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Weltgesundheitsgipfel: Gesundheitssysteme müssen präventiver werden

Das Thema Gesundheit ist weltweit unterschiedlich wichtig. Damit sich die Gesundheitsversorgung global verbessert, treffen sich jährlich Vertreter aus Politik, Wissenschaft und der Gesundheitsbranche verschiedener Länder beim Weltgesundheitsgipfel. Welche Erkenntnisse dabei gewonnen wurden, erklärt der Press & Public Relations Director, Tobias Gerber.
Der Weltgesundheitsgipfel will ein besseres globales Gesundheitssystem
Tobais Gerber (Bildquelle: World Health Summit / S. Kugler)

Während Bürger in Deutschland von einem gut ausgebauten Gesundheitssystem profitieren, ist die gesundheitliche Versorgung in anderen Ländern weitaus schlechter aufgestellt. Darum hat es sich der Weltgesundheitsgipfel (World Health Summit) zum Ziel gesetzt, die globale Gesundheitsversorgung zu verbessern. Dabei kommt es auf mehr an als auf eine sichere und umfassende Behandlung von Erkrankungen. Die weltweiten Gesundheitssysteme müssten mehr dafür tun, dass Menschen gar nicht erst erkranken, betont Tobias Gerber, Press & Public Relations Director des World Health Summit.

Im Interview mit finanzen.de warnt er davor, dass sich bei der Gesundheitsversorgung eine „Zwei- oder Mehrklassengesellschaft“ entwickeln könnte. Dem müssen sowohl die Politik als auch die Gesundheitsbranche entgegenwirken. Denn „Gesundheit ist ein Menschenrecht“, so Gerber.

Jedes Jahr kommen beim World Health Summit Vertreter aus verschiedenen Ländern zusammen, um über eine bessere globale Gesundheitsversorgung zu sprechen. Wo genau liegt das Problem der weltweiten Gesundheitssysteme?

Tobias Gerber: Es gibt aktuell deutliche Unterschiede bei den globalen Gesundheitssystemen. Fast allen ist jedoch gemein, dass sie nicht gut genug auf die Zukunft vorbereitet sind. Sie sind darauf ausgelegt, erkrankte Menschen wieder gesund zu machen. Viel effektiver und humaner wäre es allerdings, bei gesunden Menschen die Gesundheit zu erhalten. Prävention muss viel wichtiger werden, um mit globalen Phänomenen wie Urbanisierung, alternden Gesellschaften oder nicht übertragbaren Krankheiten – den sogenannten Zivilisationskrankheiten – Schritt zu halten.

Gesundheit beziehungsweise ein gutes Gesundheitssystem werden zunehmend teurer. Was muss unternommen werden, damit Gesundheit nicht bald ein Luxusgut ist?

Tobias Gerber: Wir müssen aufpassen, dass sich keine Zwei- oder Mehrklassengesellschaft in der Gesundheitsversorgung entwickelt. Es wird immer Menschen geben, die sich auch die teuersten Medikamente, Behandlungen und Operationen leisten können. Gesundheit ist aber ein Menschenrecht und muss daher für jeden garantiert werden. Hier müssen Vorsorge, Aufklärung und Bildung organisiert werden. Ein einigermaßen gesundes Leben können die meisten von uns führen. Dies muss natürlich von einem System begleitet werden, das trotzdem notwendige Behandlungen übernimmt und diese auch bezahlen kann, weil dank sinnvoller Präventionsmaßnahmen in der Breite weniger Krankheitsfälle entstehen.

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Ihr übergeordnetes Ziel ist es, die globale Gesundheitsversorgung und -politik langfristig zu verbessern. Was sind Ihre drei Hauptaufgaben dabei?

Tobias Gerber: Einerseits muss ein Bewusstsein für Themen wie chronische Krankheiten, den Einsatz moderner Technologien, Impfung und Immunisierung, Innovationsförderung und interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Gesundheitsforschung geschaffen werden.

Zum anderen müssen medizinische Fortschritte die Menschen besser erreichen. Nachhaltige Lösungsansätze sind dafür von zentraler Bedeutung und werden auf dem World Health Summit erarbeitet.

Drittens müssen die internationale Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam an Lösungen arbeiten und sich mit ihrem jeweiligen Expertenwissen und den zur Verfügung stehenden Ressourcen gegenseitig unterstützen.

Wie unterstützen Sie die einzelnen Länder bei der Umsetzung der vereinbarten Strategien?

Tobias Gerber: Beim World Health Summit sind viele starke internationale Einrichtungen vor Ort, beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation, diverse Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Gruppierungen. Das Netzwerk ist also ideal, um genau die Unterstützung zu finden, die benötigt wird. Hier fungiert der World Health Summit als neutrales Forum.

Was sind die drei wichtigsten Erfahrungen des diesjährigen Gipfels?

Tobias Gerber: Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, wie Komplex das Thema Gesundheit ist: Umwelt und Klima, Leben in Stadt oder Dorf, individueller Lebensstil – all dies und vieles mehr beeinflusst unsere Gesundheit. Diese Komplexität kann nur mit Kooperation gelöst werden, da Expertise von vielen verschiedenen Fachgebieten benötigt wird.

Kooperation ist aber auch deshalb nötig, weil ohne politischen Willen beispielsweise wissenschaftliche Erkenntnisse nicht in der Bevölkerung ankommen. Gleichzeitig brauchen wir die Industrie, da diese Medikamente und medizinisches Equipment herstellt, mit dem zivilgesellschaftliche Helfer vor Ort arbeiten.

Drittens ist es sehr schön zu sehen, aus welch unterschiedlichen Bereichen die World Health Summit-Teilnehmer mittlerweile stammen. Hier kommen Wissenschaftler von Weltrang, Minister, Unternehmenschefs, Ärzte, Studenten und noch viele mehr zusammen, um gemeinsam an einem einzigen Ziel zu arbeiten: die Gesundheit weltweit zu verbessern. Das macht Hoffnung.

Vielen Dank für das Interview, Herr Gerber.