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„Nie hilfst du mir“: Simple Techniken gegen Zoff unterm Weihnachtsbaum

An den Weihnachtsfeiertagen geht es nicht immer nur besinnlich zu. Bei manchen Familien gehören Zank und Streit ebenfalls zum Festtagsprogramm. Zu hoch sind einfach die Erwartungen am Beisammensein, die Nerven liegen dagegen blank. Eine explosive Mischung, weiß der Mediator Herbert Hofmann. Er stellt daher eine Reihe von Techniken vor, die ein friedliches Fest ermöglichen.
Mediatoren Tipps gegen Zank und Streit unterm Weihnachtsbaum
Mediator Herbert Hofmann gibt Tipps für friedliche Feiertage

Das jährliche Weihnachtsfest verläuft in vielen Familien friedfertig und harmonisch. Doch nicht überall hängt der Haussegen über Weihnachten gerade. In manchen Familien endet der Heiligabend mit Vorwürfen, Tränen und knallenden Türen. Dabei gibt es laut dem Mediator Herbert Hofmann ganz einfache Techniken, um einen Streit schon im Vorhinein zu verhindern. Falls es dann doch mal kracht, stellt er Wege aus der Mediation vor, wie Familienmitglieder einander besser verstehen und einen Konflikt schnell und fair lösen können.

Weihnachten steht vor der Tür und so manche Familien fürchten sich schon jetzt vor dem großen Zerwürfnis unterm Christbaum. Welche Tipps haben Sie für Familien, damit sie den Festtagen entspannter entgegenblicken können?

Herbert Hofmann: Für alle Familien ist es ratsam, bereits im Vorfeld und in einer ruhigen Minute miteinander über die Erwartungen, Wünsche, Werte, Hoffnungen und Bedürfnisse am Weihnachtsfest zu sprechen. 80 Prozent der Kommunikation läuft zwar nonverbal zwischen uns Menschen ab – Worte brauchen wir eigentlich nur, wenn wir uns nicht mehr verstehen. Dennoch sollte jedes Familienmitglied mitteilen, was ihm bei der Gestaltung des Weihnachtsfestes wichtig ist, denn trotz aller Liebe und Zuneigung können die meisten von uns keine Gedanken lesen.

In solchen Gesprächen können Vereinbarungen über das Essen getroffen werden oder wer was besorgt, kocht und abwäscht. Dabei hilft es auch über Abfolgen zu sprechen, ob beispielsweise erst gegessen wird und dann beschert oder umgekehrt. Wenn Familien es dann noch schaffen, das Weihnachtsfest nicht ähnlich durchzutakten wie ihren Arbeitsalltag, sondern Raum für Besinnung, Achtsamkeit und Wertschätzung schaffen sowie offen sind für eine echte Begegnung mit der Familie, sollte einem frohen Weihnachtsfest nichts mehr im Wege stehen.

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Gibt es einfache Deeskalationsmethoden, um einen Streit zu verhindern?

Herbert Hofmann: Weihnachten ist emotional aufgeladen. Jeder bringt Rituale seiner Herkunftsfamilie mit, von denen er unausgesprochen glaubt, dass das Fest der Freude genauso gefeiert werden muss. Eine gewisse Offenheit sowie die Bereitschaft Neues zu lernen und sich auf den anderen und seine verinnerlichten Rituale einzulassen, gehört dazu.

Eine Methode der Deeskalation erfolgt in folgenden Schritten:

  • Schaffen Sie eine gemeinsame Informationsgrundlage: Worum geht der Streit?
  • Haben Sie den festen Willen, die ausgetauschten Informationen zu verstehen, ohne sie zu bewerten.
  • Versuchen Sie sich in Ihr Gegenüber hineinzuversetzen und finden Sie einfühlsam eine Balance zwischen dem, was Ihnen und Ihren Familienmitgliedern oder Partner wichtig ist.
  • Finden Sie gemeinsam eine Lösung, mit der alle gut leben können.
  • Akzeptieren Sie die Einigung und seien Sie nicht beleidigt.
 

Mediation als Alternative zur Gerichtsverhandlung

Können sich Familien, Paare, Geschwister oder Nachbarn nicht mehr einig werden, kann Mediation helfen, den Streit zu schlichten. Sie ist meist viel günstiger und zielführender als ein Gerichtsverfahren.

