt an der Pflegereform vor allem, „dass sich jene finanziell belohnt sehen, die Pflegebedürftigkeit verstärken, hingegen andere bestraft sehen, die sich erfolgreich um Aktivierung und Wiedererlangung der Selbständigkeit bemühen. Denn wenn ein Heim sich heute Mühe macht und es schafft einen Bewohner erfolgreich zu mobilisieren, so dass er aus der Pflegestufe III in die Pflegestufe II kommt, schmälert das die monatlichen Einnahmen des Heimes um bis zu 600 Euro.“

Der Pflege-SHV plädiert daher für eine individuelle Leistungsbemessung mit dem Ziel, die Heimeinweisung zu vermeiden oder zumindest zu verzögern. Dazu sollen gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen und dessen Angehörigen verschiedene Unterstützungsangebote für die häusliche Pflege durchleuchtet werden. Der Pflegeberater erstellt im Anschluss ein Versorgungskonzept samt Kostenübersicht. Wie viel die Pflegekasse davon übernimmt, entscheidet sie selbst. Im besten Fall könnte gesetzlich eine 50-prozentige Erstattung vorgeschrieben werden.

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Durch mehr Betreuungskräfte im Pflegeheim könnten neue Probleme entstehen

Bezüglich des ersten Pflegestärkungsgesetzes, das zum 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist, bewertet es von Stösser zwar positiv, dass die Zahl der Betreuungskräfte erhöht wurde. Denn „jede zusätzliche Betreuungskraft bringt mehr Leben in die Einrichtung.“ Allerdings wäre es besser, wenn sich der Aufgabenbereich ausgebildeter Pflegefachkräfte aufgrund von Zeitmangel nicht „auf die Pflege des Körpers“ reduzieren würde. So beklagen sich in der Praxis Pflegekräfte darüber, keine Zeit mehr für Betreuungsangebote und Gemeinschaftsunternehmungen mit den Bewohnern des Pflegeheims zu haben und stattdessen nur noch für körperlich anstrengende Tätigkeiten wie Windeln wechseln und das An- und Ausziehen der Pflegebedürftigen zuständig zu sein.

Gesetz zur Weiterentwicklung der Pflegeberufe irritiert

Verwunderung äußert der Pflege-SHV darüber, warum das geplante Pflegeberufegesetz entgegen aktueller Trends gerichtet ist. Denn „in einer Zeit, wo in vielen Bereichen neue Berufe und Studiengänge ins Leben gerufen werden, um diversen Spezialisierungen, die in der Arbeitswelt gefragt sind, besser gerecht werden zu können, soll im Bereich der Pflege wieder ein Zustand von vor 40 Jahren herbeigeführt werden,“ so von Stösser. Mit dem gemeinsamen Gesetz vom Bundesgesundheits- und Bundesfamilienministerium sollen unterschiedliche Ausbildungen etwa in der Altenpflege und Krankenpflege zu einer neuen Pflegeausbildung zusammengeführt werden. Sofern das Konzept „nach allen Seiten durchdacht“ ist, erhofft sich der Verband „langfristig einige Vorteile“.

Während das zweite Pflegestärkungsgesetz bereits vom Bundeskabinett bewilligt wurde und Änderungen daran im weiteren Gesetzgebungsverfahren eher unwahrscheinlich sind, liegt für das Pflegeberufegesetz bisher nur ein Arbeitsentwurf vor. Hier könnten noch neue Impulse aufgenommen werden.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur privaten Pflegeversicherung.