Noch vor wenigen Jahren war das Konzept einer digitalen Vermögensverwaltung nur wenigen Menschen bekannt. Inzwischen sind die sogenannten Robo-Advisors jedoch immer weiter auf dem Vormarsch. Bei dieser Form der Geldanlage wird die ideale Anlagestrategie für Sparer mathematisch ermittelt – ohne langwierige Beratungsgespräche bei der Bank.
Obwohl es auch in Deutschland bereits mehr als 20 Anbieter gibt, ist die digitale Geldanlage hierzulande noch immer eine Art Nischenprodukt. Woran das liegt, weiß Jeanette Okwu vom Robo-Advisor LIQID. Im Interview mit finanzen.de erklärt sie, warum uns andere Länder bei der digitalen Vermögensverwaltung voraus sind und was Anleger dazu bewegt, in einen Robo-Advisor zu vertrauen.
Frau Okwu, wie viele Kunden haben Sie bisher und warum entscheiden sich diese für Ihre Form der Geldanlage?
Jeanette Okwu: Aktuell haben wir etwa 1.500 Kunden. Die meisten von ihnen haben nicht die Zeit, das Wissen oder das Interesse, sich selbst um die Anlage ihres Vermögens zu kümmern. Sie wissen aber, dass erfolgreiche Geldanlage Zeit und Sachverstand erfordert. Unsere Anlagestrategien werden von einem der renommiertesten Investment-Teams in Deutschland gesteuert. Bei LIQID steht die Expertise kostengünstig und digital umgesetzt auch Anlegern offen, die keine Millionenbeträge anlegen können. Das wissen unsere Kunden zu schätzen.
Welche Voraussetzungen sollten Anleger mitbringen, um ihr Geld bei Ihnen anzulegen?
Jeanette Okwu: Im Prinzip müssen sie nichts außer Zugang zu einem Computer oder einem Smartphone und zum Internet haben. Interessenten können jederzeit kostenlos und bequem von zuhause aus unseren wissenschaftlich fundierten Anlegertest durchführen und bei Interesse im Anschluss ein Depot eröffnen. Sie identifizieren sich dabei einfach per Post- oder Videoident. Der gesamte Anmeldeprozess dauert nur wenige Minuten.
Während Verbraucherschützer kürzlich einige Robo-Advisors auf dem Markt kritisiert haben, wurden Sie in einem Test als bester Anbieter gekürt. Wie heben Sie sich von anderen Robo-Advisors ab?
Jeanette Okwu: Die anderen Anbieter in Deutschland haben den klassischen Durchschnittsverdiener als Zielgruppe. Das hat auch durchaus seine Berechtigung. Wir aber fokussieren uns auf gut verdienende Privatanleger, die sich bei ihrer Hausbank nicht mehr gut aufgehoben fühlen, und auf vermögende Anleger, die mit ihrer Privatbank oder ihrem klassischen Vermögensverwalter nicht zufrieden sind.
Für dieses Kundensegment gab es bislang kein adäquates Angebot. Zudem sehen wir uns nicht als klassischen Robo-Advisor, da wir neben einer für Robo-Advisors typischen passiven auch eine aktive Anlagestrategie anbieten. Daher bezeichnen wir uns als digitalen Vermögensverwalter.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert derzeit schärfere Regelungen für Robo-Advisors. Demnach soll die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Algorithmen für die Geldanlage prüfen. Wie stehen Sie zu der Kritik, wonach es vielen Kunden offenbar schwerfällt, die Qualität der Vermögensanlage zu beurteilen?
Jeanette Okwu: Diese Kritik ist teilweise gerechtfertigt. Es ist auch in unserem Interesse, wenn der gesamten Branche genauer auf den Zahn gefühlt wird, weil sich dann die Spreu besser vom Weizen trennt. Dazu zähle ich aber auch traditionelle Anbieter wie Banken, die gerade im Rahmen der Anlageberatung häufig schlechtere Portfolios konstruieren als die nun teilweise zu recht kritisierten digitalen Anbieter. Für uns gilt: Eines unserer wichtigsten Anliegen ist die Transparenz gegenüber dem Kunden. Er erfährt bei uns genau, was er bekommt und wieviel er bezahlt.
Im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA sind Robo-Advisors in Deutschland noch ein Nischenprodukt. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Jeanette Okwu: In den USA sind digitale Vermögensverwaltungen schon viel länger auf dem Markt. Sie sind dort also schon etabliert. Aber sicherlich spielt auch die in Deutschland verbreitete Skepsis vor Anlagen am Kapitalmarkt eine Rolle. Aktien und Anleihen sind vielen deutschen Anlegern nach wie vor suspekt. Das ist schade, weil diese beiden Anlageklassen auf lange Sicht deutlich höhere Erträge abwerfen als die von den meisten Bundesbürgern favorisierten Anlageformen Festgeld, Tagesgeld und Sparbuch.
Kann das Prinzip des Robo-Advisors den persönlichen Kontakt mit einem Finanzberater langfristig komplett ersetzen?
Jeanette Okwu: Viele Kunden wünschen explizit keinen persönlichen Kontakt, andere dagegen schon. Deswegen haben wir uns als digitaler Vermögensverwalter in Deutschland für ein hybrides Geschäftsmodell entschieden. Das heißt, wir richten uns ganz nach den Wünschen unserer Kunden. Wer möchte, kann jederzeit mit einem unserer Experten per Telefon, E-Mail oder Chat in Kontakt treten, wenn er beispielsweise Fragen zu unseren Anlagestrategien oder zur technischen Abwicklung hat.
Vielen Dank für das Interview, Frau Okwu.


