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Pflege und Gesundheit: Wo zahlen Verbraucher 2019 mehr oder weniger?

Seit ihrem Amtsantritt im März hat die Große Koalition (GroKo) zahlreiche Veränderungen bei Gesundheit, Pflege und Arbeit auf den Weg gebracht. In der Summe führen die Anpassungen ab 2019 zunächst zu geringeren Sozialabgaben für Arbeitnehmer. Langfristig könnte es jedoch teurer werden, vor allem bei der Pflege.
Pflege und Gesundheit: Wo Arbeitnehmer 2019 Geld sparen könnten
Arbeitnehmern winken 2019 Ersparnisse bei den Sozialabgaben
  • Mit geringeren Beiträgen zur Arbeitslosen- und Krankenversicherung will die GroKo die Bürger stärker entlasten.
     
  • Die mögliche Ersparnis fällt jedoch geringer aus als erhofft.
     
  • Denn insbesondere bei der Pflege müssen Arbeitnehmer wohl bald tiefer in die Tasche greifen.

Die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten, gehört zu den Hauptzielen der Großen Koalition. Genau dies versuchen die zuständigen Ministerien zügig umzusetzen. So wurde im Bundeskabinett bereits das Versichertenentlastungsgesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschlossen. Dies soll vor allem für Kassenpatienten finanzielle Erleichterung bringen.

Auch Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will keine Zeit verlieren und hat schon zwei umfangreiche Rentenpakete sowie weitere Entlastungen für Arbeitnehmer angekündigt. Mit den Vorhaben der beiden Minister ändern sich ab 2019 die Beitragssätze zur Sozialversicherung. Während Arbeitnehmer weniger Geld von ihrem Einkommen für die Kranken- und Arbeitslosenversicherung ausgeben müssen, drohen bei der Pflege höhere Beiträge.

Paritätische Finanzierung: Niedrigerer Beitrag für Kassenpatienten

Gesetzlich Krankenversicherte haben ab Januar 2019 weniger Abzüge von ihrem Bruttogehalt. Denn mit dem Versichertenentlastungsgesetz hat Gesundheitsminister Spahn dafür gesorgt, das sich Arbeitgeber künftig zur Hälfte am kompletten Krankenkassenbeitrag beteiligen. Bisher übernehmen sie lediglich 50 Prozent des Sockelbeitrags, während Arbeitnehmer den kassenindividuellen Zusatzbeitrag alleine tragen. Dieser beträgt bis zu 1,7 Prozent des Einkommens.

Ein 30-jähriger verheirateter Mann mit einem monatlichen Bruttolohn von 3.000 Euro, dessen Krankenkasse einen Zusatzbeitrag von 1,0 Prozent erhebt, muss beispielsweise künftig nur noch 7,8 Prozent anstatt 8,3 Prozent seines Einkommens für den Gesundheitsschutz zahlen. Von seinem Lohn werden damit ab Januar 2019 monatlich 234 Euro für die Krankenkasse abgezogen. Derzeit liegt der Kassenbeitrag für ihn bei 249 Euro im Monat.

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Geringere Sozialabgaben: Arbeitslosenversicherung könnte günstiger werden

Neben dem Gesundheitsminister strebt auch Arbeitsminister Heil einige Neuerungen an. Er möchte schnellstmöglich den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung senken. Arbeitnehmer sollen künftig 2,7 Prozent statt bislang 3,0 Prozent ihres Einkommens für die Absicherung zahlen. Dabei trägt der Arbeitgeber die Hälfte der Kosten. Ursprünglich sollte die Änderung bereits ab Juli 2018 greifen, nun könnte sie voraussichtlich ab Januar 2019 in Kraft treten.

Für den 30-jährigen Beispielversicherten würde dies bedeuten, dass er künftig nur noch 40,50 Euro anstelle von 45 Euro im Monat für die Arbeitslosenversicherung zahlt. Zusammen mit dem niedrigeren Krankenkassenbeitrag würden sich seine Sozialabgaben ab 2019 somit um knapp 20 Euro im Monat verringern.

Pflegebeitrag soll ab 2019 ansteigen

Anders als Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung dürfte die gesetzliche Pflegeversicherung künftig teurer ausfallen. Der Gesundheitsminister hat angekündigt, die Beiträge ab Januar 2019 um 0,3 Prozentpunkte zu erhöhen. Damit müssten Arbeitnehmer mit Kind bald 2,85 Prozent ihres Bruttoeinkommens an die Pflegekasse abgeben. Da die Kosten zur Hälfte vom Arbeitgeber getragen werden, würden Angestellte demnach bald 1,425 Prozent statt bisher 1,275 Prozent zahlen.

Der Pflegebeitrag für einen 30-Jährigen mit einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro steigt damit um 4,50 Euro auf 42,75 Euro. Unter dem Strich bleibt ihm also durch die neuen Beitragssätze in der Sozialversicherung eine Ersparnis von rund 15 Euro.

 

Zu wenig geld für die Pflege

Trotz zahlreicher Verbesserungen in den letzten Jahren können viele Menschen die Kosten für die Pflege kaum aufbringen. Denn das Geld aus der Pflegekasse deckt lediglich einen Teil davon ab. Umso wichtiger ist es, sich zusätzlich mit einer privaten Pflegeversicherung nach den individuellen Wünschen abzusichern.

Verbesserungen in der Pflege werden für Bürger teuer

Spahns Vorgänger Hermann Gröhe (CDU) hatte ursprünglich angekündigt, den Beitrag zur Pflegeversicherung bis 2020 nicht anpassen zu wollen. Die nun geplante vorzeitige Erhöhung begründet der neue Gesundheitsminister damit, dass in der Pflegeversicherung mehr Geld benötigt wird, um dem bestehenden Pflegenotstand entgegenzuwirken. Dazu will er unter anderem beitragen, indem er bis zum neuen Jahr 13.000 Stellen für Pflegekräfte schafft. Zudem plant der Minister eine Reform der Pflegeausbildung und eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte.

Nach der Anpassung soll der Pflegebeitrag ihm zufolge bis 2022 stabil bleiben. Der SPD-Pflegeexperte Karl Lauterbach sieht dies jedoch kritisch. Er rechnet in Anbetracht der weiteren geplanten Verbesserungen zwischenzeitlich mit neuen Erhöhungen.