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Digitale Technik für neue Wege beim Einbruchschutz nutzen

Kriminelle versuchen im Schnitt 323 Mal am Tag in Wohnungen und Häuser einzusteigen. Zuletzt sind sie jedoch immer öfter gescheitert, was unter anderem an der verbesserten Sicherheitstechnik liegt. Allerdings gibt es bei den Systemen noch Verbesserungspotenzial, weiß der Sicherheitsexperte Klaus Gehrmann. Er hat daher ein Startup gegründet, das neue Wege bei Sicherheitsanlagen geht.
Digitale Helfer: Vorbeugung ist bester Schutz vor Einbrechern
Klaus Gehrmann ist Gründer von Alarmtab

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in Deutschland laut der Kriminalstatistik 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf 116.540 gesunken. Gleichzeitig registrierte die Polizei mehr Einbruchsversuche. Allerdings blieben diese in fast jedem zweiten Fall erfolglos, was unter anderem auf einen besseren Einbruchschutz zurückgeführt wird.

Hierbei spielt die Prävention eine wichtige Rolle, so Klaus Gehrmann. Der Experte ist seit Jahrzehnten in der Sicherheitstechnik tätig und hat im vergangenen Jahr eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne für eine neuartige Alarmanlage durchgeführt. Was das Besondere an der digitalen Sicherheitsanlage ist, erzählt Gehrmann im Interview mit finanzen.de

Herr Gehrmann, Sie sind 2018 den Weg über eine Crowdfunding-Kampagne gegangen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Klaus Gehrmann: Als Start-up-Unternehmen steht man immer vor der Aufgabe der Finanzierung. Institutionelle Kapitalgeber sind anfangs, speziell in Deutschland, recht zurückhaltend und steigen meist erst ein, wenn sichtbare Erfolge zu verzeichnen sind. Hier bietet das Crowdfunding eine gute Alternative, neue Ideen und Produkte in einem frühen Stadium der Entwicklung zu finanzieren.

Nachdem wir die Seed Phase hinter uns gelassen haben, sind wir aktuell auf der Suche nach einer Venture Capital Firma oder Kooperationsunternehmen, die Interesse daran haben, mit uns die neuen Technologien weltweit zu expandieren.

Digitale Alarmanlagen gibt es einige am Markt. Was ist das Besondere an Ihrem System Alarmtab?

Klaus Gehrmann: Die heutigen, traditionellen Einbruchmeldeanlagen sind analoge Systeme, wie sie seit vielen Jahrzehnten angeboten werden. In den letzten drei bis vier Jahren wurden diese Systeme lediglich durch App-Steuerungen und fernschaltbare Schalter unter dem Stichwort Smarthome aufgerüstet.

Alarmtab ist die erste vollständig digital arbeitende Sicherheitsanlage auf dem Markt. Durch die Digitalisierung ergeben sich völlig neue Anwendungsmöglichkeiten und Funktionen, die mit herkömmlichen Alarmanlagen nicht machbar sind.

Als kleines Beispiel möchte ich die automatische Erkennung der Anwesenheit der Bewohner nennen. Verlässt der letzte Bewohner das Haus, schaltet die Anlage automatisch scharf. Kommt der erste Bewohner heim, schaltet sie automatisch unscharf. Dies wird durch eine Verknüpfung von Alarmtab mit den Smartphones der Bewohner ermöglicht. Dafür werden die ohnehin vorhandenen GPS Positionsdaten des Smartphone ausgewertet. Solche intelligenten Funktionen erleichtern den Alltag und erhöhen die Sicherheit, weil das manuelle Scharf- und Unscharfschalten nicht mehr vergessen werden kann.

Sie haben Alarmtab selbst entwickelt. Gibt es eine Funktion, auf die Sie besonders stolz sind?

Klaus Gehrmann: Besonders stolz sind wir auf die Entwicklung der neuen Funktechnologie Bluetosec, die es ermöglicht, dass die Kommunikation zwischen Sensoren und Schaltern direkt untereinander oder direkt mit Smartphone und Tablet erfolgen kann.

Die Zwischenschaltung von Zentralen, wie es heute noch bei allen Alarmanlagen und Smarthome Geräten erforderlich ist, entfällt. Dadurch werden die Systeme preiswerter, überall einsetzbar (auch an Orten ohne DSL und WLAN) und zudem leistungsfähiger.

Seit über 30 Jahren sind Sie in der Sicherheitstechnik tätig. Wie hat sich Nachfrage nach Videoüberwachung in dieser Zeit entwickelt?

Klaus Gehrmann: Die Videoüberwachung ist heute nicht mehr aus dem Markt wegzudenken, jedoch haben sich andere Märkte wie zum Beispiel Großbritannien erheblich umsatzstärker im Videobereich entwickelt. Vom Marktvolumen ist der Videobereich stärker als der Bereich der Alarmanlagen und erzeugt auch mehr Innovationen. Dadurch, dass in der Alarmtab-Zentrale die Videokamera bereits integriert ist, verbinden wir nun beide Marktsegmente miteinander.

Sie haben auch Kunden in anderen Ländern. Gibt es Unterschiede, was sich deutsche und ausländische Kunden bei ihren Sicherheitssystemen wünschen?

Klaus Gehrmann: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Mentalität in Deutschland recht konservativ ist. Es braucht Zeit, bis sich Neuerungen etabliert haben. Kunden in anderen Ländern sind offener für neue technologische Entwicklungen.

Andererseits sind Kunden in Deutschland sehr anspruchsvoll und wünschen ein perfektes Produkt. Das half uns sehr, unsere Produkte zu perfektionieren. Ein Unternehmen, das in Deutschland erfolgreich verkaufen kann, ist auch fit für den Export seiner Produkte.

Alarmtab schützt Kunden bei einem Einbruch. Im besten Fall sollten Kriminelle jedoch erst gar nicht das eigene Haus betreten. Was ist Ihr wichtigster Tipp, mit dem Hausbesitzer Einbrecher fernhalten können?

Klaus Gehrmann: Der beste Einbruchschutz ist die Vorbeugung. Zunächst beobachten die Täter ein Objekt. Erscheint es unbewohnt, wird oftmals als nächster Schritt an der Haustüre Sturm geklingelt. Öffnet niemand, starten die Täter den Einbruch. Eine Alarmanlage kann den Einbruch melden, aber nicht verhindern. Deshalb kommt der Prävention nach unserer Überzeugung eine hohe Bedeutung zu.

Eine wirkungsvolle Abschreckung ist zum Beispiel die Tür-Video-Gegensprechanlage von Alarmtab, die eine Sprech-Verbindung zwischen Besucher und dem Smartphone des Bewohners herstellt, egal wo sich dieser befindet. So kann der Täter nicht erkennen, wo sich der Bewohner befindet, und lässt meist vom Vorhaben ab. Vorsorglich werden noch Beweisfotos des Besuchers gesichert.

Vielen Dank für das Interview, Herr Gehrmann.