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Finanzwissen: Die notwendige Kernkompetenz des 21. Jahrhunderts

Lehrkräfte haben nicht nur die Aufgabe Mathe, Kunst und Chemie zu unterrichten. Die Schule soll die Schüler*innen auch zu einem selbstbestimmten Leben befähigen, in dem sie Verantwortung für ihr Handeln tragen. Die App „aula“ möchte die Entwicklung genau dieser Fähigkeit bestärken. Wie das geht, erklärt die Projektkoordinatorin Alexa Schaegner im Interview.
Finanzwissen ist ein wichtiger Bestandteil der Schulausbildung
Mit Finanzwissen fit für die neue Lebens- und Arbeitswelt

Die zukünftige Lebens- und Arbeitswelt sieht für Kinder und Jugendliche heute ganz anders aus als noch vor zehn Jahren. Denn die Digitalisierung macht auch vor Schulen nicht Halt. Schüler*innen benötigen deshalb inzwischen Fähigkeiten in Bereichen, die es vor wenigen Jahren noch gar nicht gab. Diese sogenannten 21. Century Skills – also Kompetenzen, die in der heutigen Zeit lebensnotwendig sind – versucht die App „aula“ in Schüler*innen zu aktivieren beziehungsweise auszubilden.

Die App wird derzeit an Pilotschulen eingesetzt. Sie ermöglicht es Schüler*innen, Vorschläge für die Verbesserung ihrer Schule einzubringen und online über diese abzustimmen. Welche Lehren junge Menschen beim Verwenden der App ziehen können, erzählt Alexa Schaegner vom aula-Projekt im finanzen.de-Interview.

Sie setzen Ihre App in Schulen ein, um damit kritisches Denken und Verständnis für demokratische Prozesse bei den Schüler*innen zu fördern. Was genau sollen die Kinder erfahren und lernen? Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Alexa Schaegner: Die Schülerinnen und Schüler sollen, während sie die App verwenden, verschiedene Kernkompetenzen erwerben und anwenden, die als 21. Century Skills bezeichnet werden. Darunter versteht man Fähigkeiten, die in der digitalen Lebens- und Arbeitswelt von zentraler Bedeutung sind. Man nennt diese Fähigkeiten auch die vier Ks: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken. Schüler*innen, die diese Kompetenzen in ihrem Alltag häufig nutzen (müssen), haben unserer Erfahrung nach die Grundlage, um sich erfolgreich an demokratischen Prozessen beteiligen zu können.

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Die Vorschläge, die Schüler*innen einreichen, benötigen häufig auch eine Finanzierung. Wie regeln die Kinder den finanziellen Aspekt ihrer Vorschläge?

Alexa Schaegner: Bisher haben wir die Schüler*innen vor allem darum gebeten, nur solche Vorschläge über aula abstimmen zu lassen, die kostenneutral sind. Damit ist gemeint, dass Vorschläge, die über die App eingebracht werden, grundsätzlich bereits ausgearbeitete Ideen sein sollten, bei denen die Finanzierung gleich mitgedacht wird.

Viele der Vorschläge sind zwar ohnehin kostenlos, beispielsweise der Wunsch nach einer Lesegruppe oder einem schuleigenen Fußballteam. Stimmen die Kinder und Jugendlichen jedoch über einen Basketballkorb auf dem Schulhof ab, müssen sie sich natürlich Gedanken über die Finanzierung machen. Die meisten Vorschläge gehen dann in die Richtung, selbstgebackenen Kuchen zu verkaufen oder eine Tombola zu veranstalten. Es gab allerdings auch schon Schüler*innen, die sich aktiv um Sponsoren für ihre Ideen gekümmert haben. Sie haben damit also schon den Grundpfeiler für Finanzierungsmodelle wie Crowdfunding selbst gesetzt. 

Über eine Kooperation mit der GLS Bank haben Sie ein „Aula Budget“ in Höhe von 3.500 Euro für alle  Partnerschulen mithilfe einer eigenen Crowdfundingaktion angehäuft. Wie kann dies dabei helfen, Finanzwissen stärker in den Schulalltag einzubinden?

Alexa Schaegner: Die GLS Bank und wir haben gemeinsam ein Crowdfunding für unsere Partnerschulen initiiert, um ihnen zu ermöglichen, selbst eine Entscheidung über die Investitionen zu treffen. Die Schulen sind dadurch einmal mehr gezwungen, sich in demokratischer Beteiligung zu üben und einen Teil der Verantwortung in die Hände der Schüler*innen zu geben. Denn was mit dem Geld geschieht, entscheiden letztendlich nicht die Lehrkräfte und die Schulleitung, sondern die Schüler*innen. In einer gemeinsamen Entscheidung, die über die aula Plattform organisiert wird, muss so jede Schule für sich entscheiden, was für sie die beste Investition ist.  

Haben Sie den Eindruck, dass Kindern Kompetenzen im Umgang mit Geld fehlen?

Alexa Schaegner: Mein Eindruck ist, dass es aktuell eher vom Elternhaus abhängig ist, in welchem Maß Kinder Zugang zur Finanzwelt im Allgemeinen haben. Diejenigen, die bereits gelernt haben, mit Geld haushalten zu müssen, haben sicherlich mehr Übung im Umgang mit Geldfragen als jene, die damit keine Berührung hatten. Wenn man wie wir davon ausgeht, dass Schule dabei helfen sollte, Kinder unabhängig von ihrer Herkunft zu mündigen Bürger*innen zu machen, sollte die Vermittlung von Finanzkompetenzen auch ein Teil von schulischer Bildung sein.

Sind Sie der Meinung, dass Schüler*innen mit mehr Finanzwissen besser verstehen, wie komplex demokratische Entscheidungen sein können?

Alexa Schaegner: Ich bin der Überzeugung, dass ein ganzes Set an Fähigkeiten notwendig ist, um komplexe demokratische Entscheidungen zu treffen und zu verstehen. Finanzwissen gehört sicherlich auch dazu, denn wie können Kinder und Jugendliche die Tragweite von Entscheidungen verstehen, wenn sie den Zusammenhang zu finanziellen Mitteln nicht kennen. Entscheidungen basieren ja nicht nur auf einem Bauchgefühl, sondern vor allem auf Wissen. Wer viel weiß, entscheidet also mit mehr Bedacht und liegt langfristig meist richtiger. 

Vielen Dank für das Interview, Frau Schaegner.