0800 300 3009

Kostenlose Service-Hotline

finanzen.de Nachrichten immer gut informiert

Frage der Woche: Was ändert sich mit dem Entgeltgleichheitsgesetz?

Über Geld darf nun doch gesprochen werden: Zum 6. Januar 2018 tritt das umstrittene Entgeltgleichheitsgesetz in Kraft. Es soll künftig mehr Transparenz beim Gehalt schaffen und die Lohnlücke von knapp 21 Prozent zwischen Männern und Frauen in Deutschland reduzieren. Doch vorerst profitieren nur Angestellte größerer Unternehmen von den Änderungen.
Arbeitgeber bekommen künftig Anspruch auf einen Lohnvergleich
Neues Gesetz soll in Zukunft für mehr Transparenz beim Gehalt sorgen
  • Das Entgeltgleichheitsgesetz soll die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen langsam angleichen.
     
  • Das Gesetz greift nur für Unternehmen ab einer Größe von 200 Mitarbeitern.
     
  • Angestellte haben einen Auskunftsanspruch über das Bruttojahresentgelt vergleichbarer Kollegen des anderen Geschlechts.

Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts verdienen Frauen derzeit im Schnitt noch knapp 4,50 Euro pro Stunde weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Ursachen dafür sind vielschichtig und die Unterschiede für viele Angestellte oft nicht nachvollziehbar. Doch das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen, das am 6. Januar 2018 in Kraft tritt, soll künftig den Weg zur Gender-Gerechtigkeit ebnen. 

Auskunftsrecht gilt nur für Betriebe ab 200 Mitarbeitern

Was verdient mein Kollege? Wird meine Arbeit gerecht vergütet? Diese Fragen haben sich viele weibliche Angestellte mit Sicherheit schon einmal gestellt. Mit dem Entgeltgleichheitsgesetz bekommen Mitarbeiter von Unternehmen ab 200 Beschäftigten nun das Recht, sich beim Chef über das Gehalt der Kollegen zu erkundigen

Der Arbeitgeber ist damit verpflichtet, einen schriftlichen Lohnvergleich aufzustellen. Dieser bezieht eine Gruppe vergleichbarer Kollegen aus dem jeweiligen Arbeitsbereich mit ein. Aus der Aufstellung soll das durchschnittliche Bruttoeinkommen pro Jahr ersichtlich sein und anhand von bestimmten Punkten, wie Qualifikationen oder Leistung, erläutert werden. Außerdem hat der Angestellte das Recht, Informationen über Dienstwagen und Jahresboni der Kollegen zu erfahren.

Unser Service für Sie

Sie suchen einen professionellen Rat zu Vorsorge und Versicherungen?

Wann entfällt der Auskunftsanspruch auf Lohnvergleich?

Der Anspruch auf das Auskunftsrecht ist nicht immer gewährleistet. Aufgrund von Datenschutzgründen müssen Mitarbeiter auf den Lohnvergleich verzichten, wenn weniger als sechs Personen in einen vergleichbaren Arbeitsbereich oder Gehaltsbereich fallen. Damit soll berücksichtigt werden, dass im Nachhinein keine Rückschlüsse auf einzelne Personen gezogen werden können. 

Lohnvergleich einfordern: Betriebsrat ist erste Anlaufstelle 

Wollen Angestellte wissen, was ihre Kollegen im Durchschnitt verdienen, ist der Betriebsrat der Ansprechpartner für den Gehaltsvergleich. Notwendig dafür ist eine schriftliche Mitteilung, die direkt an die zuständige Person geschickt wird. In Firmen ohne Betriebsrat steht der Arbeitgeber selbst für die Beantwortung bereit. 

Für die Bearbeitung und die Erstellung des Gehaltsvergleiches hat der Zuständige anschließend drei Monate Zeit, bevor er sich dann mit einem schriftlichen Bescheid beim Angestellten zurückmelden muss.

Was passiert bei Lohnunterschieden?

Wenn der Chef einem Angestellten weniger zahlt als anderen und dies nicht begründen kann, bedeutet das noch nicht gleich die große Gehaltserhöhung. Leider liegen der nächste, oft unangenehme Schritt und die Frage nach dem angemessenen Ausgleich oder einer Gehaltserhöhung in der Hand des Betroffenen. 

Doch was ist, wenn der Chef eine Anpassung des Gehalts verweigert? Mithilfe des Lohnvergleichs wird es künftig im Falle eines Rechtsstreits einfacher sein, zu einem positiven Ergebnis zugunsten des Angestellten zu gelangen.

60 Prozent der Frauen vom neuen Entgeltgleichheitsgesetz ausgeschlossen

Trotz vieler positiver Stimmen steht das neue Gesetz in der Kritik. Sabine Zimmermann, stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende, bemängelt es als reine „Alibipolitik“, weitere Kritiker sprechen von Aktionismus. Grund für den Gegenwind ist unter anderem die Tatsache, dass nur Unternehmen ab 200 Angestellten angesprochen werden. Damit werden immer noch rund 60 Prozent aller Frauen in Deutschland vom Auskunftsrecht ausgeschlossen. 

Ulle Schauws von den Grünen sieht die Initiative für mehr Lohntransparenz und den Gehaltsvergleich als einen „ersten Schritt“ zur Gender-Gerechtigkeit. Dennoch hofft sie darauf, dass der Auskunftsanspruch über das Gehalt künftig für alle Frauen im Anstellungsverhältnis gelten wird. In welche Richtung sich das Gesetz entwickelt, wird sich dann ab dem 6. Januar zeigen. 

Tipp: Um mögliche Kosten bei Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber zu vermeiden, bietet der Arbeitsrechtsschutz einer Rechtsschutzversicherung die notwendige Unterstützung.