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Bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf: Pflegedarlehen floppen

Nehmen sich Angehörige für die Pflege eines Familienmitglieds eine vollständige oder teilweise Auszeit vom Job, haben Sie Anspruch auf ein zinsloses Darlehen. Dieses soll Einkommensverluste abfedern. Doch Experten bemängeln schon lange, dass das Pflegedarlehen unattraktiv ist. Von den eingeplanten 8,1 Millionen Euro haben Betroffene 2017 nicht einmal ein Zehntel abgerufen.
Pflegedarlehen wird nur von Bruchteil pflegender Angehöriger genutzt
Pflegedarlehen erweisen sich als Ladenhüter
  • Beschäftige, die sich zugunsten der Pflege eines Angehörigen eine berufliche Auszeit nehmen, können ein zinsloses Darlehen beanspruchen.
     
  • Das Pflegedarlehen erfreut sich jedoch keiner großen Beliebtheit.
     
  • 2017 wurden jedoch nur 750.000 Euro von eingeplanten 8,1 Millionen Euro genutzt.

Seit mehr als zwei Jahren haben viele pflegende Angehörige das Recht, ihre Arbeit zu pausieren oder in Teilzeit fortzuführen, um sich um ein pflegebedürftiges Familienmitglied zu kümmern. Mit einem zinslosen Darlehen können Beschäftigte den dadurch entstehenden Verdienstausfall abfedern. Mehr als 50 Prozent des aktuellen Einkommens erhalten Kreditnehmer dadurch jedoch nicht.

Als das Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf 2015 in Kraft trat, rechnete das Bundesfamilienministerium mit einer regen Nachfrage. 8,1 Millionen Euro wurden zuletzt im Haushalt für das Pflegedarlehen veranschlagt. Doch der Kredit entpuppt sich als Ladenhüter. So wurden im vergangenen Jahr lediglich 756.000 Euro abgerufen. Das entspricht nicht einmal einem Zehntel der Erwartungen.

 

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Nur die wenigsten pflegenden Angehörigen nutzen zinsloses Darlehen

Wie die Rheinische Post unter Berufung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion an die Bundesregierung berichtet, wurden 2017 lediglich 181 Darlehen bewilligt. Hinzu kommen 311 laufende Verträge. Angesichts der rund 1,4 Millionen Pflegebedürftigen, die von Angehörigen versorgt werden, sehen sich Kritiker des Pflegedarlehens bestätigt. „Die große Koalition muss sich eingestehen, dass das Darlehen keine Wirkung entfaltet“, zitiert die Zeitung die Grünen-Haushaltsexpertin Ekin Deligöz. Statt einer Sparvariante favorisiert sie eine dreimonatige Pflegezeit mit Lohnersatz.

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat sich in der Vergangenheit kritisch zum Pflegedarlehen geäußert. Es sei ein Armutszeugnis für die Politik, wenn nur 300 pflegende Angehörige im Jahr diese Option in Anspruch nehmen. Der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, sieht eine Vereinbarkeit von Pflege und Beruf nur dann gewährleistet, „wenn es für pflegende Angehörige eine staatlich finanzierte Lohnersatzleistung ähnlich dem Elterngeld gibt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

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GroKo plant nur kleine Verbesserungen bei Pflegeleistungen

Der neue Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD sieht keine Änderungen an den bestehenden Regelungen vor. Die Parteien nehmen sich jedoch vor, Angehörige besser zu unterstützen. Dazu könnten verschiedene Leistungen wie die Verhinderungs- und Nachtpflege zu einem jährlichen Entlastungsbudget zusammengefasst werden. „Damit können wir erheblich zur Entbürokratisierung in der ambulanten Pflege beitragen, die häusliche Versorgung stärken und pflegende Angehörige entlasten“, heißt es im Koalitionsvertrag. Diese Maßnahmen wären nur eine von vielen Baustellen, mit denen sich der designierte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) demnächst beschäftigen muss.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur privaten Pflegeversicherung.