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Faires Geld für alle: Kassen wollen gerechteren Finanzausgleich

Die neue Bundesregierung ist noch gar nicht gewählt, schon kommen erste Forderungen auf sie zu. Ein Bündnis aus Ersatzkassen, Betriebs- und Innungskrankenkassen ruft zu einer schnellen Reform des Finanzausgleichs auf. Denn die bisherige Regelung schaffe Wettbewerbsverzerrung anstatt Chancengleichheit bei der Gesundheitsversorgung. Das müsse sich dringend ändern.
Bündnis der Krankenkassen fordert Reform beim Finanzausgleich
Das Geld aus dem Finanzausgleich soll gerechter verteilt werden

Seit Jahren herrscht zwischen den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) und vielen Ersatzkassen sowie Betriebs- und Innungskrankenkassen ein Streit. Grund dafür ist die Verteilung der Gelder aus dem Finanzausgleich. Denn davon würden lediglich die AOKen profitieren, heißt es vonseiten der Kritiker. Aktuelle Zahlen der Frankfurter Allgemeinen scheinen den Vorwurf zu bestätigen.

Der Zeitung zufolge erwirtschafteten die Krankenkassen im ersten Quartal 2017 offenbar Rekordüberschüsse in Höhe von 620 Millionen Euro. Doch während die AOKen ihre Rücklagen im Vergleich zum Vorjahr verfünffachen konnten, mussten die Ersatzkassen sowie die Innungs- und Betriebskrankenkassen insgesamt Verluste hinnehmen. Dies führen sie auf den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich, kurz Morbi-RSA, zurück. Dieser würde die Ortskrankenkassen bevorteilen und dadurch ein Ungleichgewicht bei den Zusatzbeiträgen schaffen. Die neue Bundesregierung müsse diese Wettbewerbsverzerrung umgehend beenden, lautet die gemeinsame Forderung des Bündnisses von insgesamt 91 Krankenkassen.

Manipulationsverdacht: Kassen nutzen Finanzausgleich aus

Der Finanzausgleich dient dazu, Risikounterschiede zwischen den Krankenkassen auszugleichen. Einige Kassen haben viele Mitglieder, die älter sind oder unter chronischen Erkrankungen leiden. Für diese Patienten sind die Ausgaben der Kasse höher als für jüngere Menschen, die lediglich vereinzelt beispielsweise wegen einer Erkältung oder Grippe behandelt werden müssen. Um dieses Ungleichgewicht zu verringern, erhalten Krankenkassen mit vielen Risikopatienten einen finanziellen Ausgleich.

Das Prinzip sorgt jedoch bereits seit Längerem für Kritik. Denn manche Kassen würden ihre Mitglieder bewusst kränker machen, um möglichst viel Geld aus dem Morbi-RSA zu erhalten. So gibt es eine Liste von 80 ausgewählten Krankheiten, bei deren Diagnose die Krankenkassen einen Zuschuss von bis zu 1.000 Euro bekommen. Eine neue Studie von Münchener Forschern belegt nun einerseits, dass sich die Zahl dieser Diagnosen seit der Einführung des Risikostrukturausgleichs stark erhöht hat, sowie andererseits, dass dies auf manipulative Absprachen zwischen Ärzten und Kassen zurückzuführen sei.

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Mehr Geld für kranke Mitglieder: Prävention bleibt auf der Strecke

Kritiker sehen in den Regelungen des Finanzausgleichs nicht nur die Gefahr, Versicherte vermeintlich kränker zu machen. Vielmehr werden Krankenkassen, die sich für eine wirksame Prävention einsetzen, anschließend dafür bestraft, weil sie weniger Geld bekommen. Langfristig könnte dies dazu führen, dass den Kassen der Antrieb fehlt, Geld für Präventionsmaßnahmen auszugeben.

Diese Problematik benennt auch die Monopolkommission in einem Sondergutachten zu „Stand und Perspektiven des Wettbewerbs im deutschen Krankenversicherungssystem“. Sie berät als unabhängiges Gremium die Bundesregierung unter anderem in Bezug auf Wettbewerbsrecht und Wettbewerbspolitik. Wie das Handelsblatt berichtet, schlägt die Kommission vor, Kassen abzustrafen, wenn sich ihr Krankenstand stark erhöht.

Das Bündnis aus Ersatzkassen sowie Innungs- und Betriebskrankenkassen fordert dagegen eine schnelle Reform des Finanzausgleichs. In der entsprechenden Erklärung heißt es dazu: „Der Morbi-RSA muss in Zukunft manipulationsresistenter und gerechter werden.“

Ausgleichszahlungen können Kassenbeiträge beeinflussen

Der Hauptkritikpunkt am Strukturausgleich ist für das Bündnis der Krankenkassen die ungleiche Entwicklung der Beiträge. So können Kassen, die eine hohe Unterstützung durch den Morbi-RSA bekommen, ihren Zusatzbeitrag dauerhaft gering halten. Erhält eine Krankenkasse allerdings nur wenige Ausgleichszahlungen, sind auch ihre Ausgaben insgesamt höher. Um die Kosten zu decken, könnte dies Beitragserhöhungen nach sich ziehen. Die Leidtragenden sind dann die Versicherten.

Tipp: Krankenversicherte, die besonders viel Wert auf eine günstige Absicherung liegen, finden mit einem Krankenkassenvergleich schnell heraus, welche Kassen preiswert sind.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur gesetzlichen Krankenversicherung.