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Frage der Woche: Welche Rechte haben Urlauber bei Reisemängeln?

Baulärm beim Sonnenbaden am Pool oder die ganze Nacht Discomusik − Der lang ersehnte Urlaub kann schnell zum Albtraum werden. Erst recht, wenn das Hotel auf einmal überbucht ist und Urlauber umziehen müssen. Die Liste der möglichen Reisemängel ist lang. Doch welche Einschränkungen müssen Reisende hinnehmen und wann können sie diese reklamieren?
Manche Reisemängel können Urlauber beim Veranstalter reklamieren
Einschränkungen im Urlaub müssen Reisende nicht einfach hinnehmen
  • Für Reisemängel wie Baulärm im Hotel oder verdreckte Zimmer steht Urlaubern in der Regel eine Entschädigung zu.
     
  • Viele Reiseveranstalter stellen sich in Sachen Erstattung jedoch quer, sodass es zum Rechtsstreit kommt.
     
  • Vor den drohenden Anwalts- und Gerichtskosten können sich Reisende mit einer Rechtsschutzversicherung absichern.

Schimmel im Zimmer oder Baulärm im Hotel können Reisenden den kompletten Urlaub vermiesen. Welche Rechte und Ansprüche Urlauber in solchen Fällen haben, hängt von den jeweiligen Mängeln ab. Grundsätzlich bedeuten Reisemängel, dass eine gebuchte Leistung vom Reiseveranstalter nicht wie gewünscht erbracht wurde und dadurch eine deutliche Beeinträchtigung für Reisende entsteht.

Eine erhebliche Einschränkung ergibt sich beispielsweise, wenn Urlauber statt im gewählten Hotel in einer anderen Unterkunft mit schlechterer Ausstattung untergebracht werden. Gleiches gilt bei einer Flugzeitänderung, welche den Urlaub um einen Tag verkürzt. Gegen derartige Beeinträchtigungen können sich Reisende wehren und dafür zumindest einen Teil ihrer Reisekosten zurückverlangen.

Wie können Urlauber Reisemängel reklamieren?

Generell sollten Urlauber Reisemängel so schnell wie möglich reklamieren. Am besten ist es, direkt am Urlaubsort den Reiseleiter zu kontaktieren, damit dieser etwas gegen den Mangel unternehmen kann. Dabei ist es ratsam, sich die Mängel schriftlich bestätigen zu lassen, um sie später an den Veranstalter weitergeben zu können. Weitere wichtige Punkte für die Reklamation sind:

  • Urlauber sollten dem Veranstalter eine angemessene Frist setzen, den Mangel zu beseitigen
  • Ist die Reise vorbei, bevor das Problem behoben ist, müssen Reisende ihre Beschwerde spätestens bis einen Monat nach dem Urlaub schriftlich einreichen
  • Wichtig ist, Beweise für den Mangel zu sammeln, beispielsweise Fotos, Videos und Aussagen anderer Hotelgäste
  • Die aufbewahrte Reisebestätigung sowie das Reiseangebot helfen Urlaubern zu belegen, dass der Mangel nicht im Angebot vermerkt waren
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Entschädigung bei Regen: Gilt schlechtes Wetter als Reisemangel?

Wie hoch die Entschädigung für Reisemängel letztlich ausfällt, richtet sich nach deren Ausmaß. So kann zwar schlechtes Wetter den Urlaub ganz schön zu vermiesen. Regen im Strandurlaub oder fehlender Schnee bei der Skireise müssen allerdings in der Regel hingenommen werden, da der Veranstalter hierfür meist keine Garantie gibt. Bei Überbuchung, Baulärm oder mangelnder Sauberkeit stehen die Chancen auf Entschädigung dagegen weitaus besser.

Generell ist es bei der Beschwerde hilfreich, eine möglichst genaue Summe für die Entschädigung anzugeben. Als Richtwert kann dafür die sogenannte Frankfurter Tabelle dienen. Darin sind die Spannen für eine Erstattung bei Reisemängeln in verschiedenen Bereichen wie Verpflegung und Unterkunft aufgelistet. Der ADAC hat zudem eine umfassende Liste unterschiedlicher Gerichtsurteile bei Reisemängeln zusammengestellt.

An wen können sich Urlauber bei Reisemängeln wenden?

Je nachdem, welche Art von Reise Urlauber gebucht haben, unterscheidet sich der Ansprechpartner bei Reisemängeln. Bei Pauschalreisen ist grundsätzlich der Reiseveranstalter der Verantwortliche. Das Reisebüro, über das der Urlaub gebucht wurde, gilt lediglich als Vermittler zwischen Veranstalter und Urlaubern. Für eventuelle Mängel ist das Reisebüro daher nur verantwortlich, wenn es sich um Buchungsfehler handelt. Wurden Unterkunft und Flug separat gebucht, müssen sich Urlauber direkt an das Hotel oder die Fluggesellschaft wenden.

Lohnt sich bei Reisemängeln ein Rechtsstreit?

Um langwierige Streitigkeiten zu vermeiden, ist es in jedem Fall ratsam, eine direkte Einigung mit dem Verantwortlichen zu erzielen. Das ist jedoch nicht immer einfach, sodass Urlauber oft den rechtlichen Weg einschlagen müssen. Verlieren sie den Rechtsstreit allerdings, bleiben Urlauber auf hohen Anwalts- und Gerichtskosten sitzen. Davor kann sie eine Rechtsschutzversicherung bewahren. Diese ist nicht nur bei Streitfällen rund um den Urlaub hilfreich, sondern auch bei anderen Auseinandersetzungen. Je nachdem, welche Bereiche abgesichert sein sollen, ist der Schutz schon für wenige Euro im Monat zu haben.

Ob mit oder ohne Rechtsschutzversicherung − Wer rechtlich gegen den Reiseveranstalter vorgehen will, sollte die Verjährungsfrist von meistens zwei Jahren beachten. Unter Umständen kann der Veranstalter beantragen, dass diese Frist sogar auf ein Jahr verkürzt wird. Wollen Reisende auf Nummer sicher gehen, ist es daher ratsam, die Klage möglichst schnell nach dem Urlaub einzureichen.