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Wichtige Palliativversorgung zukünftig überall im Krankenhaus möglich

Schwerstkranke und sterbende Menschen erhalten Hilfe bei Schmerzen, Atemproblemen, Ängsten und anderen Beschwerden. Neben der ambulanten Palliativversorgung zu Hause, im Pflegeheim und im Hospiz werden Patienten in Krankenhäusern auf speziellen Stationen und durch mobile Palliativdienste in der gesamten Klink unterstützt.
Palliativversorgung auch in Kliniken möglich
Schwerstkranke Menschen brauchen eine angemessene Versorgung

Nicht jeder Mensch stirbt friedlich im Schlaf. Wenn eine schwere Erkrankung zu Schmerzen oder anderen Belastungen führt und die Lebenserwartung begrenzt ist, kann die Palliativversorgung die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen unterstützen. Dabei werden nicht nur Medikamente zur Schmerzlinderung eingesetzt. Die Versorgung umfasst die Betreuung durch Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Psychologen, Seelsorger und viele mehr. Heiner Melching, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, erklärt gegenüber finanzen.de, welche weiteren Besonderheiten es bei der Palliativmedizin gibt und wann Menschen auf Palliativstationen und wann sie im Hospiz betreut werden.

Herr Melching, noch vor wenigen Jahren konnten viele Menschen nur wenig mit dem Begriff „Palliativversorgung“ anfangen. Welche Erfolge konnte die Palliativmedizin in dieser Zeit vor allem hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung verbuchen?

Heiner Melching: In Anbetracht eines wenig verständlichen Fachbegriffs wie „Palliativ“ ist es erstaunlich, wie es allein im Laufe der vergangenen zehn Jahre gelungen ist, eine breite Aufmerksamkeit für die Palliativversorgung herzustellen. Dies hat mit zahlreichen Entwicklungen zu tun. Seit 2007 besteht zum Beispiel das Recht auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), im Jahr 2009 wurde die Palliativmedizin zum Pflicht-, Lehr- und Prüfungsfach, 2010 wurde die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ verabschiedet und zum Ende 2015 ist das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) in Kraft getreten. 

Diese Aufzählung zeigt, dass diverse Akteure aus Wissenschaft, Praxis, Politik, Recht und Gesellschaft dazu beigetragen haben, dass die Palliativversorgung etabliert werden konnte. Auch die Medien haben ihren Anteil daran, dass Berührungsängste abgebaut wurden und über Fragen des Lebens und des Sterbens in der breiten Öffentlichkeit gesprochen wird.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin freut sich im Jahr 2017 besonders darüber, mit dem Online-Portal „www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de“ eine nutzerfreundliche Datenbank zur Verfügung stellen zu können, mit deren Hilfe Angehörige von schwersterkrankten Menschen schnell und unkompliziert kompetente Ansprechpartner in ihrer Umgebung finden.

Manche Krankenhäuser verfügen über eigene Palliativstationen. Welche Unterstützung können diese im Unterschied zu Hospizen für schwerkranke Menschen bieten?

Heiner Melching: Palliativstationen sind Teil eines Krankenhauses. Das bedeutet, es muss ein Problem vorliegen, das nicht außerhalb eines Krankenhauses behandelt werden kann, wie starke Schmerzen, Luftnot, Wunden oder psychische Belastungen. Im Vordergrund steht die Linderung belastender Symptome, die Einbeziehung und Unterstützung der Angehörigen oder des sozialen Umfelds sowie die anschließende Überleitung in die gewünschte Umgebung, etwa nach Hause oder ins Hospiz.

Palliativstationen zeichnen sich dabei durch eine wohnliche Atmosphäre aus, Räumen für Angehörige und speziellen Therapien. Sie bieten ständige Besuchszeiten und Übernachtungsmöglichkeiten für Angehörige. Darüber hinaus erfolgt die Versorgung durch ein multiprofessionelles Team, welches aus speziell weitergebildeten Medizinern, Pflegekräften und weiteren Berufsgruppen, wie Psychologen, Physiotherapeuten, Sozialarbeitern und Seelsorgern besteht. Etwa die Hälfte der Patienten, die auf einer Palliativstation aufgenommen werden, verstirbt dort, weil entweder eine Verlegung zum Beispiel in ein Hospiz nicht mehr möglich ist oder von den Patienten nicht gewünscht wird.

