0800 300 3009

Kostenlose Service-Hotline

 
finanzen.de Nachrichten immer gut informiert

It´s a match: Wohnungssuche nach dem Vorbild von Dating-Apps

Wer auf der Suche nach einer neuen Wohnung ist, muss Geduld und starke Nerven haben. Denn vor allem in Großstädten sind bezahlbare Wohnungen Mangelware. Die Wohnungsplattform Housy hilft potenziellen Mietern dabei, sie schneller mit passenden Vermietern in Kontakt zu bringen. Das funktioniert laut den Unternehmensgründern ähnlich wie bei Dating-Apps.
Wohnungen statt Singles: Wohnungsvermittlung wie bei Dating-Apps
Sebastian Melchert und Raymond Naseem von Housy (© Philipp Haas)

Wohnungsbesichtigungen mit 50 anderen Personen, hohe Maklergebühren oder Interessenten, die die Miete nicht zahlen können – die Wohnungsvermittlung kann sowohl für Mieter als auch für Vermieter zur Tortur werden. Hinzu kommt, dass in einigen Regionen ein großer Wohnungsmangel besteht, der die Suche nach einem neuen Zuhause für viele Menschen zusätzlich erschwert.

Um hier gegenzusteuern haben Raymond Naseem und Sebastian Melchert die Plattform Housy gegründet, die die Wohnungsvermittlung erleichtern soll. Dort können sich Mieter und Vermieter ähnlich wie bei Dating-Portalen registrieren und miteinander in Kontakt treten, wenn sie einander als „Match“ vorgeschlagen wurden. Wie das funktioniert und welche Vorteile diese Form der Wohnungssuche hat, erklären die beiden Gründer im Interview.

Die Wohnungssuche ist oft alles andere als leicht. Besonders in Großstädten wie Berlin oder München suchen Interessierte meist monatelang. Was macht die Suche nach einer passenden Bleibe Ihrer Meinung nach besonders schwierig?

Raymond Naseem und Sebastian Melchert: Schuld allein ist nicht nur die herrschende Wohnungsnot. Besonders die veralteten Prozesse in der Immobilienbranche erschweren die Suche sowohl für Mieter als auch Vermieter extrem. Trotz der Digitalisierung hat sich die Wohnungssuche in den vergangenen 150 Jahren kaum verändert. Anstatt in Zeitungen nach Inseraten zu blättern, scrollen Interessenten heute durch endlose digitale Listen bekannter Immobilienplattformen. So sind Massenwohnungsbesichtigungen, Maklerprovision, Bürokratie und Zeitaufwand immer noch fester Bestandteil der Wohnungsvermittlung. Das ist weder für Mieter noch Vermieter angenehm.

Kurz gefasst: Wie funktioniert die Wohnungsvermittlung über Housy?

Raymond Naseem und Sebastian Melchert: Anders als auf gängigen Immobilienplattformen geben Mieter und Vermieter bei Housy an, wonach sie suchen, beispielsweise nach einer 70 Quadratmeter-Wohnung in Berlin-Kreuzberg mit Balkon für 1.000 Euro. Anschließend gleicht ein selbst entwickelter Algorithmus die Kriterien miteinander ab. Gibt es ein Match mit einem passenden Vermieter, der eine solche Wohnung anbietet, können beide Parteien miteinander in Kontakt treten.

Was ist in Ihren Augen der größte Vorteil Ihres Systems?

Raymond Naseem und Sebastian Melchert: Der Vorteil von Housy ist ein deutlich effizienterer Prozess zur Wohnungsvermittlung als beim klassischen Anzeigengeschäft. Durch den Matching-Prozess ist der Mietinteressent automatisch in der engeren Auswahl und muss nicht mit hunderten anderen Bewerbern um eine Wohnung konkurrieren.

Auch der Vermieter spart Zeit und Geld. So fällt nicht nur die Maklerprovision weg, sondern der bekannte Vermittlungsprozess wird um drei Komponenten minimiert: Housy wertet die Bewerbungsbögen potenzieller Mieter aus, kontaktiert die Favoriten und übernimmt den Bonitätscheck.

Für Mietinteressenten ist Housy zudem komplett kostenlos. Vermieter zahlen eine geringe Gebühr. Auf überhöhte Kosten und Maklerprovisionen können die Anbieter bei uns verzichten, denn bei uns zahlen sie nur einen Bruchteil eines Maklers. Im Gegensatz zu klassischen Maklern verzichtet Housy auf eine teure Infrastruktur.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie?

Raymond Naseem und Sebastian Melchert: Genau wie jeder Marktplatz haben wir die Herausforderung des Henne-Ei-Prinzips. In unserem Fall bedeutet das, immer ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Suchenden und angebotenen Wohnungen zu halten. Das gelingt uns zwar, ist jedoch nicht immer einfach.

Wie viele Nutzer hat Housy derzeit?

Raymond Naseem und Sebastian Melchert: Auf Housy haben sich allein für die Region Berlin/Brandenburg bereits mehrere tausend Wohnungssuchende registriert und es werden täglich mehr. Dabei zeichnet sich vor allem ab, dass die Wohnungssuche mit Housy bis jetzt noch besonders von Frauen bevorzugt wird. So sind etwa 70 Prozent der Userinnen weiblich. Das liegt wohl daran, dass Frauen tendenziell vorausschauender nach Wohnungen suchen und sich die Angebote in Ruhe anschauen möchten. Männer suchen Wohnungen hingegen eher im Affekt und sehr spontan.

Hinzu kommt der Sicherheitsaspekt, der für weibliche Mietinteressenten eine entscheidende Rolle spielt. So werden die Vermieter bei Housy vor-verifiziert und die Nutzerin weiß im Vorfeld genau, mit wem sie sich zur Besichtigung trifft – im Gegensatz zu anderen Portalen, bei denen es eventuell ominöse Angebote gibt.

Wie wird sich der Wohnungsmarkt in Deutschland in Ihren Augen in den nächsten Jahren entwickeln? Welche Rolle spielen beispielsweise Wohntrends wie Tiny Houses oder Shared Living?

Raymond Naseem und Sebastian Melchert: Wir glauben, dass die Digitalisierung grundsätzlich in der gesamten Wohnungswirtschaft noch in den Kinderschuhen steckt. Daher gibt es in allen Bereichen – gerade auch für neue Wohnkonzepte – große Potentiale. Shared Living und Mehrgenerationen-WGs klingen für viele sicherlich noch fremd. Aber auch hier muss man sich nur die aktuellen Herausforderungen der Pflegewirtschaft und die Entwicklung hin zu kleineren Familien ansehen, um zu erkennen, dass diese Konzepte viele Vorteile und Lösungsmöglichkeiten für zukünftige Herausforderungen mit sich bringen.

Die Digitalisierung wird hier besonders dazu beitragen, diese Konzepte auch für die sogenannten Generationen Y und Z, die mit dem Internet aufgewachsen sind, attraktiv zu machen. Die heranwachsenden neuen Kunden werden voraussetzen, dass Wohnungen in Zukunft in irgendeiner Form „smart“ ausgestattet sind. So wie heute viele Menschen Wert auf gut funktionierende Heizkörper anstelle von Kohleheizungen legen, wird es in der Zukunft schwer werden, Wohnungen zu vermieten, die nicht „smart“ sind.

Vielen Dank für das Interview, Herr Naseem und Herr Melchert.