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Geldanlage für Frauen: „Finanzen können richtig Spaß machen“

Rentenchaos, Altersarmut, Niedrigzinsen: Die Nachrichten verheißen aktuell nichts Gutes. Viele Sparer wissen deshalb nicht, wie sie ihr Geld anlegen können. Das „Sorgenkind“ der Regierung sind Frauen, da sie am häufigsten von Altersarmut betroffen sind. Doch die Finanzberaterin Dr. Mechthild Upgang beruhigt die Gemüter. Sie erklärt, wie weibliche Sparer jetzt handeln sollten.
Dr. Upgang berät Frauen in Finanzfragen
Dr. Mechthild Upgang ist Finanzberaterin für Frauen

Frauen leiden besonders häufig unter Altersarmut. Ein zentraler Grund ist, dass sie sich bei Finanzthemen zu oft auf ihre (männlichen) Lebenspartner verlassen. Wie werden Finanzen insgesamt attraktiver für Frauen?

Dr. Upgang: Die Deutschen leben, anders als andere Staatsbürger, immer noch in der festen Überzeugung, dass sich der Staat um ihre Altersrente kümmert. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Die Prognosen und aktuellen Zahlen zeigen aber, dass dies nicht stimmt. Meiner Meinung nach muss deshalb mehr Bewusstsein für die eigene finanzielle Verantwortung entstehen. Das sollte schon ganz früh in Schulen ansetzen, denn dort wird kaum Finanzkompetenz vermittelt. An dieser finanziellen Unwissenheit leiden zwar alle Geschlechter gleichermaßen, doch Frauen haben in der Regel zwei weitere, historisch gewachsene Nachteile auszugleichen:

  • Frauen durften bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts nicht ohne Einverständnis ihres Mannes Geld verdienen. Das ist natürlich heute undenkbar. Denn Frauen haben heutzutage eine gute Ausbildung und sind im Beruf erfolgreich. Doch die Verantwortung für die eigenen Finanzen ist für Frauen verhältnismäßig neu.
  • Viele Frauen unterbrechen ihre berufliche Karriere für Kinder und Familie. Sie verlassen sich in dieser Zeit finanziell meist auf ihren Partner.

Mein Eindruck ist: Frauen üben zwar heute selbstverständlich einen Beruf aus, aber dieser Fortschritt hat vor der Geldanlage Halt gemacht. Das sollten wir ändern! Nicht nur weil es Spaß macht, sich selbst mal einen Urlaub zu finanzieren, sondern auch, weil finanzielle Freiheit auch persönliche Freiheit bedeutet.

Sie beraten Frauen seit fast 30 Jahren in Finanzfragen. Konnten Sie in all diesen Jahren ein Muster erkennen, warum viele Frauen verunsichert sind und Finanzen nur selten mit einer selbstbewussten Selbstverständlichkeit anpacken?

Dr. Upgang: Da Frauen erst seit wenigen Jahrzehnten uneingeschränkt über ihr Geld verfügen können, hat sich die lange Tradition, dass der Mann sich um das Geld kümmert, festgesetzt. Frauen mussten erst lernen, ohne Einwilligung des Mannes selbst über ihr Geld zu bestimmen. Da Finanzthemen sehr komplex sind, überlassen manche Frauen dieses Thema in „altbewährter Tradition“ ihren Partnern.

Haben Sie den Eindruck, dass Frauen keine Lust haben, Teil der Finanzbranche zu werden?

Dr. Upgang: Die Finanzbranche hat ein negatives Image. Das führt meiner Meinung nach bei allen Menschen zu Verunsicherung. Hinzu kommt, dass sie den Beraterinnen und Beratern nicht trauen. Der Grund dafür ist, dass diese meist nicht von der Beratung selbst, sondern vom Verkauf der Produkte leben. Darüber hinaus hat natürlich die Bankenkrise und die aktuelle Niedrigzinsphase das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit von Geldanlagen generell geschwächt. Aus meinem Arbeitsalltag weiß ich, dass die meisten Menschen aus Angst irgendwann trotz aller Zweifel mit einem Vorsorgeprodukt ihre spätere Rente aufbessern.

Das Schlimme daran ist, dass die Angebote oft gar nicht zu ihren Lebensumständen passen. Das ist als ob man mit dem Wunsch, eine schwarze Winterjacke zu kaufen, in ein Kleidungsgeschäft geht und mit einem grünen T-Shirt wieder hinauskommt. Dann hat man zwar irgendetwas zum Anziehen, aber nicht das, was man ursprünglich wollte. Den Fehlkauf, um bei der Metapher zu bleiben, geben die meisten Menschen zurück, weil sie erkennen, wie nutzlos das T-Shirt im Winter ist. Eine Altersvorsorge hingegen hängt man nach ganz hinten in den Schrank, wartet ab und hofft, dass sie sich später als hilfreich entpuppt.

