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Heizkosten senken: „Mit wenig Aufwand lässt sich viel bewirken“

Richtig heizen will gelernt sein. Aber woher sollen Verbraucher wissen, ob ihr Bedarf zu hoch ist? Heizspiegel helfen, ein Gefühl für das Heizniveau in Deutschland oder einer Region zu bekommen. Doch wollen Hausbesitzer ihre vier Wände mithilfe von Zuschüssen klimafreundlicher machen, stehen sie vor einem „Förderdschungel“, weiß Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online.
Heizkosten senken: Smarte Technologien haben viel Energiesparpotenzial
Tanja Loitz von co2online (Bildquelle: www.co2online.de / Phil Dera)

Durch falsches Lüften oder zugestellte Heizkörper zahlen Eigentümer und Mieter jedes Jahr zu viel Geld für ein warmes Zuhause. Den größten Wärmeverlust verursacht jedoch ein schlechter energetischer Zustand des Hauses, erläutert Tanja Loitz. Sie ist Geschäftsführerin von co2online. Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft für den Klimaschutz bietet Verbrauchern beispielsweise Heizspiegel, mit denen sie ihr Verhalten und ihren Verbrauch einschätzen können.

Im Interview mit finanzen.de erläutert Tanja Loitz, wie Bewohner ihre Heizkosten senken können, welches Potenzial smarte Technologien beim Energiesparen haben und warum Hausbesitzer Fördergelder verschenken, wenn sie den energetischen Zustand ihres Eigenheims verbessern wollen.

Woher bekommen Sie die Daten für die jeweiligen Heizspiegel?

Tanja Loitz: Die Heizspiegel werden auf Basis echter Verbrauchsdaten von Wohngebäuden berechnet. Das heißt: Die Daten stammen von Verbrauchern, die unsere interaktiven EnergiesparChecks nutzen und dort beispielsweise ihre Heizkostenabrechnung eingeben. Alle eingetragenen Werte sammeln wir anonymisiert in unserer Gebäudedatenbank und werten sie dann aus. Für den Heizspiegel für Deutschland 2017 waren es rund 60.000 Gebäudedaten zentral beheizter Wohngebäude aus ganz Deutschland.

Wie können Personen die angemessenen Kosten für das Heizen herausfinden, wenn es für ihre Stadt oder Kommune keinen aktuellen Heizspiegel gibt?

Tanja Loitz: Wenn es keinen regionalen Heizspiegel gibt, können Verbraucher den Heizenergieverbrauch und die Heizkosten ihres Wohngebäudes auch mit dem Heizspiegel für Deutschland bewerten. Das ist eine erste gute Orientierung.

Wer das Baujahr seines Hauses kennt, bekommt mit den Heizspiegeln nach Gebäudebaujahren ein genaueres Ergebnis – denn diese Heizspiegel-Versionen berücksichtigen, dass ältere Gebäude heute im Schnitt mehr Heizenergie benötigen als neuere Gebäude, weil für die neueren strengere Vorgaben zum Energieverbrauch gelten.

Übrigens: Die regionalen Unterschiede beim Heizenergieverbrauch haben viele Ursachen. Eine davon ist das Wetter – das ist an der Küste natürlich ganz anders als in den Bergen. Deshalb sind regionale Auswertungen zum Energieverbrauch genauer als überregionale.

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Wodurch entsteht Ihrer Erfahrung nach der größte Wärmeverlust in einer Wohnung oder einem Haus?

Tanja Loitz: Die größten Wärmeverluste entstehen durch einen schlechten energetischen Zustand des Gebäudes, also zum Beispiel durch fehlende Dämmung oder undichte Fenster und Türen. Auch durch ein Überheizen der Wohnung oder falsches Lüften können Verbrauch und Heizkosten deutlich steigen.

Hier lässt sich mit wenig Aufwand viel bewirken. Ein Dichtungsband für zehn Fenster kostet beispielsweise nur rund 25 Euro. Verbraucher, die ihre Fenster damit abdichten, können in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit 125 Quadratmetern anschließend jedes Jahr mehr als 1.000 Kilowattstunden und 80 Euro sparen. Wer mehrmals täglich stoßlüftet, statt die Fenster dauerhaft auf Kipp zu stellen, spart sogar bis zu 170 Euro im Jahr.

 

Eigenen Heizverbrauch einschätzen

Den aktuellen Heizspiegel für Deutschland können Verbraucher unter https://www.heizspiegel.de/heizspiegel/ einsehen. Demnach liegt die Kostenspanne für eine 70 Quadratmeter Wohnung zwischen 550 Euro und 1.200 Euro im Jahr.

Welche Tipps haben Sie noch für Hausbesitzer?

Tanja Loitz: Hausbesitzer sollten in jedem Fall prüfen, ob die Heizungsrohre gedämmt sind, ob sich ein Pumpentausch lohnt und ob ihre Heizanlage optimal eingestellt ist. Denn viele Heizanlagen laufen nicht effizient, weil ein hydraulischer Abgleich fehlt. Im nächsten Schritt sollten Eigentümer sich auch Rat bei einem Energieberater holen und gemeinsam mit ihm Aufwand und Nutzen einer energetischen Modernisierung des gesamten Gebäudes diskutieren – hier liegen in vielen Fällen die höchsten Einsparpotenziale.

Mit smarten Technologien lassen sich Heizkörper mittlerweile bequem per App auf dem Handy oder Tablet regulieren. Doch die Anschaffungskosten für die Technik sind nicht gerade gering. Welches Potenzial sehen Sie im smarten Heizen?

Tanja Loitz: In smarten Technologien steckt eine Menge Energiesparpotenzial – wie viel das genau ist, hängt natürlich vom Einzelfall ab. Realistisch sind aus unserer Sicht durchschnittlich zehn Prozent. Der größte Vorteil ist, dass sich die Heizung genau nach den Bedürfnissen der Hausbewohner einstellen lässt. Es wird immer nur dann geheizt, wenn es warm sein soll. Und nur so viel, wie notwendig ist. Das ist natürlich wesentlich effizienter als ständig zu heizen, egal ob jemand zu Hause ist oder nicht. Außerdem lässt sich so der Komfort steigern, schon mit vergleichsweise einfachen und günstigen programmierbaren Thermostaten.

Außerdem können die Nutzer mit smarten Helfern besser beobachten, wie viel Heizenergie sie verbrauchen. Nur wer weiß, wie viel Energie er verbraucht und wie hoch die Kosten sind, ist motiviert zu sparen. Zudem werden dadurch Verschwendung und Heizungsdefekte schneller entdeckt – und nicht erst nach der nächsten Abrechnung.

Die Regierung unterstützt Verbraucher, die ihre Heizanlage optimieren wollen, über unterschiedliche Programme. Wie ist Ihre Erfahrung: Wissen Eigentümer, welche Zuschüsse Ihnen zustehen?

Tanja Loitz: Leider wird in vielen Fällen Potenzial verschenkt. Für einen Hausbesitzer ist es ohne Hilfe fast unmöglich, alle Förderprogramme zu finden. Wir reden deshalb oft von einem Förderdschungel.

Es gibt nicht nur Programme vom Bund, sondern auch von den Ländern. Hinzu kommen kommunale Förderungen und sogar Zuschüsse von Energieanbietern und Herstellern. Wer soll da den Überblick behalten? Wir empfehlen deshalb nicht nur unseren kostenlosen FördermittelCheck, sondern bei umfangreichen Sanierungsvorhaben immer auch ein Gespräch mit einem Energieberater vor Ort.

Vielen Dank für das Interview, Frau Loitz.