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Nachhaltigkeit: Öko-Strom ist häufig die günstigere Alternative

Die Deutschen Aktionstage für Nachhaltigkeit laufen noch bis zum 5. Juni 2017. Dort geht es um einfache und unkomplizierte Beiträge, die jeder Mensch für die Umwelt leisten kann. In diesem Rahmen erzählt Dr. Tim Loppe von Naturstrom im finanzen.de-Interview, wie wichtig erneuerbare Energien für einen bewussten Lebensstil sind und wie günstig diese Alternative sein kann.
Dr. Tim Loppe spricht über erneuerbare Energien
Dr. Tim Loppe über die Bedeutung von Öko-Strom

Bio-Lebensmittel, nachhaltige Energie und Naturkosmetik sind in Deutschland sehr beliebt. Doch ganz so weit scheint es mit der Liebe zur Umwelt nicht zu gehen: Betrachtet man beispielsweise die steigende Nachfrage von Geländewagen und den enormen Verbrauch von Plastik besteht Handlungsbedarf. Um das Umweltbewusstsein der Menschen zu stärken, gibt es die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit. Sie fordern Privatpersonen, Vereine und Gemeinden auf, Ideen für ein nachhaltigeres Leben zu präsentieren.

In diesem Rahmen hat finanzen.de mit Dr. Tim Loppe von Naturstrom über die Bedeutung von regenerativer Energie für die Umwelt gesprochen. Im Interview beantwortet er auch die Frage, wie nachhaltige Energie für jeden eine bezahlbare Alternative zu Kohle- oder Atomenergie werden kann.  

Wie wichtig ist den Menschen in Deutschland ein nachhaltiger Lebensstil und sind sie dafür bereit – etwa bei Ökostrom – tiefer in die Tasche zu greifen?

Dr. Tim Loppe: Nachhaltigkeit wird den Menschen immer wichtiger – das zeigen nicht nur Umfragen, sondern auch der Erfolg von Ökostromanbietern, nachhaltigen Banken oder Herstellern von Bio-Lebensmitteln. Dabei sind Ökostrom- und Biogastarife preislich schon längst absolut wettbewerbsfähig. Selbst zertifizierte Qualitätsprodukte, die einen transparenten Zusatznutzen für die Energiewende haben, sind häufig sogar günstiger als die Grundversorgungstarife der örtlichen Anbieter.

Zeigen insgesamt mehr Privathaushalte oder Geschäftskunden Interesse daran, Ökostrom zu beziehen? Gibt es Unterschiede bei den Beweggründen?

Dr. Tim Loppe: Für Privatpersonen ist Ökostrom schon seit Jahren ein absolutes Massenphänomen – was nicht heißt, das nicht immer noch viel Luft nach oben wäre. Denn der Atomausstieg ist zwar politisch beschlossen, aber noch längst nicht Realität. Knapp zwei Drittel des in Deutschland verbrauchten Stroms werden nach wie vor in Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken erzeugt. Es gibt also noch viel zu tun. Der Wechsel zu hochwertigem Ökostrom ist ein erster, kleiner Schritt, den jeder unkompliziert gehen kann.

Auch viele Unternehmen setzen inzwischen auf Ökostrom. Unter unseren Kunden sind rund 20.000 Unternehmen und Institutionen. Darunter sind neben zahlreichen kleineren und mittelständischen Unternehmen auch Großkunden wie der Tor- und Türhersteller Hörmann, der seine Zentrale und alle Produktionsstätten in Deutschland von uns beliefern lässt. Das entspricht gut und gerne dem Stromverbrauch einer Kleinstadt. Dieses Beispiel zeigt: Ökostrom ist auch für größere Unternehmen im produzierenden Gewerbe interessant.

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Die sogenannte Ökostrom-Umlage soll erneuerbare Energien fördern, doch für die Konsumenten wird der Strom immer teurer. Was müsste sich in Deutschland ändern, damit der Ökostrompreis stabil bleibt bzw. günstiger wird?