Können Sie fünf Techniken aus Ihrer mediatorischen Arbeitspraxis nennen, durch die aus einem einfachen Streit keine Grundsatzdebatte wird?

Herbert Hofmann: Menschen streiten sich, wenn ein oder mehrere Bedürfnisse ins Minus geraten. Welche Bedürfnisse das sind, ist oft gar nicht leicht herauszufinden. Die gewaltfreie Kommunikation (GFK) kann dabei helfen, den verborgenen Emotionen auf die Spur zu kommen. Die GFK verläuft in vier Schritten. Zunächst muss geklärt werden, was passiert ist und welche Handlungen oder Aussagen das Wohlbefinden beeinträchtigt haben. Danach gilt es herausfinden, welche Gefühle diese Situation oder Aussage ausgelöst haben. Im dritten Schritt muss man sich fragen, welche Bedürfnisse beispielsweise nach Anerkennung, Respekt oder Autonomie in der jeweiligen Situation ins Minus geraten sind. Zuletzt kann man sein Gegenüber um eine konkrete Handlung bitten, die das Leben aller reicher machen kann.

Weitere hilfreiche Techniken aus der mediativen Praxis sind:

  • Aktives Zuhören: Das heißt, den unbedingten und uneingeschränkten Willen haben, den anderen zu verstehen und sich in ihn einzufühlen.
  • Ich-Formulierungen wählen: Sprechen Sie von sich und Ihren Gefühlen und dem, was Sie brauchen.
  • Spiegeln und Paraphrasieren: Gehen Sie auf Nummer sicher, ob Sie den anderen richtig verstanden haben und gewinnen Sie Zeit, um sich Ihre Antworten zu überlegen. Beispiel: „Bevor ich dir antworte, möchte ich sicher gehen, ob ich dich richtig verstanden habe. Ich habe gehört, dass es dir wichtig ist, die Weihnachtsgeschenke abwechselnd auszupacken. Hast du das so gemeint?“
  • Grundsätzlich gilt: In schwierigen Situationen helfen tief atmen und ein Lächeln.

Was sind die größten Fehler, die Familienmitglieder in einem Streit begehen können?

Herbert Hofmann: Die Du-Du-Du-Sprache und Worte wie immer, alle und nie. Sätze wie: „Du hast mir wieder nicht geschenkt, was ich mir gewünscht habe, weil du mir nie zuhörst!" oder „Du kannst auch mal alle Geschenke einpacken, sonst wird in diesem Jahr Weihnachten einfach ausfallen!" sind klassische Vorwürfe und Drohungen, mit denen niemand etwas erreicht. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Denn die Fronten verhärten sich und der Streit eskaliert.

Haben Sie einen Tipp, wie Familien nach einem Streit wieder den Zugang zueinander finden und eine gemeinsame Feier noch möglich ist?

Herbert Hofmann: Der beste Tipp ist, die Situation erst einmal zu verlassen und tief durchzuatmen. Dabei können vier Schritte der GFK helfen.

  • Finden Sie für sich heraus, was passiert ist.
  • Horchen Sie in sich hinein, wie sich das für Sie anfühlt.
  • Überlegen Sie, was Sie jetzt brauchen.
  • Versuchen Sie eine Bitte an Ihr Gegenüber zu formulieren.

Wenn sich dann eine innere Erleichterung einstellt, hat man das Bedürfnis, welches ins Minus geraten ist, identifiziert. Am besten ist, wenn beide Konfliktparteien mit Hilfe der vier Schritte überlegen, wie es dem andern ergangen ist und seinen Standpunkt begreifen. Wichtig ist zu verstehen, dass es beim Streit keine Täter und Opfer gibt. Konflikte haben die Funktion, einen besseren Zustand herbeizuführen. Dabei kann eine aufrichtige Entschuldigung für verletzende Worte ebenso helfen wie der authentische Austausch über die eigenen und die Bedürfnisse des anderen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Hofmann.

Herbert Hofmann ist Mediator, Systemischer Coach und Familienberater sowie Kommunikations-Trainer.