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Frage der Woche: Wann übernimmt die Krankenkasse Kosten für Cannabis?

Deutlich mehr schwerkranke Patienten als angenommen interessieren sich für Cannabis auf Rezept und haben bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme gestellt. Laut einer Umfrage gingen 2017 bei den führenden Krankenkassen TK, Barmer und AOK-Bundesverband rund 13.000 Anfragen ein. Doch eine Zusage für die Erstattung der Kosten ist nicht immer gewährleistet.
Deutlich mehr schwerkranke Patienten als angenommen interessieren sich für Cannabis auf Rezept
2017 gingen 13.000 Anfragen auf Kostenübernahme von Cannabis ein
  • In den vergangenen zehn Monaten gingen rund 13.000 Anträge für die Kostenübernahme von Cannabis auf Rezept bei den befragten gesetzlichen Krankenkassen ein.
  • Rund 64 Prozent der Anträge wurden von den Krankenkassen bewilligt.
  • Voraussetzung dafür, dass die Kassen für die Kosten aufkommen, ist ein Nachweis darüber, dass keinerlei alternative Behandlungsmethoden anschlagen.

Starke chronische Schmerzen und schwere Krankheitsbilder sind nicht immer mit üblichen Behandlungsmethoden therapierbar. Greifen klassische Therapien nicht, haben Schwerkranke die Möglichkeit, über den zuständigen Arzt ein Rezept für ein Arzneimittel auf Cannabisbasis zu erhalten. Durch ein Gesetz, das 2017 in Kraft getreten ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die entsprechenden Kosten. Dabei ist die Nachfrage bei den Krankenversicherten deutlich höher als prognostiziert wurde.

Zahl der Anträge auf Kostenübernahme höher als erwartet

Während im Vorfeld mit lediglich 700 Patienten pro Jahr gerechnet wurde, die sich aufgrund des neuen Gesetzes Cannabis auf Kosten der Krankenkasse verschreiben lassen, zeigt eine aktuelle Umfrage der Rheinischen Post ein ganz anderes Bild. Demnach liegt die Anzahl der Anträge bei den Krankenkassen Barmer, TK und AOK-Bundesverband knapp ein Jahr nach der Einführung des Gesetzes bei rund 13.000

Allein bei den Kassen der AOK gingen bis Dezember 2017 rund 7.600 Anträge ein. Barmer und TK vermeldeten insgesamt 5.400 Anfragen auf die Erstattung der Kosten. Genehmigt wurden davon im Schnitt rund 64 Prozent. Die starke Nachfrage und die gute Bewilligungsquote zeigen, wie notwendig und hilfreich die medizinische Zulassung von Cannabis auf Kosten der Krankenkasse für viele Patienten war und auch in Zukunft sein wird.

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Cannabis auf Rezept: Gesetzliche Krankenkassen zahlen nicht in jedem Fall

Nur mit der Zustimmung der Krankenkasse und in Absprache mit dem behandelnden Arzt kann der Patient Cannabis auf Rezept erhalten, ohne die Kosten dafür zu tragen. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass ungefähr jeder dritte Antrag abgelehnt wird. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Typisch ist der Kanzlei „Menschen und Rechte“ zufolge beispielsweise, dass die Krankheit nicht schwerwiegend ist. Dies komme etwa bei ADHS oder dem Tourette-Syndrom vor. Gerade bei einer seltenen Erkrankung ist es darüber hinaus problematisch, dass es „keinen allgemeinen schulmedizinischen Behandlungsstandard“ gibt, so die Kanzlei. Wird der Antrag abgelehnt, können Betroffene Widerspruch einlegen.

Erstattet werden die Kosten also für Cannabis bei Patienten, die schwerkrank sind und bei denen andere Methoden zur Schmerzlinderung nicht mehr anschlagen. Hierunter fallen vor allem Krankheitsbilder wie Krebs, Multiple Sklerose oder Aids.

Verweigert die Krankenkasse die Kostenübernahme dann doch, muss der Patient selbst für die Arzneimittel aufkommen. Die Kosten für die Cannabisbehandlung liegen monatlich, abhängig von der Dosis, zwischen 140 und 1.800 Euro.

 

Krankenkassen bieten unterschiedliche Zusatzleistungen an

In Deutschland gibt es mehr als 100 Krankenkassen. Neben dem gesetzlichen Leistungskatalog bieten die Kassen verschiedene Zusatzleistungen zu unterschiedlichen Beitragssätzen. Ein Tarifvergleich hilft bei der Suche nach einem individuellen Angebot

Regierung plant Ausbau der Cannabis-Produktion bis 2022

Aufgrund der steigenden Nachfrage und der zunehmenden Bewilligungen soll künftig der Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland leichter gestaltet werden. Für die nächsten vier Jahre ist eine Menge von 6,6 Tonnen eingeplant, die der medizinischen Behandlung dienen soll. Zurzeit greifen deutsche Firmen auf den Markt in Kanada und den Niederlanden zurück. Ab 2019 soll jedoch auch national Cannabis angebaut werden, um lange Wartezeiten und Logistikprobleme zu verhindern.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur gesetzlichen Krankenversicherung.