Stationäre Hospize sind dagegen im engeren Sinne Pflegeeinrichtungen, in denen die Patienten beziehungsweise Gäste ihre letzte Lebenszeit verbringen. Erforderlich für die Aufnahme ist eine fortschreitende Erkrankung und eine Lebenserwartung, die nach fachlicher Einschätzung nur noch Tage, Wochen oder wenige Monate beträgt. Der Schwerpunkt liegt bei der Versorgung in der spezialisierten Pflege sowie der psychosozialen Begleitung der Gäste und der Angehörigen. Die Kosten für einen Aufenthalt trägt die Krankenkasse sowie anteilig entsprechend eines vorliegenden Pflegegrades auch die Pflegeversicherung. Darüber hinaus müssen Hospize fünf Prozent ihrer Kosten durch Spenden einwerben; eine Zuzahlung von Bewohnern ist nicht gestattet.

Trägt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Palliativversorgung im Krankenhaus?

Heiner Melching: Ja, die gesetzliche Krankenversicherung trägt die Kosten im selben Umfang wie auf jeder anderen Krankenhausstation. Das bedeutet, dass die Patientin / der Patient zehn Euro pro Tag zuzahlen muss, allerdings maximal 28 Tage pro Kalenderjahr.

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Es gibt für Kliniken die Möglichkeit, mobile Palliativdienste hinzuzuziehen. Was können diese leisten und gibt es bei der Versorgung Unterschiede zu Palliativstationen?

Heiner Melching: Die multiprofessionellen, spezialisierten Palliativdienste können Patienten auf jeder Krankenhausabteilung annähernd so mitversorgen, wie es auf einer Palliativstation möglich ist. Studien haben gezeigt, dass der Bedarf an Palliativversorgung in jedem Krankenhaus weit über das hinausgeht, was in den kleinen Palliativstationen geleistet werden kann. Außerdem können Palliativdienste bereits zu einem sehr frühen Krankheitsstadium Patienten versorgen, die mit einer lebensbedrohlichen Krankheit konfrontiert sind. Eine frühe Integration der Palliativmedizin kann nicht nur Symptome lindern und die Behandlung positiv beeinflussen, sondern in einigen Fällen sogar lebensverlängernd wirken. Zudem können Palliativdienste dazu beitragen, dass sich im gesamten Krankenhaus der Umgang mit Palliativpatienten verbessert.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin warnt bei den Palliativdiensten vor Dumpingpreisen, die die anspruchsvolle Versorgung gefährden können. Wen sehen Sie hier in der Verantwortung dem entgegenzuwirken?

Heiner Melching: Hier sind alle Vertragspartner, Krankenhäuser auf der einen und Krankenkassen auf der anderen Seite, gefordert. Die Palliativdienste sollen zukünftig über das Kriterium „Patientennahe Zeit“ finanziert werden. Für die Krankenhäuser ist es deshalb wichtig, für diese wichtige Zeit bei den Patienten und Angehörigen einen Preis zu verhandeln, der gewährleistet, dass ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung gestellt werden kann. Ansonsten besteht die große Gefahr, dass Mitarbeiter/innen des Palliativdienstes überlastet werden, ausbrennen oder gar Fehler machen und an dieser bedeutsamen Zeit Einsparungen vornehmen müssen. Hier sollten die Krankenhäuser sich vernetzen und zum Beispiel über die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin Informationen austauschen und geschlossen vorgehen. Aber auch die Krankenkassen sollten ein Interesse daran haben, dass eine Versorgung auf hohem Niveau möglich ist. Nur dadurch können Behandlungserfolge gewährleistet und langfristig unnötige Kosten eingespart werden.

An wen können sich Betroffene oder Angehörige wenden, wenn sie befürchten, dass die Palliativversorgung unzureichend ist? Gibt es im Krankenhaus oder außerhalb für sie Ansprechpartner?

Heiner Melching: Ein Ansprechpartner ist natürlich die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, die sich seit über 20 Jahren für eine Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung einsetzt und dabei sowohl die Wege der Wissenschaft als auch die der Politik nutzt.

Aber auch regionale Politiker können wichtige Ansprechpartner sein. Darüber hinaus existiert seit 2016 eine bundesweite Koordinierungsstelle zur Hospiz- und Palliativversorgung, die vom Familienministerium gefördert und von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin gemeinsam mit dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband und der Bundesärztekammer gestützt wird.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Melching!

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur gesetzlichen Krankenversicherung.