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Versorgungslücke für Bald-Rentner: Experten fordern Rentenanpassungen

Das Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge reicht bei rund der Hälfte der Bald-Rentner nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Daher müssen viele von ihnen mit einer Versorgungslücke von im Schnitt 700 Euro rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. Experten fordern aus diesem Grund Anpassungen am Rentensystem.
Neue Studie: Mehr als jedem 2. Bald-Rentner droht Versorgungslücke
Bald-Rentnern droht eine Versorgungslücke von bis zu 700 Euro
  • Vielen Erwerbstätigen im Alter von aktuell 55 bis 64 Jahren droht eine enorme Versorgungslücke, wenn sie jetzt in Rente gehen würden.
     
  • Etwa jedem zweiten Bald-Rentner könnten monatlich bis zu 700 Euro fehlen, zeigt eine neue Studie.
     
  • In den Augen vieler Experten sind daher Anpassungen am Rentensystem, vor allem aber bei der gesetzlichen Rente gefragt.

Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) müssen wohl über 50 Prozent der derzeit 55- bis 64-Jährigen im Rentenalter eine Versorgungslücke von mehreren Hundert Euro hinnehmen. Für ihre Studie haben die Experten des DIW Daten des Sozio-oekonomischen Panels von 2012 zu Rentenanwartschaften, Vermögen und Konsum der Geburtenjahrgänge 1948 bis 1957 ausgewertet. Demnach droht einem Großteil der Menschen aus diesen Jahrgängen eine finanzielle Lücke von durchschnittlich 700 Euro im Monat, wenn sie jetzt in Rente gehen würden.

Zusätzliche Absicherungen wie eine betriebliche oder private Altersvorsorge können das Defizit zwar abmildern, jedoch nicht auffangen, so die Untersuchung. Selbst die eigenen Ersparnisse reichen bei vielen Menschen nicht aus, ihre Ausgaben zu decken. „Gut die Hälfte der Personen aus diesen Jahrgängen müsste im Ruhestand ihren privaten Konsum einschränken, da ihre Rentenanwartschaften nicht ausreichen würden, den aktuellen Konsum zu finanzieren“, betont Studienautor Markus M. Grabka.

69 Prozent der Bald-Rentner können Ausgaben nicht decken

Rund elf Millionen Rentner bekamen 2016 weniger als 1.000 Euro Rente im Monat. Mehr als acht Millionen Personen mussten sogar mit nicht einmal 800 Euro auskommen, wie Zahlen des Bundesarbeitsministeriums kürzlich gezeigt haben. Doch nicht nur derzeitige Rentner sind von Altersarmut bedroht. Vielmehr könnte dieses Schicksal auch auf viele Bald-Rentner zukommen.

Besonders hart dürfte es der aktuellen Studie des DIW zufolge Erwerbstätige treffen, die sich nur auf die gesetzliche Rente verlassen. Bei mehr als zwei Drittel von ihnen wird das Altersgeld voraussichtlich nicht ausreichen, um ihre Kosten zu decken. Selbst mit der Unterstützung einer betrieblichen Altersvorsorge übersteigt bei der Hälfte der Bald-Rentner der Pro-Kopf-Konsum ihre Rentenzahlungen.

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Sinkendes Rentenniveau: Frühzeitige Vorsorge wichtig

Der Anteil von Rentnern, die mit einer finanziellen Lücke rechnen müssen, reduziert sich auf weniger als die Hälfte, wenn Erwerbstätige neben ihren Rentenbeiträgen noch in eine private Vorsorge eingezahlt haben. Die beste Chance, ihren Lebensstandard auch im Rentenalter halten zu können, haben Arbeitnehmer allerdings, wenn zusätzliches Kapital vorliegt. Doch selbst dies ist häufig nach einer gewissen Zeit aufgebraucht.

Umso wichtiger ist es, sich dies frühzeitig bewusst zu machen und sich darauf vorzubereiten. Denn das gesetzliche Rentenniveau ist inzwischen geringer als vor einigen Jahren und wird voraussichtlich langfristig weiter sinken. Viele Erwerbstätige erhalten daher im Schnitt weniger Geld aus der Rentenkasse. Um die Folgen abzufedern, ist ratsam, sich zu unterschiedlichen Formen der Altersvorsorge zu informieren und beraten zu lassen.

Nachbesserungen bei der Rente: Mehr Unterstützung für Geringverdiener gefordert

Damit sich die finanziell angespannte Situation für Bald-Rentner entspannt, fordern die Experten des DIW eine umfassende Reform des Rentensystems. Dazu gehört in den Augen der Forscher vor allem eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. So könnte beispielsweise das sogenannte Äquivalenzprinzip aufgeweicht werden, welches regelt, dass die Höhe der Rentenleistungen an die Summe der eingezahlten Beiträge geknüpft ist. Damit könnten Geringverdiener mehr Geld aus der Rentenkasse bekommen, „während die Beitragsbemessungsgrenze für die oberen Einkommensgruppen aufgehoben werden sollte“, fordert Studienautor Grabka.

Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft macht sich für eine stärkere Unterstützung von Geringverdienern stark. Dagegen setzen sich der Deutsche Gewerkschaftsbund sowie der Sozialverband VdK für eine generelle Erhöhung des Rentenniveaus ein. Dieses soll mit dem neuen Rentenpaket der Großen Koalition bis 2025 stabil bei mindestens 48 Prozent gehalten werden.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur Altersvorsorge.