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Verkehr und Verkehrswende sind die drängendsten Probleme für Köln

Viele Menschen würden lieber ihr Auto stehenlassen und mit Rad, Bus und Bahn zur Arbeit fahren. Doch oftmals sind sie darauf angewiesen, da die Infrastruktur auf den Pkw ausgerichtet ist. In Köln führt das unter den Bürgern zu Unverständnis. Die Verkehrswende ist für sie daher eines der wichtigsten Probleme der Stadt, so Arndt Klocke, Fraktionsvorsitzender der Grünen in NRW.
Grüne sind Triebkraft für nachhaltige, umfassende Verkehrswende
Fraktionsvorsitzender der NRW Grünen-Fraktion Arndt Klocke

Staus, zu volle Bahnen, zu wenig Sicherheit auf dem Rad: Viele Kölner „sind durch den Verkehr gestresst und mit der Ineffizienz und den Verspätungen unzufrieden“, weiß der verkehrspolitische Sprecher der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Arndt Klocke. Trotz der Probleme verzichten viele Menschen in seinem Wahlkreis auf ein eigenes Auto, obwohl ihrer Wahrnehmung nach „viel zu wenig für den Radverkehr und den öffentliche Nahverkehr getan wird“, so der Fraktionsvorsitzende.

Was die Menschen vor Ort bei der Verkehrswende am meisten beschäftigt und welche Ziele Klocke hier mit seiner Partei bis zur nächsten Landtagswahl erreichen will, erklärt er im Interview mit finanzen.de

Welche aktuellen Themen beschäftigen Sie in Ihrem Wahlkreis Köln (Ehrenfeld-Nippes) bei der Verkehrspolitik am meisten?

Arndt Klocke: Viele Menschen im Bezirk haben kein Auto und setzen in Sachen Mobilität voll aufs Rad und auf den ÖPNV, mit steigender Tendenz. Ehrenfeld hat schon heute mehr Fahrrad- als Autoverkehr. Trotzdem haben die Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen noch immer nicht genügend Platz, um sich gut und sicher von A nach B zu bewegen.

Hier benötigen wir dringend eine andere Aufteilung des Verkehrsraums. Konkret heißt das zum Beispiel die Umwidmung von einer Autospur zu einem Fahrradweg oder auch die Umwandlung von Parkplätzen für breite Gehwege und mehr Lebensqualität, zum Beispiel durch Straßencafés. Der Umbau der Venloer Straße ist ein Beleg, dass Straßenführungen an die sich wandelnden Ansprüche angepasst werden können.

Weitere große Themen sind natürlich der Abgasskandal und die schlechte Luftqualität, aber auch, dass durch Falschparken der Platz für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen eingeschränkt und unsicherer wird. Durch die Zunahme des Online-Handel und damit des Lieferverkehr kommt es zunehmend zu Situationen, die nicht selten den Verkehrsfluss und die Verkehrssicherheit gefährden. Hier braucht es mehr Ladezonen, vor allem an der Neusser, Venloer und Subbelrather Straße, auch um die Arbeit der Lieferant*innen stressfreier zu gestalten.

Auf Bundesebene gewinnt das Thema E-Mobilität zunehmend an Bedeutung. Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, diese deutlich voranzubringen. Was würde sich für Köln verändern, wenn die E-Mobilität dort stärker gefördert wird?  

Arndt Klocke: Wir Grüne sehen die E-Mobilität als wichtigen Baustein einer nachhaltigen Verkehrswende, aber nicht als Allheilmittel, wie es uns die Große Koalition in Berlin gerne verkauft.

Für die Stadt Köln ist eine Stärkung der Elektromobilität wichtig. Sie ist ein gutes Instrument, um die Luftverschmutzung zu reduzieren. Klar ist jedoch, dass es neben der Elektrifizierung der Kraftfahrzeuge eine Verkehrswende geben muss. Elektromobilität löst zwar weitgehend die Probleme mit Lärm und Abgasen. Aber Elektrofahrzeuge brauchen genauso viel Verkehrsraum wie andere Autos und stehen nach wie vor im Stau.

