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Für Zufriedenheit im Job braucht es mehr als nur ein hohes Gehalt

Die Arbeitswelt ist im Wandel: Kaum ein Arbeitnehmer bleibt noch bis zur Rente im gleichen Betrieb, die Digitalisierung erneuert altbekannte Prozesse. Darüber hinaus ändern sich die Anforderungen von Mitarbeitern an ihre Arbeitgeber. Stephan Rathgeber von ManpowerGroup erzählt im finanzen.de-Interview, was Arbeitnehmer sich von einem erfüllten Arbeitsleben erhoffen.
Work Life Balance ist ein fester Bestandteil von Arbeitnehmerzufriedenheit
Stephan Rathgeber gibt Arbeitnehmern Tipps für eine glückliche Karriere

Arbeit ist für die meisten Menschen nicht allein zum Broterwerb da. Neben einem Beruf, in dem Selbstverwirklichung möglich ist, muss auch Freizeit ihren Platz finden, weiß Stephan Rathgeber von ManpowerGroup. Vor allem junge Arbeitnehmer legen großen Wert auf eine „Work-Life-Balance“.

Sie sind besonders glücklich, wenn ihnen ihr Arbeitgeber ein flexibles Arbeitsumfeld bietet, wo sie viel lernen und sich weiterentwickeln können. Diese neue Einstellung auf Arbeitnehmerseite ist Fluch und Segen, so der Personalexperte. Denn sie führt zu häufigen Jobwechseln. Dabei ist persönliche Weiterentwicklung auch dann möglich, wenn man jahrelang beim gleichen Arbeitgeber bleibt. 

Wie einfach oder schwierig ist es derzeit für Arbeitnehmer ein Unternehmen zu finden, das zu ihnen passt?

Stephan Rathgeber: Es ist für Menschen leichter geworden, an Informationen über Unternehmen heranzukommen, denn die Transparenz ist nicht zuletzt durch Arbeitgeber-Bewertungsplattformen wie kununu oder glassdoor gestiegen. Gleichzeitig ist die Auswahl an Jobs aber auch vielfältiger, komplexer und somit schwieriger geworden. Was vielen Arbeitnehmern heute fehlt, ist ein klassisches Leitbild, das Eltern in früheren Generationen an ihre Kinder weitergegeben haben.

Die wenigsten Berufseinsteiger haben eine klare Vorstellung davon, was sie beruflich wollen. Gleichzeitig findet man überall Stellenangebote, die verlockend und so vielversprechend klingen, dass man sich ständig fragt, ob es nicht Zeit für einen Jobwechsel wäre. Wenn ich aber alle zwei Jahre eine neue Aufgabe bei einem anderen Arbeitgeber suche, geht eine wichtige Sache verloren: die innere Motivation und Zufriedenheit, die ich spüre, wenn ich mich über Jahre hinweg in einer Rolle beweise und weiterentwickele.  

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Welche Kompromisse müssen sie Ihrer Erfahrung nach bei der Jobsuche gegebenenfalls eingehen?

Stephan Rathgeber: Ich bin fest davon überzeugt, dass es sich lohnt, bei der Vergütung Kompromisse einzugehen. Statt sich allein auf das Gehalt zu konzentrieren, sollten Jobsuchende lieber darauf schauen, welche Perspektiven ein Unternehmen ihnen bietet und welche Rahmenbedingungen langfristig zufrieden und vor allem gesund halten. Die Möglichkeit auf spannende Projekte, die Zusammenarbeit in einem motivierten Team, die Nutzung moderner Tools und Weiterbildungsangebote machen einen Job interessant. Wenn das Unternehmen dazu noch Flexibilität bei der Arbeitszeit oder die Option auf Home Office bietet, ist das häufig mehr wert als ein überdurchschnittliches Gehalt.

Wie sieht der perfekte Arbeitgeber in den Augen eines modernen Jobsuchenden aus?

Stephan Rathgeber: Den perfekten Arbeitgeber gibt es nicht, das ist eine ganz große Illusion. Es gibt ganz sicher gute und schlechte Arbeitgeber. Aber ob man mit einem Arbeitgeber zufrieden ist, liegt auch immer ein Stück weit in der eigenen Hand und daran, was man in der eigenen Rolle daraus macht. Um dem Ideal des perfekten Arbeitgebers nahe zu kommen, würde ich mich aus meiner persönlichen Erfahrung heraus darauf fokussieren, welchen Eindruck der direkte Vorgesetzte macht. Denn das hat den größten Einfluss auf die Arbeitsweise und Stimmung im Team und die tägliche Zusammenarbeit.

Welche Eigenschaften bringt hingegen der perfekte Arbeitnehmer für Unternehmen mit?

Stephan Rathgeber: Es gibt keinen perfekten Arbeitnehmer, es gibt nur einen “Best Match” für eine Stelle. Hierfür sind der Wunsch und die Fähigkeit, die eigenen Kenntnisse im Laufe des Berufslebens weiterzuentwickeln und anzupassen, enorm wichtige Eigenschaften. Dabei muss man jedem neuen Mitarbeiter zugestehen, Fehler zu machen, daraus zu lernen und besser zu werden.

Arbeitnehmer müssen allerdings auch den Unternehmen zugestehen, dass Fehler gemacht und behoben werden. So entwickeln sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam weiter. Gegenseitiges Vertrauen ist deshalb ein zentraler Punkt.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Veränderungen der Arbeitswelt in den letzten zehn Jahren? In welchen Bereichen sind diese Veränderungen besonders zu spüren?

Stephan Rathgeber: Der Fachkräfteengpass hat sich verstärkt. Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, Schlüsselpositionen zu besetzen, weil es ein Ungleichgewicht zwischen nachgefragten und verfügbaren Qualifikationen gibt. Das wird sich weiter verschärfen. Etwa zwei Drittel der Jobs, die die ab 1995 Geborenen künftig ausüben werden, existieren heute noch nicht einmal.

Die Digitalisierung ist hierfür der entscheidende Treiber. Sie wirkt sich auf alle Unternehmensbereiche aus und hat die Globalisierung nochmals beschleunigt. Wir leben in einer vernetzten Welt, in der externe Schocks wie die Finanzkrise oder in jüngerer Zeit der Brexit gewaltige Auswirkungen auf die Wirtschaft haben und Unternehmen schnell und flexibel auf Veränderungen im Markt reagieren müssen.

Was sind die drei wichtigsten Tipps, die Sie Arbeitnehmern mit auf ihren Karriereweg geben möchten, damit sie ein möglichst erfülltes Arbeitsleben führen?

Stephan Rathgeber: Die drei wichtigsten Punkte sind:

  1. Habe Geduld - mit Dir selbst, aber auch mit Deinem Arbeitgeber.
  2. Lerne dazu, bleibe neugierig und bringe den Willen mit, Neues zu lernen.
  3. Wähle Deine Einstellung. Es liegt an Dir, wie Du die Dinge bewertest und handelst.

Vielen Dank für das Interview, Herr Rathgeber.


Über Stephan Rathgeber: 

Stephan Rathgeber ist Director of Marketing, Communications & Digital der ManpowerGroup in Deutschland. In dieser Rolle, aber auch innerhalb verschiedener, branchenübergreifender Netzwerke setzt er sich täglich mit der Arbeitswelt von morgen auseinander. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen die digitale Transformation gestalten, leidenschaftliche Führung sowie aktives Netzwerken.