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Rote Nasen-Clowns immer häufiger Gast in Pflegeeinrichtungen

Pflegekräfte haben neben der pflegerischen Betreuung häufig wenig Zeit für Pflegebedürftige. Umso wichtiger sind die Visiten der Clowns von Rote Nasen e.V., die seit einiger Zeit nicht nur in Kliniken, sondern auch Senioreneinrichtungen stattfinden. Wie ältere Menschen auf den Besuch reagieren und was die Herausforderungen dabei sind, hat finanzen.de bei Rote Nasen nachgefragt.
Rote Nasen-Clowns im Pflegeheim ermöglichen Senioren soziale Teilhabe
Reinhard Horstkotte von Rote Nasen (Fotocredit: Kopf & Kragen)

Die Clowns von Rote Nasen sind bereits seit Jahren gern gesehener Gast in Krankenhäusern und Kinderstationen. Mit ihren Darbietungen sorgen sie für Freude und Zuversicht. Künftig werden die Künstler mit den markanten roten Nasen auch Pflegeeinrichtungen häufiger einen Besuch abstatten. Denn die bisher überwiegend auf Spendenbasis finanzierte Arbeit ist nun offiziell Teil der Präventionsleistungen der Betriebskrankenkassen. „Die Interaktion mit Clowns ermöglicht Senioren mehr soziale Teilhabe und stärkt insbesondere die kognitiven Fähigkeiten und die psychosoziale Gesundheit von Patienten mit Demenz“, erläutert Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes.

finanzen.de hat mit Reinhard Horstkotte, dem künstlerischen Leiter bei Rote Nasen, darüber gesprochen, wie wichtig die psychosoziale Komponente für Pflegebedürftige ist und wie sich die Arbeit mit ihnen im Vergleich zu Kindervisiten unterscheidet.

Sie besuchen nicht nur Kinder im Krankenhaus, sondern auch ältere Menschen in Seniorenheimen. Wie reagieren die Rentner auf den Besuch der Clowns?

Reinhard Horstkotte: Die Clowns besuchen viele Senioren mit Demenz. Je nach Grad der Demenz ist es oft positiv, dass sie überhaupt reagieren. Es ist dann so, als ob sie kurz aus der Welt, in der sie leben, zurückkommen in unser Leben. Sie lächeln dann oder nicken und geben Signale, dass wir noch bleiben sollen. Wenn die Demenz noch nicht so weit fortgeschritten ist, freuen sie sich sehr oft über Musik, die sie beispielsweise an ihre erste Liebe erinnern, etwa das Lied „Capri Fischer“. Aber auch über Tollpatschigkeit freuen sich viele.

Wie werden die Besuche von Angehörigen wahrgenommen?

Reinhard Horstkotte: Viele Angehörige möchten sicherstellen, dass ihre Eltern mit Würde behandelt werden. Wenn sie dann einmal dabei sind und sie die Clowns bei ihren Angehörigen erleben, merken sie schnell, dass es genau darum geht: um Würde, Respekt und Empathie. Oft sehen sie ihre Eltern in einem ganz neuen Licht und freuen sich. Plötzlich strahlen ihre Eltern oder tanzen. Das ist für die Angehörigen häufig sehr schön zu erleben. 

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Welche Herausforderungen hat der Besuch in Senioreneinrichtungen im Vergleich zu einer Stippvisite auf einer Kinderstation?

Reinhard Horstkotte: Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es oft neu, dass Clowns nicht nur für Kinder spielen, sondern auch für Erwachsene. Da geht es erst einmal um Aufklärung. Die gute Zusammenarbeit mit den Pflegerinnen und Pflegern ist uns wichtig.

Wir kommen nicht mit einem fertigen Programm in die Einrichtungen, sondern stellen uns ganz auf die Bedürfnisse der Menschen ein. Es geht bei Kindern wie bei Senioren immer darum, eine wohlwollende positive Atmosphäre zu schaffen. Die Qualität der Kontaktaufnahme ist oft eine andere. Man muss langsamer sprechen, die Lieder sind andere. Es ist alles ein bisschen entschleunigt.

Sie bieten mit „Humor in der Pflege“ Workshops für Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal an, in dem sie mehr Leichtigkeit im Pflegealltag erlernen können. Was ist aus Ihrer Sicht ein wichtiger Tipp, damit nicht nur Pflegende und Ärzte die emotional belastende Arbeit besser meistern, sondern auch Angehörige von Pflegebedürftigen?

Reinhard Horstkotte: Der Clown ist ein Meister darin, mit Krisen kreativ umzugehen. Auch wenn nicht alle von Beruf Clown werden können, glaube ich, dass jeder einen Clown in sich trägt. Denn jeder hat Humor. Ein wichtiger Schritt kann sein, sich Zeit zu nehmen und sich selber etwas Gutes zu tun. Auch wenn man gefordert ist und glaubt, man hat keine Zeit, hilft es sich zu überlegen: „Wie kann ich mir eine kleine Insel schaffen, die nur mir gehört.“ Und wenn es nur zwei Minuten sind. Der Humor wird kommen – garantiert.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag eines Rote Nasen-Clowns aus?

Reinhard Horstkotte: Ganz unterschiedlich. Denn unsere Künstler sind freie, darstellende Künstler und haben auch noch andere künstlerische Projekte. Als Rote Nasen-Clowns spielen sie acht bis zehn Mal im Monat. Eine Visite beginnt mit einer Übergabe gemeinsam mit jemandem vom Pflegeteam. Dann bereiten sie sich vor und los geht es. Sie gehen von Zimmer zu Zimmer, improvisieren und stellen sich ganz auf die Situation ein.

Im Seniorenheim kommt es manchmal auch vor, dass sie eine Vorstellung in einem Gemeinschaftraum geben. Aber die Idee ist, die Menschen individuell zu besuchen. Insofern unterscheidet sich die Arbeit sehr vom Theater oder Zirkus.

Nach ungefähr drei Stunden ist die Visite vorbei und die Künstler schreiben ein Protokoll. Jeder unserer Künstler bekommt auch Supervision. Sie haben zudem regelmäßig Fortbildungen zu künstlerischen, medizinischen und psychologischen Themen.

Rote Nasen gibt es nun seit fast 15 Jahren in Deutschland. Inwiefern hat sich der Klinikalltag in dieser Zeit Ihrer Meinung nach geändert?

Reinhard Horstkotte: Es wird immer mehr erkannt, wie bedeutsam die psychosoziale Komponente ist. Zuwendung, Liebe, Respekt, Freundschaft, Humor, Lachen und Weinen brauchen Platz in einer hochtechnologischen Welt, in der es auch immer mehr um Wirtschaftlichkeit und Rationalität geht. Die Pfleger und Chefärzte signalisieren uns zunehmend, wie wichtig ihnen die Kooperation mit uns ist.

Vielen Dank für das Interview, Herr Horstkotte.