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Energiewende: Regierung muss ihrer Vorbildfunktion besser nachkommen

Damit die deutsche Energiewende ein Erfolg wird, braucht es nicht nur einen politischen Rahmen. Auch die Energieberatung hat eine Schlüsselrolle. Durch sie erfahren Hausbesitzer, wie sie ihr Eigenheim energetisch bauen und sanieren. Doch bisher ist der Beruf des Energieberaters nicht offiziell anerkannt. Schuld daran hat die Politik, meint der Bundesverband GIH.
Verschiedene Schlüssel für Energiewende
Energiewende braucht auch energetische Gebäudesanierung

Die Energiewende bedeutet nicht nur den Wechsel von der Atom- und Kohleenergie zu erneuerbaren Energien. Auch energieeffiziente Gebäude tragen ihren Anteil bei. Doch gerade Hausbesitzer, die mit Blick auf die Energieeffizienz bauen oder sanieren wollen, stehen vor vielen Fragen, beispielsweise hinsichtlich Kosten, Förderungsmöglichkeiten und Dämmmaßnahmen. Hier helfen Energieberater. Diese kämpfen allerdings nicht nur mit kritischen Stimmen, die den Nutzen der energetischen Gebäudesanierung bezweifeln. Auch fehlt derzeit noch eine offizielle Anerkennung des Berufs.

finanzen.de hat mit Wolf-Dieter Dötterer, Pressesprecher der bundesweiten Interessenvertretung für Energieberater (GIH), über diese Themen gesprochen und sich erkundigt, wer die Beratung am häufigsten beansprucht.

Herr Dötterer, wie wird man Energieberater?

Wolf-Dieter Dötterer: Man muss zunächst in einem Bau-Hauptberuf eine Ausbildung gemacht haben, das heißt eine Meisterausbildung im Handwerk, eine Technikerausbildung, ein Ingenieur- oder ein Architekturstudium. Danach kann man eine Zusatzausbildung zum Energieberater machen. Diese ist je nach Ausbildungsstand unterschiedlich lang. Handwerksmeister und Techniker müssen beispielsweise 240 Stunden Zeit aufbringen, Architekten und Ingenieure 120 Stunden.

Welche Risiken gibt es im Zuge der beruflichen Tätigkeit? Können beispielsweise Kunden wegen falscher Auskünfte des Energieberaters von ihm Schadenersatz verlangen?

Wolf-Dieter Dötterer: Grundsätzlich gilt bei Falschberatung das gleiche wie bei anderen Berufen auch: Entsteht durch eine Falschberatung ein finanzieller Schaden des Kunden, muss der Energieberater für die Falschberatung haften. Deshalb ist es wichtig, einen Energieberater zu beauftragen, der eine entsprechende Berufshaftpflicht hat.

Wen beraten Energieberater am häufigsten?

Wolf-Dieter Dötterer: Der Großteil, den Energieberater am häufigsten beraten, waren und sind Privatpersonen. Momentan nehmen aber auch immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen, die Industrie, Kommunen und auch kommunale Firmen und Vertreter die Beratung durch einen Energieberater in Anspruch.

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Sie fordern die offizielle Anerkennung des Energieberaters als eigenständigen Beruf. Woran scheiterte die Anerkennung bisher?

Wolf-Dieter Dötterer: An der Politik. Hier herrscht nach wie vor die Meinung, dass die Voraussetzungen für das Berufsbild eines Energieberaters fehlen. Auch in der Europäischen Union ist es von vielen Mitgliedsstaaten nicht gewollt, da diese eine Abschottung auf dem deutschen Markt befürchten.

Mit einer energetischen Gebäudesanierung lässt sich der Energieverbrauch eines Hauses reduzieren. Allerdings bezweifeln Kritiker den Nutzen der Maßnahmen. Gegner der Gebäudedämmung bemängeln beispielsweise den geringen ökologischen Nutzen, die hohen Kosten im Vergleich zur Energieersparnis und das höhere Risiko von Schimmelbildung. Was entgegnen Sie Hausbesitzern, die mit diesen Argumenten an Sie herantreten?

Wolf-Dieter Dötterer: Die Aussagen lassen sich alle ganz leicht widerlegen, da diese auf Halbwahrheiten und Unwissenheit basieren: Ein Haus hat noch nie wegen einer Fassaden- oder Dachdämmung geschimmelt. Auch beim Einbau von neuen Fenstern kann Schimmelbildung nur entstehen, wenn Fenster eingebaut wurden, die nicht zum Gebäude passen.

Auch muss den Nutzern von energetisch gedämmten Häusern erklärt werden, dass sich ihr Nutzerverhalten ändern muss. Hier ist zum Beispiel das Lüften anzuführen. Wenn keine Lüftungsanlage vorhanden oder nicht gewünscht ist, müssen Fenster immer stoßgelüftet werden. Fenster lediglich kippen, ist keine Lüftung, sondern eher Unterstützung von Schimmelbildung, da die Leibungen im oberen Bereich der Fenster stark auskühlen und sich dort Kondensat bilden kann.

Die Bundesregierung hat bei der Energiewende in den letzten fünf Jahren eher auf die Bremse getreten, als Vollgas zu geben. Wie bewerten Sie die Energiepolitik der Großen Koalition?

Wolf-Dieter Dötterer: Diese Aussage kann ich nur unterstützen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Nichteinführung des geplanten Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Hier sollten verschiedene Maßnahmen, die die Energiewende unterstützen, zusammengefasst werden. Das Gesetz wurde aber von einzelnen Bundestagsabgeordneten zu Fall gebracht.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, wie die Große Koalition die Energiewende einbremst. Aus meiner Sicht müsste noch viel mehr seitens der Regierung getan werden. Sie sollte auch viel mehr ihrer Vorbildfunktion nachkommen und bundeseigene Gebäude schneller sowie umfangreicher sanieren. Dabei sehe ich aber nicht nur den Bund in der Pflicht, sondern auch die Länder und Kommunen. Hier wird teilweise sehr viel Aufwand betrieben, um energetische Maßnahmen nicht umsetzen zu müssen. Momentan sehe ich aber aufgrund der Wahlen im September 2017 nicht, dass eine schnellere Umsetzung erfolgen wird.  

Vielen Dank für das Interview, Herr Dötterer.