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Patientenverfügung: „Durch unklare Regelung Probleme in der Praxis“

Wer entscheidet über medizinische Behandlungen oder lebensrettende Maßnahmen, wenn der Patient dazu nicht in der Lage ist? Damit im Ernstfall der Wille des Patienten zählt, ist eine Patientenverfügung notwendig. Allerdings haben es bisher viele Menschen versäumt, entsprechend vorzusorgen. Auch die Politik hat Fehler gemacht, meint die Deutsche Stiftung Patientenschutz.
Trotz Patientenverfügung kommt es in der Praxis oft zu Problemen
Patientenverfügung: Ärzte müssen Patientenwillen beachten

70 Prozent der Deutschen sprechen innerhalb der Familie über das Thema Patientenversorgung und Vorsorgevollmacht. Das geht aus einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Monuta Versicherung hervor. Dennoch haben zwei Drittel aller Befragten noch keine Maßnahmen zur Vorsorge ergriffen. Viele Menschen schieben das unangenehme Thema lieber auf die lange Bank. Doch was passiert im Ernstfall, wenn sie plötzlich nicht mehr über ihr eigenes Leben bestimmen können? Im schlimmsten Fall werden dann Entscheidungen über die Behandlung getroffen, die nicht im eigenen Interesse liegen. Um dies zu vermeiden, ist eine Patientenverfügung ratsam. Sie kann Angehörigen beispielsweise auch die schwere Entscheidung nehmen, lebenserhaltende Maßnahmen zu beenden, wenn dies so in der Verfügung festgelegt ist.

Die Patientenverfügung gilt als wichtiges Mittel zur Selbstbestimmung

Die Patientenverfügung legt den medizinischen Willen der Betroffenen fest und regelt genau, welche Versorgung der Patient wünscht oder ablehnt. In der Regel erstellen vor allem ältere Menschen eine Verfügung. Ihr Hauptmotiv besteht darin, dass sie im Pflegefall nicht ungewollten medizinischen Maßnahmen ausgeliefert sein möchten. Allerdings kann jeder, unabhängig vom Alter, in solch eine Situation geraten. Sei es beispielsweise durch einen Schlaganfall, Unfall, unheilbare Krankheit oder Demenzerkrankung.

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. weist darauf hin, dass „eine Patientenverfügung sinnvoller Weise mit einer Vorsorgevollmacht zu verbinden ist.“ Denn kommt es beispielsweise trotz Verfügung zu Unklarheiten bei medizinischen Behandlungen, können Bevollmächtigte im Sinne des Betroffenen entscheiden. Zudem greift die Vorsorgevollmacht auch bei rechtlichen oder finanziellen Entscheidungen. Wurde kein Vorsorgebevollmächtigter bestimmt, übernimmt eine rechtliche Betreuung die Entscheidungen.

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Patientenverfügung: Von Pauschaltexten aus dem Internet ist abzuraten

Wer sich für eine Patientenverfügung entscheidet, findet im Internet unzählige Angebote von pauschalisierten Texten. Jedoch sind „vorgedruckte Standardtexte oft ungenau und bieten nicht die Möglichkeit, den Willen individuell nach konkreten Krankheitszuständen zu regeln“, warnt Eugen Brysch, Vorstand bei der Deutschen Stiftung Patientenschutz, im Gespräch mit finanzen.de. Vielen Menschen fehlt dabei auch das nötige medizinische und juristische Fachwissen. Daher empfiehlt die Stiftung jedem, der eine Patientenverfügung erstellen möchte, sich vorher beraten zu lassen. „Erst dann weiß der Laie, was genau er verfügt und wie es richtig formuliert wird. Das macht ihn auch stark gegenüber Ärzten oder Angehörigen, die etwas anderes wollen“, erläutert Brysch.

Trotz Patientenverfügung: Probleme in der Praxis

Wird zum Beispiel eine medizinische Behandlung nötig, die in der Patientenverfügung nicht eindeutig beschrieben wird, „muss der Bevollmächtigte den mutmaßlichen Willen des Betroffenen ermitteln.“ Allerdings hat „der Gesetzgeber es versäumt, klare Kriterien aufzustellen, wie der mutmaßliche Wille zu ermitteln ist. Hier gibt es durch die unklare Regelung viele Probleme in der Praxis“, kritisiert Brysch. Sind sich jedoch sowohl der behandelnde Arzt als auch der Bevollmächtigte einig, kann die medizinische Versorgung fortgeführt werden. Sollte dies nicht der Fall sein, muss erst ein Betreuungsgericht über die weiteren Maßnahmen entscheiden. Denn ein Arzt ist nicht befugt, ohne das Einverständnis des Bevollmächtigten zu handeln. Ausnahmen sind allerdings Notfallsituationen, in denen schnell gehandelt werden muss.

 

Redaktions-Tipp

Am Freitag beschließt der Bundesrat das Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung. Ziel ist es verstärkt über die Patientenverfügung aufzuklären, um „dem Wunsch des Betroffenen nach Selbstbestimmung am Lebensende Rechnung zu tragen und ungewollte Behandlungen zu vermeiden.“

Zentrales-Vorsorgeregister für Patientenverfügungen auch in Deutschland

In Dänemark gibt es bereits seit 1992 ein landesweites Register für Patientenverfügungen. Zudem wurde die Verbindlichkeit des Registers entschieden. Ärzte, die einen nicht einwilligungsfähigen Patienten behandeln, müssen sich vergewissern, ob und welche Art von Patientenverfügung existiert. In Deutschland gibt es noch kein gesetzlich verbindliches Register. Laut der Deutsche Stiftung für Patientenschutz ist ein zentrales Vorsorgeregister jedoch sinnvoll. „Entscheidend ist aber, dass im Ernstfall auf die Patientenverfügung zurückgegriffen werden kann.“