Wichtig ist deshalb, die Zahl der Autos in der Stadt insgesamt zu reduzieren, ohne dass darunter die Mobilität der Menschen leidet. Hier sind multimodale Ansätze notwendig, die den Besitz eines eigenen Autos überflüssig machen und die Menschen trotzdem schnell, bequem und sicher von A nach B bringen. Im Wesentlichen gehören dazu der Ausbau des Öffentlichen Nah- und Schienenverkehrs sowie eine angemessene Fahrradinfrastruktur, aber auch, die Digitalisierung stärker zu nutzen und Sharing-Angebote zu fördern.

Welches sind in Ihren Augen die drei nächsten Schritte, um die Elektromobilität in Köln, aber auch auf Bundesebene voranzubringen?

Arndt Klocke: Erstens muss eine entsprechende Ladeinfrastruktur dafür aufgebaut werden. Dies geschieht sukzessive und wird in den nächsten Jahren zu einer deutlichen Erhöhung der Elektrofahrzeuge führen. In meinem Wahlkreis in Köln Nippes wurde zum Beispiel die Neusser Straße als Klimastraße mit Ladepunkten an Laternenmasten aufgewertet und bietet nun eine gute Infrastruktur.

Zum zweiten müssen Elektroautos für Bürger*innen erschwinglich sein und adäquate Reichweiten bieten. Die dritte entscheidende Maßnahme ist, die Privilegien für die fossilen Kraftstoffe wie die Dieselsubventionen zugunsten der Marktfähigkeit alternativer Antriebe abzubauen.

Außerdem wünsche ich mir, dass Bund, Länder und Kommunen mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Fuhrpark auf E-Mobilität umstellen. In Köln wurde bereits mit der Elektrifizierung der kompletten Busflotte begonnen – ein guter Schritt. Auch Firmen wie DHL geben mit der Umstellung auf den StreetScooter die Richtung vor. Hier werden in den nächsten Jahren sicherlich noch viele weitere Unternehmen folgen.

Die nächste Landtagswahl findet in Nordrhein-Westfalen voraussichtlich 2022 statt. Welche sind die drei wichtigsten Ziele, die Sie bis dahin für Köln im Verkehrsbereich und beim Klimaschutz erreichen wollen?

Arndt Klocke: Wir Grüne sind politisch die Triebkraft, um eine nachhaltige und umfassende Verkehrswende umzusetzen. Dazu unterstützen wir unter anderem die Volksinitiative „Aufbruch Fahrrad“ mit dem Ziel, ein Fahrradgesetz auf Landesebene festzuschreiben.

Darüber hinaus setzen wir uns für saubere Luft in nordrhein-westfälischen Städten ein. Dazu machen wir Druck auf die schwarz-gelbe Landesregierung und die Bundesregierung, die die Interessen der Autokonzerne über die Gesundheit der Menschen stellt. Als Grüne Landtagsfraktion fordern wir seit Beginn der Dieseldebatte eine Nachrüstung veralteter Dieselfahrzeuge auf Kosten der Autoindustrie.

Was meinen Sie: Werden die Bürgerinnen und Bürger in 15 Jahren noch in einem Auto mit Diesel- oder Benzinantrieb sitzen oder wird eine andere Antriebstechnik das Maß aller Dinge sein?  

Arndt Klocke: Eine auf fossilen Ressourcen basierende Antriebstechnik hat absehbar keine Zukunft mehr. Insofern ist es Aufgabe der Politik, den Wandel im Verkehr zu begleiten und eine zukunftsfähige Mobilität sicherzustellen. Wie lange Diesel- oder Benzinantriebe dabei noch eine Rolle spielen, hängt vom gesellschaftlichen und politischen Willen ab. Auch gehört dazu, inwieweit technische Neuerungen von den Bürger*innen angenommen werden.

Wichtig ist, den Weg in die Zukunft der Mobilität nicht durch eine an den Interessen der Automobilindustrie und überkommenen Antriebstechniken ausgerichtete Verkehrspolitik zu verbauen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Klocke.