Dr. Tim Loppe: Die EEG-Umlage, besser bekannt als Ökostrom-Umlage, ist kein Preisschild für die Energiewende, das ist ein sehr hartnäckiges Missverständnis. Um herauszufinden, woher die erhöhten Strompreise kommen, muss man sich die Summe aus EEG-Umlage und dem durchschnittlichen Börsenstrompreis ansehen. Dann zeigt sich, dass es in den letzten Jahren kaum noch einen Anstieg gab. Denn der Ausbau der erneuerbaren Energie trägt zwar neben anderen Faktoren dazu bei, dass die EEG-Umlage steigt, gleichzeitig sinkt durch den Wind- und Sonnenstrom aber auch der Preis an der Leipziger Strombörse.

Die EEG-Umlage ließe sich jedoch ganz einfach senken, wenn zahlreiche große Industrieunternehmen nicht mehr von Privilegien profitieren würden. Viele Großunternehmen sind nämlich von der Zahlung der EEG-Umlage weitgehend befreit. Alle Einnahmeausfälle für das Umlagen-System müssen dann von den anderen Zahlern kommen, also in erster Linie von den Privatkunden. 2016 wurden fast fünf Milliarden Euro EEG-Umlage von der Industrie auf die Schultern der Haushalte und Kleingewerbe umverteilt.

Die steigenden Preise vieler Stromanbieter liegen allerdings nicht nur an den Privilegien für Großkonzerne. Eine wichtige Rolle spielen mittlerweile auch die steigenden Preise für die Netznutzung, für die Übertragung und Verteilung des Stroms. Hier ist die Bundesnetzagentur am Zug, die darüber wacht, welche Renditen die Netzbetreiber in ihren natürlichen Monopolen erzielen können.

Nicht nur der Preis ist ein Feind der Windkraft: Es gibt zahlreiche Gegner, die sich durch die Windräder gestört fühlen (Schattenwurf, Lärmbelästigung, Störung des Landschaftsbildes...). Wie ernst nehmen Sie diese Kritik und wie begegnen Sie den Gegnern?

Dr.Tim Loppe: Nach unserer Erfahrung ist es enorm wichtig, die Leute vor Ort früh ins Boot zu holen, sie zu informieren und mit ihnen zu diskutieren. Bei Vielen lassen sich dadurch anfängliche Vorbehalte aus der Welt räumen. Darüber hinaus sollten die Anwohnerinnen und Anwohnern von den Windparks in ihrer Gemeinde profitieren können. Bei vielen unserer Windparks bieten wir den Nachbarn einen günstigeren Stromtarif an, in mehreren Fällen auch eine finanzielle Beteiligung.

Wie würde die deutsche Energiegewinnung der Zukunft aussehen, wenn Sie sie gestalten könnten?

Dr. Tim Loppe: Die Energiewende bringt nicht nur einen technologischen Wandel mit sich, sondern auch einen gesellschaftlichen: Weg von einem zentralisierten System fossil- und atomar-betriebener Großkraftwerke hin zu erneuerbaren Energien, dezentral organisiert und von engagierten Bürgerinnen und Bürgern getragen. Der gesellschaftliche Aspekt ist uns sehr wichtig, wir wünschen uns, dass die Bevölkerung im Transformationsprozess zur Energiewende weiterhin eine entscheidende Rolle spielt.

Rein technisch betrachtet setzen wir uns für einen breiten Technologiemix unter den erneuerbaren Energien ein – mit Windparks und Solaranlagen als wichtigsten Stützen, aber auch mit Biomasse- und Wasserkraftwerken. Die Anlagen sollten möglichst breit im Land verteilt sein. Windstrom lässt sich auch im Binnenland ernten, Sonnenstrom auch im Norden. Der Ertrag fällt dann vielleicht etwas geringer aus als an optimalen Standorten, aber dafür wird der Bedarf an zusätzlichen Übertragungsnetzen reduziert.

Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Loppe.