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Verbesserungen bei Erwerbsminderungsrente: Heils Pläne in der Kritik

Knapp zwei Millionen Menschen in Deutschland beziehen aktuell eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Auch wenn die Rentenhöhe seit 2013 um 17 Prozent gestiegen ist, reicht das Geld bei vielen Personen kaum zum Leben aus. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will hier mit einer weiteren Anhebung gegensteuern. Dafür erntet er jedoch Kritik.
Verbesserte Erwerbsminderungsrente in der Kritik
Arbeitsminister Heil will die Erwerbsminderungsrente verbessern
  • Obwohl die Erwerbsminderungsrente seit 2013 im Schnitt um 17 Prozent gestiegen ist, droht vielen Betroffenen weiterhin Altersarmut.
     
  • Bundesarbeitsminister Heil plant daher zusätzliche Verbesserungen.
     
  • Die Vorhaben des Ministers stoßen jedoch auf Kritik, da sie zu Ungleichheiten führen könnten.

Wer seinen Beruf krankheitsbedingt vor dem Rentenalter aufgeben muss, hat laut der Deutschen Rentenversicherung ein besonders hohes Risiko für Altersarmut. Denn das regelmäßige Einkommen fällt weg und die aktuell rund 1,8 Millionen betroffenen Personen müssen mit einer geringen finanziellen Absicherung, der sogenannten Erwerbsminderungsrente, auskommen.

Zwar hat sich diese in den letzten fünf Jahren durchschnittlich um 17 Prozent erhöht. Dennoch reicht das Geld meist nicht zum Leben aus, sodass Erwerbsgeminderte häufig auf die staatliche Grundsicherung zurückgreifen. Die Bundesregierung plant daher weitere Verbesserungen für die Erwerbsminderungsrente. Das sorgt jedoch nicht nur für Begeisterung.

Heil will Zurechnungszeit für Erwerbsminderungsrente erhöhen

Im letzten Jahr erhielten Neurentner, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mussten, durchschnittlich 716 Euro Erwerbsminderungsrente pro Monat. 2013 waren es mit monatlich 613 Euro noch rund 100 Euro weniger, wie Spiegel Online berichtet. Mit seinem ersten Rentenpaket will Arbeitsminister Heil ab 2019 für einen weiteren Zuwachs sorgen.

Demnach sollen künftige Bezieher jeden Monat so viel Geld bekommen, als hätten sie bis zum regulären Renteneintrittsalter von derzeit 65 Jahren und acht Monaten gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt. Aktuell werden für die Höhe der Erwerbsminderungsrente lediglich 62 Jahre und drei Monate angenommen. Ab 2020 will Heil die Zurechnungszeit schrittweise auf 67 Jahre erhöhen.

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Neurentner sollen ab 2019 höhere Erwerbsminderungsrente erhalten

Von der geplanten Änderung profitieren laut dem Minister nur künftige Erwerbsgeminderte. Wie Finanzmathematiker Werner Siepe für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berechnet hat, würde ein Durchschnittsverdiener damit ab 2019 pro Monat rund 98 Euro mehr Erwerbsminderungsrente erhalten als bisher.

„Jedem Erwerbsgeminderten kann man aus rein finanzieller Sicht nur raten, den geplanten Antrag auf Erwerbsminderung auf 2019 zu verschieben“, betont der Experte daher. Die Deutsche Rentenversicherung geht bereits davon aus, dass die Zahl der Rentenanträge von Versicherten mit gesundheitlichen Problemen über 60 Jahre im Zuge der Reform deutlich ansteigen wird.

Tipp: Selbst mit den vorgesehenen Verbesserungen reicht eine durchschnittliche Erwerbsminderungsrente von rund 800 Euro nicht aus, um den Lebensstandard zu halten. Daher müssen Erwerbsgeminderte häufig an anderen Stellen sparen. So kann sich unter anderem ein Wechsel der Haftpflichtversicherung lohnen, insbesondere wenn der alte Vertrag schon sehr lange besteht und andere Versicherer inzwischen bessere Leistungen zum gleichen Preis bieten. Mit einem individuellen Tarifvergleich lässt sich schnell ein passendes Angebot finden.

Arbeitgeber stellen sich gegen die Erhöhung der Zurechnungszeit

Während sich Neurentner über das Vorhaben des Arbeitsministers freuen dürften, erntet Heil von Arbeitgebern sowie Rentenexperten Kritik. Denn sie befürchten, dass einige „Erwerbsgeminderte nach einem frühen Abschied aus dem Berufsleben trotz Abschlägen künftig besser dastehen als Arbeitnehmer, die im gleichen Alter in Altersrente gehen“, zitiert das Versicherungsjournal aus einem Bericht der FAZ.

Demnach haben die Arbeitgeber Heil in einer Stellungnahme aufgefordert, die Zurechnungszeit für die Erwerbsminderungsrente nicht weiter zu erhöhen. Bereits vor einem Jahr hatte die damalige Bundesregierung für die kommenden sieben Jahre eine schrittweise Anhebung von 62 auf 65 Jahre beschlossen, die Heil nun noch einmal aufstockt.

Bereits kurz nachdem der Arbeitsminister seine Pläne zur Erwerbsminderungsrente vorgestellt hat, wurden diese vom Chef des Wirtschaftsinstituts Ifo, Clemens Fuest, scharf kritisiert. Er betrachtet die Erhöhung der Rente als ungerecht und plädiert stattdessen für eine private Absicherung. „Erwerbsminderung ist ein Risiko, das uns alle betrifft, und wir alle sollten uns gegen dieses Risiko versichern und dafür auch entsprechende Prämien zahlen“, erklärte Fuest gegenüber der FAZ.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur Berufsunfähigkeitsversicherung.