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Frage der Woche: Was bringt die „Konzertierte Aktion Pflege“?

Mehr als eine halbe Million Arbeitsplätze sind im sozialen Bereich bundesweit unbesetzt. Allein in der Alten- und Krankenpflege bleiben derzeit rund 50.000 Stellen offen. Eine neue Initiative der Bundesregierung soll die aktuelle Situation in der Pflege verbessern und das Berufsfeld für junge Menschen wieder attraktiv machen.
Deutschlandweit sind 50.000 Stellen für Pflegefachkräfte unbesetzt
Eine neue Initiative soll Maßnahmen für eine bessere Pflege schaffen
  • Bundesweit sind Zehntausende Stellen in der Kranken- und Altenpflege unbesetzt.
  • Der Pflegeberuf ist vielen potenziellen Auszubildenden zu „uncool“ und für die extrem fordernde Arbeit nicht angemessen bezahlt.
  • Die Bundesminister Spahn (CDU), Giffey (SPD) und Heil (SPD) wollen mit ihrer neuen Initiative „Konzertierte Aktion Pflege“ Maßnahmen für eine bessere Pflege einführen.

Zu Beginn dieser Woche gaben die Bundesminister Jens Spahn (Gesundheit), Franziska Giffey (Familie) und Hubertus Heil (Arbeit) in Berlin den Startschuss für ihr gemeinsames Projekt, die „Konzertierte Aktion für die Pflege“. Innerhalb eines Jahres wollen die drei Minister Maßnahmen gegen den Pflegenotstand entwickeln. Mittlerweile sind deutschlandweit rund 50.000 Stellen für Pflegefachkräfte unbesetzt. Diese Lücke soll durch die Initiative so schnell wie möglich geschlossen werden.

Die wichtigsten Ziele der Aktion: Mehr junge Menschen aus dem In- und Ausland für den Beruf in der Pflege begeistern und auch bereits ausgebildete Fachkräfte, die ausgestiegen sind, zur Rückkehr in ihren Beruf ermutigen. Außerdem wird für das Pflegepersonal künftig eine bessere Bezahlung eingeplant. Auf Pflegebedürftige und ihre Angehörigen könnten dadurch allerdings höhere Kosten zukommen.

„Initiative soll konkret im Arbeitsalltag der Pflegekräfte etwas verändern"

Aufgrund des stetig steigenden Altersdurchschnitts der Menschen nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen hierzulande rasch zu. Die Pflege dieser Menschen ist jedoch aufgrund des Personalmangels nicht gesichert. Denn bislang fehlt es dem äußerst anspruchsvollen Beruf der Pflegekraft an der notwendigen Wertschätzung sowie einer angemessene Bezahlung, was ihn für viele uninteressant machte.

Um zeitnah die große Lücke bei den Pflegestellen zu füllen, planen die drei Minister Spahn, Giffey und Heil Maßnahmen für einen besseren Ausbau der Pflegestellen. Der Bundesgesundheitsminister möchte damit auch „konkret im Arbeitsalltag der Pflegekräfte etwas verändern“.

Um den Angestellten eine bessere Bezahlung zu ermöglichen, fordert Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) die Einführung  eines sogenannten Flächentarifvertrags. Dieser soll die Löhne in der Pflegebranche für alle Angestellten deutlich verbessern. Damit würden auch die Arbeitgeber miteinbezogen, die bislang keine Tarifverträge führen. Bislang sind 80 Prozent der Arbeitsverträge in der Altenpflege nicht tarifgebunden. Zudem fordert Heil „eine Entlastung der Pflegenden von bürokratischen Aufgaben“, damit sie sich voll auf die praktischen Tätigkeiten und ihre Patienten konzentrieren können.

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Attraktiver Ausbildungsberuf und kompetente Fachkräfte aus dem Ausland

Der Beruf des Alten- oder Krankenpflegers gilt unter jungen Menschen seit Jahren nicht mehr als „cool“, bemängelte kürzlich Familienministerin Giffey (SPD). Für sie benötigt das Berufsbild daher einen neuen Anstrich. Aus diesem Grund plant die Ministerin eine Ausbildungs- und Informationsoffensive, welche wieder mehr junge Leute für die Tätigkeit als Pflegekraft begeistern soll.

Außerdem plant Gesundheitsminister Spahn, hochqualifizierte Pflegekräfte aus dem Ausland einzubinden, die in ihrem Heimatland keine Chance auf einen Arbeitsplatz bekommen. Gleiches gilt für junge Menschen, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland eingewandert sind und großes Potenzial für die Stellen aufweisen.

Mit dem neuen Pflegeberufegesetz kommen für Interessierte ab 2020 neue Ausbildungsgänge hinzu. Damit können Auszubildende nach den ersten beiden Jahren voller Theorie und Praxis den Bereich wählen, der ihnen am meisten zusagt. Ein weiterer Bonus: Für die Ausbildung zur Pflegefachkraft muss kein Schulgeld mehr gezahlt werden.

Gute Pflege hat ihren Preis: Was ändert sich für Pflegeversicherte?

Es ist keine Überraschung, dass all diese Neuerungen und die Umsetzung der neuen Maßnahmen unter der „Konzertierten Aktion Pflege“ ihren Preis haben. Welche weiteren Kosten dadurch für die Bürgerinnen und Bürger entstehen, ist bislang noch unklar. Geplant ist jedoch eine gerechte Aufteilung der Kosten zwischen den Beitragszahlern und den Eigenanteilen der Pflegebedürftigen.

Vor einigen Wochen kündigte Spahn bereits seine milliardenschwere Sofortmaßnahme an, welche 13.000 neue Pflegestellen vorsieht. Gleichzeitig machte er deutlich, dass sich der Beitragssatz für die Pflegeversicherung im Jahr 2019 wohl um 0,3 Prozentpunkte erhöhen wird. Das hieße für einen kinderlosen Angestellten, dass er 3,1 Prozent von seinem Bruttoeinkommen in die Pflegeversicherung einzahlen muss.

Kritiker mahnen, beim Thema Pflege langsam eine Kostengrenze zu setzen. So fordert unter anderem Sabine Zimmermann, Die Linke-Sozialexpertin, dass „gute Pflege unabhängig vom Geldbeutel und vom Wohnort für jeden möglich sein muss". Sie setzt auf eine  Pflegevollversicherung, „in der alle pflegebedingten Kosten übernommen werden und die Eigenanteile sinken oder ganz entfallen“.

Neben Bund und Ländern: Viele Partner unterstützen die „Konzertierte Aktion Pflege“

Zuspruch bekommt die Initiative der drei Minister nicht nur vom Bund. Auch zahlreiche andere Organisationen und Einrichtungen wollen das Projekt für eine bessere Pflege künftig unterstützen. Dazu zählen Pflegeberufs- und Ausbildungsverbände, die Kirchen, Pflege- und Krankenkassen, Verbände der Pflegeinrichtungen und die Berufsgenossenschaften. Aus ihnen schließen sich nun fünf  Arbeitsgruppen zusammen, die sich in den nächsten Monaten intensiv mit Themen wie Ausbildung, Personalmanagement und Entlohnung beschäftigen.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur privaten Pflegeversicherung.