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„Verkehrswende ist nicht nur mit E-Mobilität gleichzusetzen“

Regelmäßig fällt die Bundesregierung Entscheidungen, die alle Bürgerinnen und Bürger im Land betreffen. Doch was genau bedeutet es eigentlich für Bewohner vor Ort, wenn Deutschland zum Beispiel die E-Mobilität vorantreiben will? finanzen.de hat mit Thomas Marwein von Bündnis 90/Die Grünen gesprochen, wie es in seinem Wahlkreis Offenburg um die Mobilitätswende gestellt ist.
E-Mobilität ist grundsätzlich nicht frei von Nachteilen
Verkehrsexperte Thomas Marwein von Bündnis90/Die Grünen

Viele Bürgerinnen und Bürger legen auch sehr kurze Wege mit dem Auto zurück. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Nicht selten verzichten Verbraucher allerdings aufs Rad, da vernünftige Radwege fehlen. Allerdings haben sich Union und SPD für die nächsten vier Jahre als Ziel gesetzt, den Radverkehr in Deutschland zu verbessern. Damit geht die Regierung einen weiteren Schritt, die Verkehrswende in Deutschland einzuleiten.

Dazu zählt auch der Ausbau der Elektromobilität. Um zu erfahren, was die Beschlüsse der Bundespolitik für die Bürger konkret bedeuten, hat finanzen.de hat mit baden-württembergischen Politiker Thomas Marwein von Bündnis 90/Die Grünen gesprochen. Er sitzt für den Wahlkreis Offenburg im Landtag. Im Interview macht Marwein auf die Vorteile, aber auch auf die Nachteile der Elektromobilität aufmerksam und erläutert, wie sich die Region bis zur nächsten Landtagswahl verändern könnte.

Welche Themen beschäftigen Sie derzeit in ihrem Wahlkreis bei der Verkehrspolitik am meisten?

Thomas Marwein: Aktuell beschäftigt mich vor allem der Ausbau der Rheintalbahn mit dem Tunnel in Offenburg sowie dem dritten und vierten Gleis entlang der A5. Das weitere Vorgehen zum Radschnellweg Offenburg-Gengenbach, der unter anderem von vielen Betrieben und der Hochschule unterstützt wird, ist ebenfalls besonders wichtig. Außerdem läuft für die Ortenau-S-Bahn eine Ausschreibung zum zukünftigen Betrieb mit Hybridzügen.

Auf Bundesebene gewinnt das Thema E-Mobilität zunehmend an Bedeutung. Union und SPD haben sich darauf verständigt, diese deutlich voranzubringen. Welche Vorteile würden sich Offenburg ergeben, wenn die Elektromobilität dort stärker gefördert wird?

Thomas Marwein: In der Stadt Offenburg sind schon etliche Ladesäulen vorhanden. Zwei örtliche Energieversorger sind hier aktiv, die Stadtverwaltung ebenfalls. Durch das Carsharing-Angebot von Stadtmobil Südbaden ist an fast allen Standorten eine Ladesäule vorhanden. Von Vorteil wäre es, wenn die City-Logistik in Offenburg ausschließlich mit E-Lastenrädern und E-Transportern durchgeführt wird.

Die E-Mobilität ist aber grundsätzlich nicht frei von Nachteilen. So werden für die Herstellung von E-Fahrzeugen seltene Erden benötigt, deren Vorkommen begrenzt sind. Diese Rohstoffe werden meist in politisch instabilen Ländern unter schlechten Arbeitsbedingungen gewonnen, auch Kinderarbeit spielt hier leider eine Rolle. Die Recyclingmethoden für ausrangierte Batterien müssen noch effizienter werden und auch der verwendete Strom stammt bisher nur zu einem kleinen Teil aus regenerativen Energiequellen.

Dennoch sind E-Autos im Betrieb deutlich besser als mit Benzin und Diesel angetriebene Autos, da ihre Motoren keine Schadstoffe ausstoßen und viel leiser sind.

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Haben Sie das Gefühl, dass den Bürgerinnen und Bürgern in Ihrem Wahlkreis die Themen Verkehrswende und Elektromobilität besonders wichtig sind?

Thomas Marwein: Als besonders wichtig wird dies meines Erachtens nicht gesehen. Eher sind persönliche Belange wichtig. Allerdings ist der Bevölkerung der Zusammenhang von Klimaschutz und Verkehr zunehmend klarer. Die Verkehrswende ist aber nicht nur mit E-Mobilität gleichzusetzen. Ausbau und Verbesserung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und im Radverkehr gehören auch dazu.

Hamburg hat als erste Stadt Fahrverbote für Dieselfahrzeuge umgesetzt. Sind solche Verbote auch für Ihren Wahlkreis denkbar?

Thomas Marwein: In meinem Wahlkreis ist kein Fahrverbot zu erwarten. Grundsätzlich ist eine sehr deutliche Reduktion von Schadstoffen beim Verbrennungsmotor möglich und kann somit zur Besserung der Situation beitragen. Alle weiteren Maßnahmen im ÖPNV und beim Fahrradverkehr tragen ebenfalls zur Verbesserung bei.

Die nächste Landtagswahl findet in Baden-Württemberg voraussichtlich 2021 statt. Welche sind die drei wichtigsten Ziele, die Sie bis dahin für Ihren Wahlkreis Offenburg im Verkehrsbereich erreichen wollen?

Thomas Marwein: Idealerweise sieht der Verkehr in Offenburg in 2021 folgendermaßen aus:

  • Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs am Gesamtverkehr hat sich verringert.
  • Der Hybridzug fährt.
  • Der Radschnellweg zwischen Offenburg und Gengenbach ist im Bau.

Vielen Dank für das Interview, Herr Marwein.