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Mehrheit der Deutschen verlässt sich noch zu sehr auf Pflegekasse

Am Donnerstag beginnt in Berlin der Deutsche Pflegetag 2019, auf dem Pflegeexperten über die Zukunft der Pflege sprechen werden. Dass die Betreuung pflegebedürftiger Menschen immer mehr Geld erfordern wird, ist dabei allen Teilnehmern des Kongresses klar. Anders sieht es jedoch in der Bevölkerung aus. Hier unterschätzt die Mehrheit die persönlichen Pflegekosten immens.
Deutsche unterschätzen Pflegekosten um 1.800 Euro pro Monat
Zwei Drittel der Deutschen unterschätzen Pflegekosten
  • Über 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürgern vertrauen zu sehr auf die gesetzliche Pflegeversicherung und riskieren somit Armut im Pflegefall.
     
  • Im Schnitt müssen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen 1.800 Euro im Monat für ein Pflegeheim zahlen.
     
  • Dabei führen vor allem Geldmangel und Unwissenheit zu einer unzureichenden privaten Pflegevorsorge.

Die gesetzliche Pflegeversicherung hat in den letzten Jahren einen Wandel durchgemacht. Die Einführung der Pflegegrade und eine Pflegekräfte-Offensive sind nur zwei Maßnahmen, die umgesetzt wurden. Die Anpassungen gibt es jedoch nicht zum Nulltarif. So stieg zuletzt nicht nur der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Durch die bessere Bezahlung von Pflegekräften erhöhten sich auch die Kosten für die stationäre und ambulante Pflege.

Doch obwohl die Finanzierung der Pflegeleistungen immer stärker diskutiert wird, ist vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht klar, dass sie bei der Pflege nicht vollständig über die gesetzliche Pflegeversicherung abgesichert sind. Über 40 Prozent gehen davon aus, dass die Pflegeheimkosten komplett übernommen werden. Dies zeigt die aktuelle Umfrage „Pflege im Alter 2019“ im Auftrag der Postbank.

Gesetzliche Pflegekasse zahlt nicht für Unterkunft und Verpflegung im Heim

Pflegebedürftigen Menschen, die stationär versorgt werden, zahlt die Pflegekasse je nach Pflegegrad bis zu 2.005 Euro im Monat für die Pflegekosten. Da die tatsächlichen Ausgaben in der Regel höher sind, müssen Pflegebedürftige und deren Angehörige den Rest selbst übernehmen. Jedes Pflegeheim erhebt dazu einen Eigenanteil, der über alle Pflegegrade gleich hoch ist. Im Schnitt liegt dieser bundesweit bei 618 Euro monatlich.

Mit diesem Eigenanteil sind allerdings lediglich die Pflegekosten abgedeckt. Hinzu kommen unter anderem die Kosten für die Unterkunft und Verpflegung. Laut dem PKV-Verband müssen Pflegebedürftige so im Schnitt jeden Monat mehr als 1.800 Euro selbst bezahlen. Je nach Bundesland variieren dabei die durchschnittlichen Kosten: In Sachsen sind es beispielsweise rund 1.200 Euro, in Nordrhein-Westfalen über 2.300 Euro.

Tipp: Eine private Pflegeversicherung reduziert die finanzielle Belastung bei Pflegebedürftigkeit erheblich. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen können so weiterhin selbst entscheiden, wie sie ihre Rente oder ihr Einkommen ausgeben. Je eher sich Interessierte um die private Pflegevorsorge kümmern, desto günstiger ist diese.

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Deutsche erwarten zu viel von der Pflegekasse

Angesichts dieser Zahlen offenbart die Postbank-Umfrage „unrealistische Erwartungen an die Leistungen der gesetzlichen Pflegekasse“. Während über 40 Prozent meinen, die Pflegeversicherung komme für den Platz im Pflegeheim vollständig auf, geht jeder Fünfte von einem Eigenanteil unter 1.000 Euro monatlich aus. Mit ihrer Einschätzung liegen sie jedoch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Selbst Personen im Rentenalter sind sich der Umfrage zufolge nicht der finanziellen Belastung bewusst, die sie bei Pflegebedürftigkeit erwartet.

SPD und Länder setzen sich für Neuordnung der Pflegeversicherung ein

Aufgrund der steigenden Anzahl an Pflegebedürftigen ist davon auszugehen, dass die Kosten sowohl für die stationäre Pflege und damit für Betroffene als auch für den Staat steigen werden. Die SPD fordert daher aktuell einen Steuerzuschuss für die gesetzliche Pflegeversicherung. „Die Eigenanteile der Pflegebedürftigen müssen kalkulierbar und verlässlich sein. Deshalb ist es richtig, sie zu begrenzen“, sagt SPD-Generalsekretär Lars Klingenbeil der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Dieses Ziel verfolgt auch eine Initiative der Bundesländer Berlin, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Mit einem Entschließungsantrag fordern sie am Freitag im Bundesrat eine „grundlegende Neuordnung der Pflegeversicherung“. So soll unter anderem der Eigenanteil auf den bundesdurchschnittlichen Schnitt von monatlich 618 Euro gedeckelt werden und der Bund einen dynamischen Zuschuss zahlen.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur privaten Pflegeversicherung.