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Schlaganfall: Mit Sprachtherapie-App schneller zurück in den Alltag

Fünf Prozent der Deutschen hatten der aktuellen Gesundheitsberichterstattung des Bundes zufolge schon einmal einen Schlaganfall. Dieser führt häufig zu einem Sprachverlust. Damit Patienten schnellstmöglich wieder sprechen lernen, gibt es neben der Sprachtherapie zusätzliche Hilfe über Apps wie neolexon. Was diese Anwendungen leisten, erklärt neolexon-Gründerin Hanna Jakob.
Sprachtherapie-App bietet Schlaganfallpatienten wertvolle Hilfe
Hanna Jakob von neolexon (Bildquelle: neolexon)

Rund ein Viertel der Schlaganfallpatienten kämpft noch Monate nach der Erkrankung mit schweren Einschränkungen im Lebensalltag. Oftmals führt ein Schlaganfall beispielsweise zu Lähmungen oder Sprachstörungen. Ihre Sprachfähigkeit müssen Patienten daher erst mühsam wieder erlernen. Hierbei helfen ihnen speziell ausgebildete Sprachtherapeuten. Doch die Behandlungszeit reicht meistens nicht aus.

Um Erkrankte zusätzlich zu unterstützen, gibt es Sprachtherapie-Apps wie neolexon. Damit können Betroffene ihre Übungen aus der Therapie auch zu Hause fortsetzen. Dies wirkt sich sehr positiv auf ihren Lernerfolg aus, betont Hanna Jakob, Mitgründerin von neolexon. Im Interview mit finanzen.de erklärt sie unter anderem, was die App so besonders macht und warum der persönliche Kontakt trotz digitalem Sprachtraining wichtig bleibt.

Frau Jakob, für Ihre App neolexon haben Sie bereits einige Auszeichnungen bekommen. Was macht das Projekt so besonders und wie heben Sie sich von anderen Logopädie-Apps ab?

Hanna Jakob: Die Idee zu neolexon ist aus der praktischen Arbeit als Sprachtherapeutinnen bei mir und meiner Mitgründerin Mona Späth entstanden. Wir kennen die Probleme im Therapiealltag sehr gut und sahen großes Potential in einer digitalen Anwendung. Deshalb haben wir ein digitales Therapiesystem entwickelt, bei dem der Therapeut die Kontrolle über die Therapie am Tablet behält und diese optimal individuell an die Bedürfnisse seiner Patienten anpassen kann. Diese Individualisierung und das Zusammenspiel zwischen Therapeut und Patient haben wir bei anderen Logopädie-Apps bisher vermisst.

Welche Erfolge können Ihrer Erfahrung nach durch die App im Vergleich zu einer herkömmlichen Sprachtherapie erzielt werden?

Hanna Jakob: Ein sehr wichtiger Faktor für den Erfolg einer Therapie ist die Häufigkeit, in der sie stattfindet. Meist wird nur eine Stunde Sprachtherapie pro Woche verordnet, wobei die Leitlinie für Aphasie (ein Verlust der Sprachfähigkeit) wöchentlich fünf bis zehn Stunden sprachliches Training empfiehlt. Der Patient sollte deshalb ergänzend zur Therapie auch zu Hause üben.

Bisher haben Therapeuten jedoch meist nur die Möglichkeit, Übungsblätter zu kopieren, die keine interaktiven Hilfen und kein Feedback bieten. Mit unserer App kann der Patient zusätzlich zur regulären Therapie daheim üben. Neolexon kann an seine sprachlichen Fähigkeiten optimal angepasst werden, bietet viele Hilfen und ein direktes Feedback. Dadurch können die Therapieeffekte maßgeblich gesteigert werden.

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Wie viele Therapeuten bieten diese Extraleistung an und wer kommt für ihren Mehraufwand auf?

Hanna Jakob: Bereits ein paar Tausend Therapeuten nutzen unser Angebot und wir bekommen sehr positives Feedback, da durch unsere Lösung die Therapievorbereitung und auch das Bereitstellen von Übungen für den Patienten zu Hause zeitsparend mit nur wenigen Klicks möglich ist. Diese Zeiteffizienz ist besonders wichtig, da die Zusatzleistung, Übungen für den Patienten zu Hause bereitzustellen, leider bisher nicht von den Krankenkassen erstattet wird. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich dies in Zukunft ändert.

Für welche Patienten eignet sich die App besonders gut? Gibt es Einschränkungen bei der Nutzung oder müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein?

Hanna Jakob: Unsere App richtet sich an Patienten, die nach einer Hirnschädigung an Sprach- und Sprechstörungen leiden. Diese werden Aphasie und Sprechapraxie genannt. Unsere Nutzer sind aus allen Altersklassen. Da wir die App jedoch so benutzerfreundlich wie möglich gestaltet haben, ist nach unserer Einschätzung keine Vorerfahrung mit Tablets notwendig. Auch eine Halbseitenlähmung, die häufig nach einem Schlaganfall besteht, ist unserer Erfahrung nach kein Hindernis, da das Touchscreen eines Tablets hier eine einfache Bedienung ermöglicht.

Zusammen mit der Krankenkasse Die Techniker wollen Sie eine extra App für Kinder entwickeln. Warum haben diese bei der Therapie einen besonderen Stellenwert?

Hanna Jakob: In Deutschland leiden sehr viele Kinder an einer Sprachentwicklungsstörung und benötigen logopädische Behandlung. Genauso wie erwachsene Patienten sollten auch Kinder zu Hause zusätzlich üben, damit sie schnellstmöglich zum Therapieerfolg kommen. Eine motivierende Übungssituation für das Kind zu schaffen, stellt eine große Herausforderung dar. Wir sehen hier einen großen Vorteil bei der Verwendung neuer Medien, da diese die Kinder durch interaktive und spielerische Apps motivieren und Spaß beim Lernen bringen.

Die App verfolgt den Ansatz der Telemedizin. Kann sie den persönlichen Besuch beim Therapeuten langfristig ersetzen, beispielsweise bei Menschen, die körperliche Beeinträchtigungen haben?

Hanna Jakob: Unser Ansatz sieht kein Ersetzen des therapeutischen Kontaktes vor. Wir sprechen uns klar für eine Kombination aus regulärer sprachtherapeutischer Sitzung in der Praxis oder im Hausbesuch und einem ergänzenden Üben zu Hause aus. Aus unserer praktischen Arbeit und aus wissenschaftlichen Studien zur Computertherapie wissen wir, dass der persönliche Kontakt zum Therapeuten unerlässlich ist, um die Motivation beim Patienten zu erhalten. Außerdem sind viele therapeutische Methoden nicht auf dem Tablet möglich. Computertherapie kann demnach nur als Ergänzung angesehen werden und sollte durch den Therapeuten gesteuert werden.

Vielen Dank für das Interview, Frau Jakob.