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Höhere Kosten bei weniger Leistungen: Kritik für Pflegeversicherungen

Dank dem zweiten Pflegestärkungsgesetz profitieren viele Pflegebedürftige seit Beginn des Jahres von besseren Leistungen. Für einige Menschen mit einer privaten Pflegeversicherung bringt die Umstellung in der Pflege jedoch Nachteile. So verlangen viele Anbieter laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg höhere Beiträge und bieten zugleich weniger Leistungen.
Verbraucherschützer kritisieren Versicherer für ihre Anpassungen
Für Versicherte haben die Änderungen in der Pflege nicht nur Vorteile
  • Die zweite Stufe der Pflegereform sorgt in der gesetzlichen Pflegeversicherung und bei Pflegezusatzversicherungen für Änderungen.


     
  • Seit Jahresbeginn haben viele Versicherer ihre Beiträge erhöht und dabei Leistungen gekürzt, kritisieren Verbraucherschützer.
     
  • Ein Anbieterwechsel sollte zwar wohl überlegt sein. Doch mit einem individuellen Vergleich der Angebote lässt sich bares Geld sparen.

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz wird Pflegebedürftigkeit seit Jahresbeginn neu definiert. Damit stehen vielen Pflegebedürftigen oft bessere Leistungen zu. Andere bekommen erstmals Anspruch auf Pflegeleistungen. Der umfassendere Pflegebedürftigkeitsbegriff mit seinen fünf Pflegegraden anstelle der drei Pflegestufen zwingt jedoch die privaten Pflegeversicherer zum Handeln. Sie müssen ihre Leistungen an das neue Pflegesystem anpassen.

Laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geschieht dies nicht nur im Sinne der Versicherten. Die Verbraucherschützer kritisieren gegenüber procontra, dass viele Anbieter seit Inkrafttreten der Änderungen ihre Beiträge erhöht haben und oftmals sogar Leistungskürzungen von 30 bis 60 Prozent vornehmen. Der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) rechtfertigt das Vorgehen der Versicherer mit den insgesamt höheren Leistungen für Pflegebedürftige, die zu Mehrausgaben führen.

Qual der Wahl für Versicherte: Weniger Leistungen oder höhere Beiträge

Nach Angaben des PKV-Verbands hätten Versicherer zwei Optionen, die steigenden Ausgaben durch die Umstellung im Pflegesystem aufzufangen: Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen. Viele Unternehmen entscheiden sich, zunächst die Leistungen zu kürzen, um die Beitragsanpassung gering zu halten. Denn einige Kunden würden laut dem PKV-Verband eher Einschränkungen bei den Leistungen als höhere Kosten in Kauf nehmen. Die Stiftung Warentest rät jedoch, genau auszurechnen, ob trotz der geringeren Zahlungen noch genügend Geld für die Pflege übrig bleibt.

Wer im Falle einer Pflegebedürftigkeit keine Finanzierungslücke riskieren möchte, sollte sich darum kümmern, die gekürzten Leistungen wieder zu erhöhen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fordert daher von den Versicherern, ihre Kunden über diese Möglichkeit zu informieren und die Leistungen wieder an das bisherige Niveau anzupassen − und zwar ohne erneute Gesundheitsprüfung. Ob die Kritik der Verbraucherschützer bei den Versicherern Gehör findet, bleibt abzuwarten.

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Gesundheitszustand ist beim Wechsel der Pflegeversicherung entscheidend

Zwar bekommen Menschen mit einer Pflegezusatzversicherung bei einer Anpassung der Beiträge und Leistungen in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Ein Anbieterwechsel ist jedoch aus mehreren Gründen nicht immer die beste Option. So wartet beim neuen Anbieter beispielsweise eine erneute Gesundheitsprüfung. Insbesondere für Menschen, die schon länger versichert sind und seit Beginn der Absicherung gesundheitliche Probleme bekommen haben, ist dies ein entscheidender Nachteil. Denn sowohl mit steigendem Alter als auch durch eventuelle Erkrankungen erhöhen sich die Beiträge.

Im schlimmsten Fall lehnt der neue Anbieter Interessierte sogar ab, wenn ihr Gesundheitszustand seiner Einschätzung nach zu risikoreich ist. Bevor Versicherte ihren alten Tarif kündigen, sollten sie daher die feste Zusage für eine andere Pflegezusatzversicherung haben, damit ihnen keine Versicherungslücke entsteht.

Stiftung Warentest rät zu Tarifwechsel anstelle von Kündigung

Bei einer Kündigung des alten Pflegezusatz-Tarifs gehen die bereits gezahlten Beiträge verloren. Ebenso lassen sich die angesparten Altersrückstellungen in der Regel nicht übertragen. Somit müssen Versicherte bei einem neuen Tarif von vorne anfangen, sich ein Polster aufzubauen, damit ihre Beiträge auch im Alter beziehungsweise bei höherem Leistungsbedarf moderat bleiben.

Anstelle einer Kündigung rät die Stiftung Warentest dazu, mit dem aktuellen Versicherer zu verhandeln, wenn dieser die Beiträge erhöht oder Leistungen kürzt. Im besten Fall lässt sich innerhalb des Unternehmens ein anderer Tarif wählen, der günstiger ist oder umfassendere Leistungen bietet. In diesem Fall bleiben die Altersrückstellungen erhalten.

Worauf sollten Interessierte bei der privaten Pflegeversicherung achten?

Die bestehende private Pflegeversicherung zu kündigen, empfiehlt sich wenn überhaupt für Personen, die erst seit Kurzem versichert sind und somit noch nicht allzu viel dafür ausgegeben haben. Ebenso wie Menschen, die bisher keine Pflegezusatzversicherung haben, sollten sie auf der Suche nach einem neuen Tarif nicht allein auf günstige Beiträge achten. Denn diese nützen nichts, wenn dafür die Leistungen im Pflegefall nicht ausreichen.

Wichtig ist vor allem, dass die Versicherung in allen Pflegegraden ausreichend leistet. So bieten einige Anbieter zwar sehr gute Leistungen bei höchstem Pflegebedarf. In den unteren Pflegegraden besteht dagegen die Gefahr einer Unterversicherung. Daher ist es ratsam, verschiedene Angebote zu vergleichen. Der Vergleichsrechner für die Pflegeversicherung hilft, einen Tarif mit bestem Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur privaten Pflegeversicherung.