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E-Autos: Deutschland braucht mehr Investitions- und Risikobereitschaft

Beim Thema Klimaschutz führt kein Weg an einer Verkehrswende vorbei. Dazu gehört auch der Ausbau der Elektromobilität. Bisher sind jedoch nur wenige E-Autos unterwegs. Um künftig mehr Menschen für ein Elektrofahrzeug zu begeistern, braucht es für Prof. Dr. Günther Schuh von e.Go Mobile ein breiteres Angebot und eine ständige Weiterentwicklung der Autos.
E-Autos brauchen eine ständige Weiterentwicklung
Prof. Dr. Günther Schuh (Bildquelle: e.Go Mobile)

Der Ausbau der Elektromobilität gehört zu den großen Zielen der Bundesregierung. Denn dieser kann einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Zwar ist die Zahl der zugelassenen Elektro-Fahrzeuge in den letzten Jahren weltweit stetig angestiegen. Die Bundesrepublik hinkt ihrem ursprünglichen Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 jedoch trotz staatlicher Kaufprämie hinterher.

Woran das liegt, erklärt Prof. Dr. Günther Schuh im Interview mit finanzen.de. Der Geschäftsführer des E-Autoherstellers e.Go Mobile sieht für den weiteren Ausbau der Elektromobilität sowohl den Staat als auch die Industrie in der Pflicht.

Herr Prof. Dr. Schuh, warum sollten sich Fahrer für ein Elektroauto entscheiden?

Prof. Dr. Günther Schuh: Viele Bürgerinnen und Bürger erkennen und riechen regelrecht, dass es so in unseren Städten nicht mehr weitergehen kann. Wir müssen die Stickoxide aus den Innenstädten herausbekommen. Dazu wollen schon jetzt viel mehr Fahrer beitragen als wir vermuten. Ihnen fehlen lediglich die passenden Fahrzeugangebote.

Viele Fahrer, die nur geringe Strecken zurücklegen, ahnen längst, dass der Kurzstreckenverkehr auch Gift für ihren Verbrennungsmotor ist. Einen teuren Elektro-Pkw wollen sie aber wegen der geringen Strecken nicht kaufen. Sobald ihnen ein E-Auto zu einem vernünftigen Preis angeboten wird, würden sie das sogar mit großem Stolz fahren und aus ihrem Umfeld einige mitreißen. Das gilt gerade auch für Familien.

Der Fahrspaß ist ein weiterer guter Grund, auf ein E-Auto zu wechseln. Die volle Leistung und das hohe Drehmoment schon in der ersten Winkelminute unterscheiden einen E-Antrieb gravierend von einem Verbrenner.

Während andere Länder wie China in Zukunft komplett auf Elektroautos setzen wollen, hinkt Deutschland beim Ausbau der Elektromobilität noch immer hinterher. Woran liegt das?

Prof. Dr. Günther Schuh: Auch in China wird der Durchbruch der Elektromobilität nicht so schnell kommen, wie viele glauben. Denn die Chinesen können die Physik nicht außer Kraft setzen. Bisher ist der enorme Absatz von E-Fahrzeugen in China nur durch die Zulassungsregeln und massive Subventionen bedingt. Der Staat zahlt durchschnittlich über 30 Prozent aller E-Fahrzeugkosten.

Solche massiven Subventionen haben wir in Deutschland nicht und sollten wir auch nicht wollen. Wir müssen ehrliche Märkte und Geschäftsmodelle schaffen. Da sind wir gar nicht so schlecht unterwegs. Batterien für E-Fahrzeuge sind und bleiben teuer. Deshalb müssen wir kleine E-Fahrzeuge mit kleinen Batterien und große Universalfahrzeuge auch mit kleinen Batterien als Hybridfahrzeuge vorantreiben. Die weltweit besten Plug-in-Hybride kommen heute schon aus Deutschland.