Sie legen großen Wert darauf, nach sozialen und ethischen Maßstäben zu handeln. Wie drückt sich die ethische und soziale Verantwortung in Ihrer Beratung aus?

Dr. Upgang: Unser ethischer Maßstab drückt sich einerseits durch unsere Angebote aus und andererseits durch unsere Beratungsphilosophie. Zum einen achten wir bei der Auswahl der Anlagen darauf, dass soziale, ökologische und ethische Kriterien berücksichtigt werden. Bei den angebotenen Investmentfonds muss nachvollziehbar sein, welche Auswahlkriterien berücksichtigt werden. Wer beispielsweise die Waffenindustrie und Atomkraft aus Investitionen ausschließen möchte, sieht das eindeutig in den Angeboten.

Zum anderen haben wir unsere Beratung im Bereich der Geldanlagen verändert. Bei Neuanlagen sind wir dazu übergegangen, keine Ausgabeaufschläge und Bestandprovisionen zu vereinnahmen. Kurz gesagt verdienen wir nicht an Einmalzahlungen, sondern entlohnen unsere Arbeit durch laufende Servicegebühren. So kann jede Kundin sicher sein, dass sie auch laufend betreut wird.

Welche Tipps geben Sie jungen Frauen mit auf den Weg? Welche Sparziele sollten gerade heute 30-Jährige nicht aus den Augen verlieren?

Dr. Upgang: Ein konkretes Sparziel kann ich nicht nennen. Das muss jede Frau für sich selbst bestimmen. Das übergeordnete Ziel sollte meiner Meinung nach jedoch sein, sich endlich für seine finanzielle Selbstbestimmung zu begeistern. Das klappt meiner Erfahrung nach besonders gut, indem sich Frauen drei unterschiedliche Spar-Töpfchen anlegen. Eines dieser Töpfchen sollte ein Tagesgeldkonto sein, auf dem man monatlich Geld für schöne Ziele wie einen Urlaub oder ein Paar neue Schuhe auf die Seite legt. Das zweite Töpfchen kann schon eine gewinnbringendere Anlage sein. Dort wird dann auf etwas größere Ziele hingespart oder Reserven gebildet. Der dritte Topf sollte für die Altersvorsorge reserviert sein und definitiv mehr Rendite bringen als ein Tagesgeldkonto.

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Die Vorteile dieser Methode sind:

  • Das Geld vermehrt sich sichtbar.
  • Das Sparziel ist weniger abstrakt als ein Altersvorsorgeprodukt.
  • Man kann sich auch mal etwas leisten ohne schlechtes Gewissen.

Wie lassen sich diese Sparziele am besten erreichen, wenn Frauen zwar regelmäßig, aber nur wenig Geld zur Seite legen können?

Dr. Upgang: Wer ein wenig Zeit aufbringen kann und möchte, kann auf die mittlerweile sehr günstigen ETFs (Exchange Traded Funds) zurückgreifen. Mit ihnen kann jeder schon mit monatlich kleinen Summen von 25 Euro einen Sparplan einrichten. Da Berater daran kein Geld verdienen, müssen Frauen diese Anlagen in Eigenrecherche erwerben und sie regelmäßig im Blick haben. Welche ETFs gut sind, kann man bei Verbraucherportalen nachlesen. Frauen, die lieber eine Beratung in Anspruch nehmen wollen, müssen wissen, dass diese Dienstleistung beziehungsweise die Betreuung der Geldanlage Geld kostet. Dabei müssen Frauen darauf achten, dass sie eine laufende Betreuung erhalten. Anlagen mit hohen Einmalgebühren bergen die Gefahr, dass die Beraterin oder der Berater am Anfang die Provision einnimmt und anschließend kein Interesse mehr an der laufenden Betreuung hat.

 

ETF: Die passive Form der Geldanlage kurz er​klärt

ETFs, kurz für Exchange Traded Funds, auch Indexfonds genannt, sind passive Geldanlagen. Sie unterscheiden sich von aktiven Anlagen darin, dass sie keinen Fondsmanager benötigen. Aus diesem Grund fallen die Verwaltungskosten für diese Geldanlage flach.   

Die Finanzberatung wird durch aufwendige Dokumentation in Protokollen immer transparenter. Hat das auch negative Konsequenzen für Kleinanlegerinnen?

Dr. Upgang: Durch den erhöhten Aufwand werden die Kosten für die Banken und Anlageberaterinnen und Berater erhöht. Das hat zur Folge, dass es in deren Augen nur noch Standard-Produkte für Kleinanlegerinnen gibt. Konkret bedeutet das: Als Kleinanlegerin muss ich mich entweder selbst kümmern und suche nach sehr günstigen Anlagealternativen, wie beispielsweise ETFs. Andernfalls muss ich in einer Beratung in der Regel mit standardisierten Produkten vorliebnehmen.

Vielen Dank für das Interview, Dr. Upgang! 

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur Geldanlage.