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Umsatzsteuer im Ausland: Wie ein Startup Onlinehändlern helfen will

Viele Menschen verdienen ihr Geld mittlerweile im Internet über den Onlinehandel. So verbuchte Amazon zuletzt mehr als 55.000 Marketplace-Händler, bei eBay sind es sogar über 125.000. Dabei gibt es einige steuerrechtliche Aspekte zu beachten, insbesondere wenn Händler Waren ins Ausland liefern. Hier will ihnen das Unternehmen Taxdoo das Leben erleichtern.
Beim Onlinehandel ins Ausland drohen Fallstricke bei der Umsatzsteuer
Roger Gothmann gehört zum Gründerteam von Taxdoo

Gehen Onlinehändler den nächsten Schritt und bieten ihre Waren nicht nur im In-, sondern auch im Ausland an, werden sie bald mit internationalen Steuerfragen etwa zur Umsatzsteuer konfrontiert. Gerade unerfahrenen Händlern wird dies jedoch erst dann klar, wenn sie von einer ausländischen Finanzbehörde angeschrieben werden.

Roger Gothmann erklärt im Interview mit finanzen.de, wann Unternehmer Umsatzsteuer im Ausland zahlen müssen. Zusammen mit Dr. Matthias Allmendinger und Dr. Christian Königsheim hat er das Startup Taxdoo gegründet. Das Unternehmen bietet eine Softwarelösung, um Prozesse, die mit der Umsatzsteuer zusammenhängen, zu automatisieren. Damit will es Händlern das mühselige Überwachen von Transaktionen und das Übermitteln wichtiger Daten abnehmen.

Herr Gothmann, ab wann muss sich ein Unternehmer Gedanken um die ausländische Umsatzsteuer machen?

Roger Gothmann: Im Onlinehandel kann eine Steuerpflicht im EU-Ausland in der Regel aus zwei Gründen eintreten. Der erste Auslöser ist das Überschreiten von sogenannten Lieferschwellen. Versendet der Händler seine Produkte in andere EU-Staaten, tritt die Steuerpflicht jeweils ein, wenn er gewisse Schwellenwerte überschreitet. Für die meisten EU-Staaten liegt dieser Wert bei 35.000 Euro netto.

Der zweite Auslöser ist oftmals das Nutzen ausländischer Logistikstrukturen, zum Beispiel denen von Amazon. Kaum ein Onlinehändler verkauft seine Produkte nicht über die Marketplaces. Das liegt zum einen an der Reichweite von Amazon. Zum anderen bietet das Unternehmen über das sogenannte Fulfillment by Amazon (FBA) die Abwicklung eines Großteils der Logistik an. Dabei gibt es den Händlern Anreize, ihre Produkte auch in ausländische Warenlager verbringen zu lassen.

Das passiert einerseits, da die Kapazitäten in deutschen Warenlagern zunehmend ausgelastet sind. Andererseits befinden sich die einzelnen Produkte EU-weit so näher beim Kunden, der auf seine Bestellung kaum noch länger als einen Tag warten will.

Die Teilnahme an den entsprechenden Programmen von Amazon, welche unter den Begriffen „Pan EU“ und „Central Eastern Europe“ laufen, führt unmittelbar zu einer Steuerpflicht in den Ländern, in welche Amazon die Waren verbringt. Das können im Rahmen des Pan EU-Programms unmittelbar sechs EU-Staaten sein.

Wie würden Sie Ihren Service für Laien zusammenfassen?

Roger Gothmann: Taxdoo ist die erste vollautomatisierte Umsatzsteuer-Lösung im Bereich Onlinehandel. Das bedeutet, dass wir automatisiert Rohdaten aus allen denkbaren Vertriebskanälen, wie Amazon, eBay oder dem eigenen Webshop, beziehen, umsatzsteuerlich aufbereiten und laufend überwachen. Anschließend können diese aufbereiteten Daten auf Knopfdruck in die Finanzbuchhaltung übernommen werden. Bei Steuerpflichten im EU-Ausland übermittelt Taxdoo diese Daten über internationale Steuerberaternetzwerke an die jeweils zuständigen Finanzbehörden. Dabei richtet sich Taxdoo sowohl direkt an Onlinehändler als auch an deren Steuerberater.

Unser Service für Sie

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Spricht Taxdoo eher kleine ebay-Händler an, die nicht mehr als hundert Artikel im Monat ins Ausland verkaufen, oder Personen mit deutlich höheren Verkaufszahlen?

Roger Gothmann: Je größer die Zahl der Verkäufe ist, desto größer sind grundsätzlich die umsatzsteuerlichen Risiken und der Bedarf an automatisierten Prozessen, wie wir sie bieten. Aber auch für den kleinen eBay-Händler, der noch nicht im EU-Ausland steuerpflichtig ist, haben wir entsprechende Bausteine, mit denen er beispielsweise tagesaktuell den Stand seiner Lieferschwellen einfach und automatisiert überwachen kann.

Der Anbieter fbahero bietet im Bereich der Umsatzsteuer ähnliche Leistungen wie Sie. Was macht Ihre Plattform jedoch besonders?

Roger Gothmann: Bei Taxdoo arbeiten Umsatzsteuer- und Technologieexperten eng zusammen, um die gesamte Umsatzsteuer-Compliance im Onlinehandel – also das Erfüllen aller umsatzsteuerlichen Pflichten – zu automatisieren. Das geht weit über das bloße Melden von Transaktionsdaten im EU-Ausland hinaus, was einige Dienstleister anbieten. Insbesondere im grenzüberschreitenden Onlinehandel bedarf es einer mindestens tagesaktuellen umsatzsteuerlichen Auswertung und Überwachung von Transaktionsdaten.

Unternehmen, die Taxdoo nutzen, verlassen sich darauf, dass sie steuerrechtlich auf der sicheren Seite sind. Doch wie sieht es mit der Haftung aus, wenn Taxdoo doch einmal ein Fehler bei der internationalen Umsatzsteuer-Abwicklung unterlaufen sollte?

Roger Gothmann: Die Automatisierung ihrer umsatzsteuerlichen Prozesse befreit Unternehmen nicht von ihrer Haftung, aber senkt ihre Risiken signifikant. Wir haben zahlreiche Plausibilitätschecks etabliert, welche Ende des letzten Jahres sogar dazu führten, dass wir einen Fehler in den Daten von Amazon erkannt haben, bevor Amazon selbst dieser Fehler aufgefallen war.

Sie haben bereits mehrere Preise gewonnen. Wie wollen Sie sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln und den Service für Ihre Kunden verbessern?

Roger Gothmann: Wir haben zum Ende des letzten Jahres unsere Finanzierungsrunde mit dem High-Tech Gründerfonds abgeschlossen. Diese Mittel verwenden wir nun, um unsere Umsatzsteuer-Plattform weiter auszubauen. Dabei wollen wir unsere Leistungen auch anderen Kundensegmenten zur Verfügung stellen: Sowohl im klassischen Mittelstand als auch in den Steuerabteilungen von Großkonzernen gelten Excel-basierte Umsatzsteuer-Tools noch immer als „State of the Art“, was die Automatisierung der Umsatzsteuer-Compliance betrifft. Hier sehen wir großes Potential für unsere Technologie.

Vielen Dank für das Interview, Herr Gothmann.