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Neuer Ärger bei elektronischer Gesundheitskarte: Zu wenig Lesegeräte

Die elektronische Gesundheitskarte soll mit einer digitalen Patientenakte und schnell abrufbaren Notfalldaten zu einer besser vernetzten medizinischen Versorgung beitragen. Doch bisher spüren Kassenpatienten davon noch nichts. Nun drohen neue Probleme. Denn es fehlen die notwendigen Lesegeräte. Dies könnte für die Ärzte teuer werden.
Ärzte bekommen keine Lesegeräte für elektronische Gesundheitskarte
Für Ärzte droht Ärger bei der elektronischen Gesundheitskarte

Seit mehr als zwei Jahren ist die elektronische Gesundheitskarte (eGK) in Deutschland für alle gesetzlich Krankenversicherten Pflicht. Das Besondere an ihr: Sie enthält ein Foto des Versicherten sowie einen Chip, auf dem alle wichtigen Patientendaten gespeichert werden, sodass diese für jeden Arzt und Apotheker zugänglich sind. Dadurch sollen beispielsweise die behandelnden Mediziner in der Notaufnahme schnell einsehen können, welche Vorerkrankungen der Patient hat und ob er bestimmte Medikamente einnimmt, die für die Diagnose und Behandlung eine Rolle spielen.

Obwohl inzwischen jeder Kassenpatient eine eGK in der Tasche hat, können deren Funktionen bisher nur eingeschränkt genutzt werden. Denn um die Daten auf dem Chip auslesen zu können, wird unter anderem ein spezielles Lesegerät benötigt. Laut dem sogenannten E-Health-Gesetz sind alle Arztpraxen verpflichtet, sich dieses bis zum 1. Juli 2018 anzuschaffen. Das könnte allerdings problematisch werden. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, gibt es bei den Herstellern Probleme.

E-Health-Gesetz nimmt Ärzte, Apotheken und Kassen in die Pflicht

Mit dem Ziel, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben, ist zum 1. Januar 2016 das Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen, kurz E-Health-Gesetz, in Kraft getreten. Ein wichtiger Bestandteil des Gesetzes ist es, die Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten der eGK auszubauen. Hierfür hat Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) insbesondere Ärzte, Krankenkassen und die Industrie in die Pflicht genommen. So haben die Praxen bis zum 1. Juli 2018 Zeit, sich ein Kartenlesegerät zu besorgen, damit sie durch die Gesundheitskarte mehr als nur die Adress- und Versichertenangaben einsehen können. Wer den Termin nicht einhält, muss damit rechnen, dass seine Vergütung gekürzt wird.

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Lieferengpässe könnten Ärzte teuer zu stehen kommen

Für viele Arztpraxen dürfte es einem Beschluss der Spitzenverbände der Ärzte, Krankenkassen, Kliniken und Apotheker zufolge schwierig werden, sich innerhalb der nächsten zwölf Monate ein Lesegerät für die elektronische Gesundheitskarte zu beschaffen. Die Ärzte selbst tragen daran jedoch keine Schuld. Vielmehr liegt der Grund für die Verzögerung darin, dass es inzwischen lediglich ein einziges Unternehmen gibt, welches die benötigten Geräte herstellt. Zu wenig, um sämtliche Arztpraxen in Deutschland zu beliefern. Weiterhin kann der Hersteller den Preis für die Lesegeräte aufgrund des fehlenden Wettbewerbs diktieren, sodass die Anschaffung für Mediziner teuer werden könnte.

Zwar hat die zuständige Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte bereits eine weitere Firma mit der Entwicklung eines Lesegeräts beauftragt. Fraglich bleibt jedoch, ob das Unternehmen wie geplant im Frühjahr 2018 liefern kann. Da zahlreiche Ärzte die gesetzlich festgelegte Frist für die Anschaffung dadurch wohl nicht halten können, prüft das Bundesgesundheitsministerium nun, ob der Termin verschoben wird.

Elektronische Gesundheitskarte sorgt für Datenschutzbedenken

Erst kürzlich verkündete Gesundheitsminister Gröhe im Rahmen des Digital-Gipfels der Bundesregierung, mit dem E-Health-Gesetz endlich „Schwung in die Digitalisierung des Gesundheitswesens“ gebracht zu haben. Doch die Probleme bei der elektronischen Gesundheitskarte sorgen für Verzögerung.

Die digitale Karte ruft bereits seit Längerem Kritiker auf den Plan. Denn Patienten müssten nicht nur äußerst sensible Informationen von sich preisgeben, sondern auch erlauben, dass diese in einem zentralen System gespeichert werden. Die Anfälligkeit solcher digitalen Systeme für den Zugriff von Dritten erscheint Kritikern als Risiko. So hat vor wenigen Wochen der WannaCry-Virus mehrere Krankenhäuser in England lahmgelegt. Die digitale Speicherung medizinischer Daten sei daher sehr riskant.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur gesetzlichen Krankenversicherung.