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„Integration gelingt nur durch erfolgreiche Teilhabe an Bildung“

Das Thema Integration sorgt nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise für Diskussionen. Die Frage, wie erfolgreiche Integration geht und was sie leisten soll, stellt Politik und Gesellschaft oftmals vor große Herausforderungen. Die Stiftung Mercator setzt sich für ein positives Integrationsklima ein und hebt dabei vor allem die Chancen von Einwanderung hervor.
Die Stiftung Mercator kämpft vor allem für mehr Chancengleichheit
Christiane von Websky von der Stiftung Mercator (Bildquelle: Stiftung Mercator)

Bildung spielt bei der Integration und gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund eine zentrale Rolle, betont die Stiftung Mercator. Darum will sie für mehr Chancengleichheit sorgen. Denn Kinder, die nach Deutschland eingewandert sind, sind in der Schule oftmals benachteiligt, sagt Christiane von Websky, Leiterin des Bereichs Integration bei der Stiftung.

Um hier gegenzusteuern, sieht sie vor allem die Lehrkräfte in der Pflicht. Im Gespräch mit finanzen.de erläutert von Websky, wie die Stiftung Menschen dabei unterstützt, die Benachteiligung abzubauen und welche Erfolge bereits erzielt wurden.

Integration ist eines der vier großen Clusterthemen der Stiftung Mercator. Welche drei Aspekte liegen Ihnen dabei besonders am Herzen, vor allem im Hinblick auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland?

Christiane von Websky: Wir möchten das Integrationsklima positiv beeinflussen, indem wir für die Chancen von Einwanderung sensibilisieren. Dies soll vor allem den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland stärken und allen Menschen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Ein effektiver Weg, um dies zu erreichen, sind erfolgreiche Bildungswege. Unser Engagement für Chancengerechtigkeit bezieht dabei die gesamte Gesellschaft in Deutschland mit ein – auch die neueingewanderten Flüchtlinge.

Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sind häufig doppelt benachteiligt: durch ihren Migrationshintergrund und durch ihre soziale Herkunft, weshalb wir beides in unseren Bildungsprojekten in den Blick nehmen. Denn Integration kann nur durch erfolgreiche Teilhabe an Bildung gelingen.

Wie wollen Sie Ihre Ziele im Bereich Integration erreichen und wie genau unterstützen Sie Menschen mit Migrationshintergrund?

Christiane von Websky: Wir entwickeln gemeinsam mit Partnern Projekte mit Modellcharakter, die Potenzial haben, sich weiter auszubreiten. Uns ist es wichtig, nicht nur punktuell zu wirken, sondern innovative und umsetzbare Konzepte zu entwickeln, die übertragbar sind. Geleitet werden wir von der Fragestellung, was Schulen und Lehrkräfte leisten müssen, um die Herausforderungen der zunehmenden Vielfalt in den Klassenzimmern zu meistern. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist beispielsweise Sprachförderung, welchen wir unter anderem mit unserer Partnergesellschaft, dem Mercator Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, in den Blick nehmen.

Unser Service
für Sie

Wie ermutigen Sie gezielt Menschen, die selbst einen Migrationshintergrund haben, sich beispielsweise durch eigene Projekte für mehr Integration einzusetzen?

Christiane von Websky: Gesellschaftliche Teilhabe, die allen in Deutschland lebenden Menschen möglich sein sollte, bedeutet für uns auch, dass sich alle für ein positives Integrationsklima einsetzen sollten. Wir ermutigen daher – hier vor allem junge Menschen – sich aktiv in den Diskurs einzubringen, zum Beispiel mit der Jungen Islam Konferenz. Dort kommen religiöse und nicht-religiöse Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund zusammen, um sich über ihr Leben in Deutschland oder in ihrer Stadt auszutauschen, mehr übereinander zu lernen und eigene Impulse zu einem Zusammenleben in Vielfalt an Politik und Verwaltung zu geben.

Welche Erfolge konnten Sie mit Ihren Projekten bereits erzielen? Gibt es ein Beispiel, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Christiane von Websky: Durch unsere Studien gelingt es uns immer wieder, zur Versachlichung der Debatte um Einwanderung beizutragen. Vorurteile entstehen oft auch durch Unkenntnis. Wir kommunizieren die Ergebnisse unserer Studien breit, leiten Handlungsempfehlungen ab und geben diese an Politik und Verwaltung beziehungsweise Lehrkräfte weiter. In unserer aktuellsten Studie „Vielfalt im Klassenzimmer“ kamen zum Beispiel sehr konkrete, praxisnahe Ansätze für Lehrkräfte heraus, wie gute Leistung von Schülern mit Migrationshintergrund gefördert werden kann.

Welche Ansatzpunkte sehen Sie sowohl gesellschaftlich als auch politisch, um die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland künftig weiter voranzutreiben und mehr Chancengleichheit zu schaffen?

Christiane von Websky: Vor allem müssen Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal auf eine ethnisch und sozial diverse Schüler- und Studierendenschaft und die damit verbundenen Anforderungen gezielt in Aus- und Fortbildung vorbereitet werden. Aktuell entwickeln wir gemeinsam mit der Universität Duisburg Essen einen Studiengang, der Lehrkräfte zusätzlich in den Themen Sprachförderung, Traumabewältigung und Umgang mit Vielfalt professionalisieren soll. Ziel ist es, durch eine interkulturelle und religionssensible Haltung des Lehrpersonals, Bildungsnachteile von eingewanderten und oder sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern zu mildern.

Vielen Dank für das Interview, Frau von Websky.