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Ab 1. Juli 2016 zahlen Hebammen über 6800 Euro für ihre Haftpflicht

Zum 1. Juli 2016 verteuert sich die Berufshaftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen wieder. Der Jahresbeitrag liegt dann bei über 6.800 Euro. Doch während es vor zwei Jahren noch große Diskussionen um die Prämien der Haftpflichtversicherung gab, geht diese Beitragserhöhung nahezu unbemerkt vonstatten. Dabei kämpfen viele Hebammen noch immer um ihre Existenz.
Kosten der Haftpflichtversicherung für Hebammen steigen auf 6800 Euro
Geburtshilfe: Hebammen von hohen Haftpflichtkosten belastet

Freiberufliche Hebammen müssen sich mit einer erneuten Beitragserhöhung für ihre Berufshaftpflichtversicherung abfinden. Zum 1. Juli 2016 steigen die Kosten dem Deutschen Hebammenverband zufolge um neun Prozent auf 6.843 Euro. Das sind monatlich rund 570 Euro, die Hebammen als Fixkosten einplanen und aufbringen müssen. Zwar wurde mit dem GKV-Finanzierungs- und Qualitätsgesetz ein Sicherstellungszuschlag beschlossen, mit dem freiberufliche Hebammen mit wenig begleiteten Geburten finanziell entlastet werden. Doch der Hebammenverband bemängelt, dass damit „niemals die Kosten der Haftpflichtprämie komplett“ ausgeglichen werden. „2016 werden 1.954 Euro nicht bezahlt.“

Hebammen: Hohe Prämien für Haftpflichtversicherung nicht im Griff

Der Zuschlag zur Haftpflichtversicherung ist an die Voraussetzung geknüpft, dass freiberufliche Hebammen mindestens vier Geburten pro Jahr betreuen. Für manche von ihnen ist diese Hürde zu hoch, etwa wenn sich die Geburt eines Kindes verspätet und so in das nächste Quartal rutscht. Zudem haben sich die Zuschüsse der Kassen an anderer Stelle reduziert, berichtet der MDR. Für eine Hausgeburt zahlen sie demnach nun 200 Euro weniger. Entsprechend kritisch äußert sich die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Elisabeth Scharfenberg, gegenüber dem MDR. „Die Dinge, die die Bundesregierung angeschoben hat, greifen überhaupt nicht. Die Hebammen sind immer noch sehr belastet. Zwar kriegen sie jetzt Unterstützung, aber die hohen Haftpflichtprämien wurden nicht in den Griff gekriegt.“

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Regressverzicht zeigt bisher keine Wirkung

Der Deutsche Hebammenverband geht davon aus, dass die Kosten für die Haftpflichtversicherung weiter steigen werden. Auch der mit dem Versorgungsstärkungsgesetz eingeführte Regressverzicht der Kranken- und Pflegekassen wird daran erst einmal nichts ändern. Durch diesen können die Kassen nun keine Schadensersatzforderungen mehr für Behandlungs- und Betreuungskosten verlangen, wenn Kinder oder Mütter während der Geburt zu Schaden kommen. Die Regierung erhoffte sich durch den Verzicht auch mehr Anreize für Versicherer, sodass sie freiberuflichen Hebammen wieder eine Berufshaftpflichtversicherung anbieten.

Doch bisher hat sich an der angespannten Lage nichts geändert. Für die im Deutschen Hebammenverband organisierten Hebammen gibt es derzeit einen Vertrag mit einem Konsortium, bestehend federführend aus der Versicherungskammer Bayern sowie der Allianz, ERGO, Debeka und Württembergische. Doch dieser läuft nur bis Mitte 2018. Dann muss neu verhandelt werden. Sollte künftig kein Versicherer bereit sein, Hebammen, die auch Geburtshilfe machen, eine Haftpflichtversicherung zu bieten, droht ihnen das berufliche Aus.