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Ab Herbst kommt Ihr neues E-Auto, der e.GO Life, auf den Markt. Was zeichnet diesen aus?

Prof. Dr. Günther Schuh: Der e.GO Life wurde für Personen konzipiert, die täglich nur geringe Strecken zurücklegen, also als ideales Stadtauto. Außerdem eignet er sich als Zweitwagen, besonders für Familien. Wir bieten ihn in drei verschiedenen Varianten mit einer realen Reichweite von 104 bis 158 Kilometern an, wodurch er auch für Pendler infrage kommt.

Darüber hinaus ist der e.GO Life aktuell das günstigste Elektroauto. Da der Preis unseres Erachtens derzeit das größte Problem in Sachen Elektromobilität ist, sollten wir hoffentlich viele zum Elektroauto locken, die sonst noch gewartet hätten.

Wie viele Pkw planen Sie im ersten Geschäftsjahr zu verkaufen?

Prof. Dr. Günther Schuh: Zunächst wollen wir nächstes Jahr im Ein-Schicht-Betrieb zwischen 7.000 und 10.000 Fahrzeuge produzieren. Voraussichtlich ab Mitte 2019 gehen wir dann auf den Zwei-Schicht-Betrieb über, um auf eine Stückzahl von jährlich 20.000 Fahrzeugen zu kommen.

Durch den Ausbau der E-Mobilität könnten viele Arbeitsplätze im Bereich Motorenbau verloren gehen, da weniger Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor produziert werden würden. Halten Sie diese Befürchtung für berechtigt?

Prof. Dr. Günther Schuh: Das muss nicht so kommen. Wir müssen die Lücken in unseren Wertschöpfungsketten schnell schließen. Dazu gehört,

  • in die Batteriezellenproduktion einzusteigen,
  • Reichweitenverlängerer als Zukunftsprodukte zu entdecken,
  • kleine Brennstoffzellenaggregate großindustriell aufzuziehen und
  • neue Werkstoffe und Verfahren viel schneller zu entwickeln und zu industrialisieren.

Das alles würde neue Arbeitsplätze schaffen. Zudem wären gar nicht so viele Arbeitsplätze in Gefahr, wenn wir beispielsweise verstärkt auf Plug-in-Hybride als vernünftige Langzeitlösung statt als Übergangslösung setzen würden.

Dazu bräuchte es aber in Deutschland eine höhere Investitions- und Risikobereitschaft. Wir sollten unsere überlegenen ingenieur- und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse selbst glauben statt einem indoktrinierten Tross, unter anderem aus den USA und China, unreflektiert zu folgen.

Wichtig ist, auch bei großen Themen nicht immer nur kleines Geld in die Hand zu nehmen, sowohl in den Konzernen als auch bei der staatlichen Förderung. Ansonsten dürfen wir uns nicht wundern, wenn demnächst andere die Geschäfte machen, die wir eigentlich viel besser können.

Seit Kurzem gibt es in Hamburg Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge. Weitere Städte könnten folgen. Wie wirken sich diese Maßnahmen auf die Entwicklung der E-Mobilität aus? Wird es beispielsweise in Zukunft keine Autos mit Benzin- oder Dieselantrieb mehr geben?

Prof. Dr. Günther Schuh: Doch, denn E-Autos mit großen Batterien sind noch nicht die Zukunft, sondern die Ausnahme. Es ist nicht zu erwarten, dass Feststoffbatterien in den nächsten zehn bis zwölf Jahren so viel günstiger werden, sodass es rein elektrisch betriebene Fahrzeuge mit hohen Reichweiten und Geschwindigkeiten zu einem günstigen Preis geben wird. Ein E-Auto im Mittelklassesegment mit einer vergleichbaren Reichweite zu Verbrennerfahrzeugen wird für viele Kunden zu teuer sein. Auch der Hersteller wird daran nichts verdienen.

Vielen Dank für das Interview, Prof. Dr. Schuh.