0800 300 3009

Kostenlose Service-Hotline

 
finanzen.de Nachrichten immer gut informiert

Energiewende: „Wir brauchen endlich ein Datum für den Kohleausstieg“

Die Energiewende gehört zu den zentralen Aufgaben der neuen Bundesregierung. Um diese weiter zu fördern, braucht es neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien einige Veränderungen in der Infrastruktur, erklärt Energieexperte Florian Post von der SPD. Auch der Kohleausstieg hat für ihn eine große Bedeutung.
Energiewende: Gemeinsame Lösungen anstatt Entscheidungen von oben
Energieexperte Florian Post von der SPD (Bildquelle: Florian Post)

Seit vielen Jahren will die Bundesregierung die Energiewende vorantreiben. Bereits im Jahr 2000 wurde dafür das sogenannte Erneuerbare-Energien-Gesetz verabschiedet, mit dem Ziel, die Stromproduktion über Kohle und Atomkraft durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen. Bis 2020 sollte zudem der CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent gesenkt werden. Doch nicht nur dieses Ziel wurde verfehlt. Für Kritiker kommt die nachhaltige Energiepolitik in Deutschland insgesamt zu langsam voran.

Das sieht Florian Post, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie, anders. In seinen Augen befindet sich die Bundesrepublik in einer neuen Phase, bei der nicht mehr nur der schnelle Ausbau von erneuerbaren Energien zählt. Im Interview mit finanzen.de erklärt der SPD-Politiker, welche Maßnahmen wichtig sind, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen und welche Rolle der Kohleausstieg dabei spielt.

Herr Post, Sie setzen sich für eine bezahlbare, saubere und sichere Energieversorgung ein. Wie ist Ihr Wahlkreis München in diesem Bereich aufgestellt?

Florian Post: In Sachen sauber und sicher ist München auf einem sehr guten Weg. Mit den Stadtwerken München haben wir einen wichtigen kommunalen Gestalter der Energiewende, der bei der Umstellung auf Ökostrom und Ökowärme äußerst engagiert ist. Bereits jetzt wird mehr als die Hälfte des Strombedarfs der Stadt aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Bis 2025 soll die Erzeugungskapazität beim gesamten Bedarf der Stadt liegen, die Fernwärme soll bis 2040 zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie gewonnen werden.

Aber auch die Stadt selbst hat umfangreiche Konzepte und Programme, um den Klimaschutz voranzutreiben – sowohl bei den eigenen Gebäuden und der Verwaltung als auch im Gewerbe und in Haushalten durch das Angebot von Beratung und Förderprogrammen. Bei der Bezahlbarkeit müssen wir aber gerade in München sehr vorsichtig sein. Hier gibt es schon eines der höchsten Mietniveaus in Deutschland, da sind die Nebenkosten durchaus von großer Bedeutung.

Unser Service für Sie

Sie suchen einen professionellen Rat zu Vorsorge und Versicherungen?

Die geplante Energiewende kommt Kritikern zufolge nur langsam voran und wurde in den letzten Jahren eher gebremst als vorangetrieben. Was sind die wichtigsten Punkte, die sich in der neuen Legislaturperiode ändern müssen?

Florian Post: Ich würde mich der Ansicht nicht anschließen, dass die Energiewende langsam vorankommt. Eher würde ich sagen, dass wir in eine neue Phase eingetreten sind: Um die Energiewende erfolgreich umzusetzen, geht es nicht mehr um einen möglichst schnellen und im Volumen großen Ausbau von erneuerbaren Energien-Anlagen.

Vielmehr müssen wir dafür sorgen, dass diese Anlagen in unser Stromsystem möglichst sinnvoll integriert werden. Dafür ist der Ausbau von Infrastruktur von großer Bedeutung, aber auch die intelligente Netzsteuerung, vor allem im Bereich der Verteilnetze. In Zukunft muss es verstärkt darum gehen, die Sektoren Wärme, Verkehr und Elektrizität zu koppeln.

Die Energiewende kann nur mit dem Kohleausstieg gelingen. Im Koalitionsvertrag wurde hierfür jedoch kein klarer Zeitpunkt formuliert, sondern lediglich die Schaffung einer zuständigen Kommission vereinbart. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?

Florian Post: Der Kohleausstieg ist ein sehr sensibles Thema, vor allem deshalb, weil einzelne Regionen von diesem Wirtschaftszweig abhängig sind. Dort geht es nicht „nur“ um den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch um die Zukunft ganzer Gegenden. Es ist deshalb meiner Meinung nach eine sehr gute Idee, alle Beteiligten an einen Tisch zu setzen und Lösungen zu finden, die sowohl dem Anspruch nach Klimaschutz, aber auch den nachvollziehbaren Interessen der Kohlebranche und ihrer Mitarbeiter sowie den betroffenen Kommunen gerecht werden. Das wird keinesfalls funktionieren, wenn wir von oben Entscheidungen aufstülpen.

Der CDU-Wirtschaftsrat warnt vor einem „überstürzten“ Kohleausstieg und fordert für die künftige Energiepolitik, die Förderung von Neuanlagen mit Wind- und Solarstrom abzuschaffen. Wie lässt sich dies mit dem Ziel der Energiewende vereinbaren?

Florian Post: Die Frage ist, was überstürzt bedeutet. Wie gesagt, wir müssen die Betroffenen mitnehmen, wir brauchen aber auch endlich ein konkretes Datum. Der Markt regelt das nicht von alleine. Wenn wir unsere Klimaschutzziele ernst nehmen, müssen wir eingreifen, so wie wir es mit der Förderung von erneuerbare Energien-Anlagen ja seit Jahren tun. Richtig ist aber auch, dass sich diese Anlagen auf lange Sicht auch ohne Förderung rechnen sollen. Soweit sind wir aber noch nicht.

Welchen Tipp können Sie Privatpersonen geben, die einen Beitrag zur Energiewende leisten möchten?

Florian Post: Es gibt viele Möglichkeiten. Bei der Wahl des Stromanbieters kann man beispielsweise einen Tarif mit erneuerbarem Strom wählen. Hat man ein Eigenheim, ist die Wahl der Heizungsanlage bedeutend. Zudem kann jeder überprüfen, welche Geräte die größten Stromfresser sind und diese austauschen. Insgesamt ist ein Bewusstsein über den eigenen Verbrauch von großer Bedeutung. Das ist Grundlage für mögliche Einsparungen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Post.