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Ehrenamt: Freiwilliges Engagement kann nicht früh genug beginnen

Rund 31 Millionen Menschen engagieren sich laut einer Umfrage vom Bundesfamilienministerium in Deutschland ehrenamtlich – Tendenz steigend. Dabei sind die Zeiten längst vorbei, in denen das Ehrenamt auf das Rentenalter verschoben wurde, weiß Ines Brüggemann von Gute-Tat. Die Stiftung bringt seit 2001 hilfsbereite Bürger mit sozialen Organisationen zusammen.
Ehrenamt interessiert längst nicht mehr nur ältere Menschen
Ines Brüggemann von der Stiftung Gute-Tat

Immer mehr Menschen interessieren sich für ein Ehrenamt. Einige bringen sich dabei regelmäßig in soziale Projekte ein, andere engagieren sich eher einmal im Jahr für ein paar Stunden. Wer helfen will, hat verschiedene Anlaufstellen, um eine passende Möglichkeit zu finden, sich freiwillig zu engagieren. Eine davon ist die Stiftung Gute-Tat. Sie unterstützt Interessierte dabei, konkrete ehrenamtliche Projekte in ihrer Umgebung zu finden und ist bereits in Berlin, München und Hamburg vertreten.

finanzen.de hat mit Ines Brüggemann vom Berliner Standort unter anderem darüber gesprochen, welche Fragen Ehrenamtliche oft haben und wie das Ehrenamt attraktiver gestaltet werden könnte.

Frau Brüggemann, wie hat sich die Zahl der ehrenamtlichen Helfer in den letzten Jahren entwickelt? Gibt es Phasen, in denen sich besonders viele Bürger für ein Ehrenamt interessieren?

Ines Brüggemann: Wir haben seit der Gründung der Stiftung im Jahr 2001 einen stetigen Anstieg der Zahl der Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, beobachtet. Natürlich mussten wir zu Beginn erst einmal das Netzwerk aufbauen, aber dann war es ein kontinuierlicher Zuwachs. 2013 konnten wir den 10.000 „Engel“ begrüßen und im Dezember 2017 waren es bundesweit bereits 20.000 Ehrenamtliche.

Die Weihnachtszeit ist dabei naturgemäß ein Zeitpunkt im Jahr, an dem besonders viele Menschen ihre Hilfe anbieten.

Streben eher jüngere oder ältere Menschen, Frauen oder Männer eine ehrenamtliche Aufgabe an?

Ines Brüggemann: Die Zeiten, in denen das Ehrenamt aufs Rentenalter verschoben wurde, sind vorbei. Unsere Statistik zeigt, dass die durchschnittliche Ehrenamtliche eine junge Frau von circa 28 Jahren ist. Die Männer ziehen nach, sind gerade in jungen Jahren für sportliche Projekte zu begeistern.

In welchen Bereichen engagieren sich Ehrenamtliche Ihrer Erfahrung nach besonders gerne?

Ines Brüggemann: Unserer Erfahrung nach sind besonders die sozialen Projekte beliebt, bei denen man sich um Kinder kümmert. Insbesondere der Bereich, in denen es um Nachhilfe bei Kindern oder Jugendlichen im Flüchtlingsbereich geht, wird gerne unterstützt. Auch Hilfsgesuche im Seniorenbereich sind sehr beliebt.

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Welche Voraussetzungen sollten Personen mitbringen, die ehrenamtlich tätig sein möchten? Müssen sie sich beispielsweise dauerhaft zu einem festen Termin verpflichten oder können sie flexibel helfen?

Ines Brüggemann: Dank unserer Initiative „Heute ein Engel“ können sich auch Menschen sozial einbringen, die sich nicht regelmäßig engagieren können. Wir bieten viele Kurzzeitprojekte auf unserer Website an, bei denen man sich auch nur für einen Tag oder für ein paar Stunden engagieren kann. Das ist besonders für Berufstätige, Studenten oder für Menschen, die wenig Zeit haben, von Vorteil. Denn sie können auch ganz spontan helfen, wenn sie mal weniger in ihren Pflichten eingebunden sind.

Wie sind Ihre ehrenamtlichen Helfer abgesichert, etwa wenn Ihnen etwas bei ihren Einsätzen zustößt oder sie aus Versehen Dritte schädigen?

Ines Brüggemann: Die Ehrenamtlichen sind in der Regel über die Versicherung der sozialen Organisationen versichert.

Was sind die drei häufigsten Fragen, mit denen Ehrenämtler auf Sie zukommen?

Ines Brüggemann: Es kommt häufig die Frage auf, wie lange sie warten müssen, bis es mit einer Vermittlung in ihr Wunschengagement klappt. Bei uns geht das binnen einem Tag. Meldet man sich bei uns online für ein Projekt an, dann erhält man bereits am Tag darauf die Kontaktdaten des Ansprechpartners der sozialen Organisation, die Hilfe bei einem Projekt sucht.

Viele wollen auch wissen, was passiert, wenn einem das gewählte Projekt nicht gefällt oder man doch lieber etwas anderes machen will. Man kann uns das natürlich jederzeit sagen, dann können wir auch ein anderes Engagement vorschlagen. Man ist also nicht verpflichtet, dabei zu bleiben, wenn es einem nicht gefällt.

Häufig kommt auch die Frage nach einem Unkostenbeitrag. Wir vermitteln ehrenamtliche „Jobs“ – ohne Bezahlung. Manche Organisationen zahlen aber die Fahrtkosten oder stellen einen kleinen Imbiss zur Verfügung, das ist ganz unterschiedlich.

Mit verschiedenen Regelungen versucht die Regierung das Ehrenamt zu stärken. So wurde beispielsweise der Ehrenamtsfreibetrag auf 720 Euro pro Jahr erhöht. Was könnte die Bundesregierung Ihrer Meinung nach tun, um das Ehrenamt attraktiver zu machen?

Ines Brüggemann: Untersuchungen zeigen, dass man mit dem freiwilligen Engagement nicht früh genug anfangen kann. Daher wäre es sinnvoll, bereits in der Schule mit dem Ehrenamt zu beginnen. Initiativen wie „Lernen durch Engagement“ der Freudenberg Stiftung, bei der wir uns an allen drei Standorten in Berlin, München und Hamburg beteiligen, setzen hier an.

Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler ganz früh an ein gesellschaftliches Engagement heranzuführen. Mit einer breiten Unterstützung von Initiativen wie dieser könnte die Regierung einiges tun, um das freiwillige Engagement viel fester in die Gesellschaft zu integrieren. Darüber hinaus ist die Weiterentwicklung der Dankes-Kultur hilfreich.

Vielen Dank für das Interview, Frau Brüggemann.