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Was müssen Betroffene über Sturmschäden wissen?

Die Verwüstungen durch „Eberhard“ und „Franz“ konnten viele Betroffene noch nicht einmal ansatzweise beheben, da steht mit „Gebhard“ schon das nächste Sturmtief vor der Tür. Dass mit diesen Naturgewalten nicht zu spaßen ist, zeigen die Statistiken der Versicherer. Denn die Kosten für Sturmschäden gehen Jahr für Jahr in die Milliarden.
Was müssen Betroffene über Sturmschäden wissen?
Stürme richten oft verheerende und kostspielige Schäden an.

Werden die eigenen vier Wände von einem Sturm beschädigt, ist der Schock oft groß. Abgedeckte Dächer, zerbrochene Fenster oder ein unter Wasser stehendes Wohnzimmer sind ein echtes Schreckensszenario. Doch wie können Wohnung beziehungsweise Haus wetterfest gemacht werden? Und in welchen Fällen springt welche Versicherung ein? Wir geben hier die Antworten auf die Fragen unserer Leser.  

In welchen Fällen zahlt die Versicherung bei einem Sturmschaden?

Bei einem Sturmschaden gibt es mehrere Möglichkeiten, welche Versicherung einspringt. Ausschlaggebend ist, was beschädigt wurde. Gerät die Fassade oder das Dach in Mitleidenschaft, reguliert eine Wohngebäudeversicherung die Kosten. Kommen Gegenstände innerhalb der eigenen vier Wände durch den Sturm zu Schaden, zahlt die Hausratversicherung. Die Kaskoversicherung der Kfz-Versicherung springt ein, wenn das Auto des Betroffenen etwa durch herunterfallende Äste beschädigt wird. 

Jedoch gelten einige Voraussetzungen, damit die Versicherung bei einem Sturmschaden auch tatsächlich die Kosten erstattet. So haften die Versicherer erst ab Windstärke 8, also ab einer Windgeschwindigkeit von 62 km/h. Schäden, die durch eigenes Verschulden entstehen, werden in der Regel nicht erstattet. Dazu zählt beispielsweise, wenn der Betroffene während eines Sturm die Fenster offen ließ und der Hausrat dadurch beschädigt wurde. 

In der Wohngebäudeversicherung sind außerdem Schäden am im Bau befindlicher Gebäude nicht versichert. Hierfür wird eine Bauleistungsversicherung benötigt. 

Wie groß waren die Sturmschäden im Jahr 2019 bisher?

Am vergangenen Wochenende fegte Sturmtief „Eberhard“ über Deutschland hinweg und richtete beträchtliche Schäden an. Die Versicherer schätzen die Kosten auf 700 bis 800 Millionen Euro. Das sind jedoch nur die Sturmschäden, die tatsächlich der Versicherung gemeldet wurden. Was die Betroffenen aus eigener Tasche leisten, ist nicht im Betrag enthalten.

Bei den aktuellen Verwüstungen wird es nicht bleiben. Nach „Eberhard“ wehte mit „Franz“ schon das nächste Sturmtief durchs Land. Tief „Gebhard“ steht zudem in den Startlöchern. Dass die Sturmschäden am Ende in die Milliarden gehen, ist somit sehr wahrscheinlich. Letztes Jahr haben die Versicherer insgesamt 2,2 Milliarden Euro für Sturmschäden erstatten müssen. Fast die Hälfte davon ging auf den Sturm „Friederike“, der im Januar 2018 wütete. 

Wie melden Betroffene einen Sturmschaden bei ihrer Versicherung?

Auch wenn es in der Aufregung oft schwer ist, sollten Betroffene kühlen Kopf bewahren und den Sturmschaden schnellstmöglich der Versicherung melden. Viele Versicherer setzen hier eine Frist von drei Tagen. Die Schäden sind wahrheitsgemäß und so ausführlich wie möglich per Foto zu dokumentieren, bevor die Aufräumarbeiten beginnen. 

Während Maßnahmen zur Schadensbegrenzung von der Versicherung vorausgesetzt werden, ist von eigenhändigen und unprofessionellen Reparaturversuchen in jedem Fall abzuraten. Im schlimmsten Fall riskieren Betroffene damit ihren Versicherungsschutz.  

Besonderheit für Mieter: Schäden an der Wohnung melden diese nicht der Versicherung, sondern dem Vermieter. Der wiederum gibt den Fall an seine Wohngebäudeversicherung weiter. 

Wie gehen Betroffene vor, wenn die Versicherung die Zahlung verweigert?

Versicherte müssen selbst aktiv werden, um den Sturmschaden von der Versicherung erstattet zu bekommen. Wichtig ist zuvor ein Blick in den Versicherungsvertrag. So wird sichergestellt, dass der entstandene Schaden auch wirklich mitversichert ist. 

In manchen Fällen verweigert die Versicherung die Zahlung, selbst wenn der Betroffene alle notwendigen Schritte unternommen hat. Dauert die Schadensregulierung unverhältnismäßig lange, sollte dem Versicherer eine Frist gesetzt werden. Bleibt die Zahlung danach weiter aus, können sich Versicherte an das Beschwerdemanagement oder den Ombudsmann wenn. Entscheidungen des Ombudsmannes sind jedoch nur bis zu einer Schadenshöhe von 10.000 Euro bindend. Da bei einem Sturmschaden oft größere Summen anfallen, ist der Gang zum Anwalt die sinnvollere Alternative. 

Wie können Eigentümer ihr Haus wetterfest machen?

Dach und Fassade der eigenen vier Wände sollten regelmäßig überprüft werden. Lockere Ziegel oder nicht richtig befestigte Antennen beziehungsweise Solaranlagen stellen bei einem Sturm ein großes Risiko dar. Das gilt ebenso für Risse in der Fassade oder lockere Fensterläden, Markisen und Regenrinnen. Bäume auf dem Grundstück brauchen ebenfalls mindestens einmal pro Jahr einen Check. Morsche Äste sollten entfernt und kranke Bäume gefällt werden. 

Da ein Sturm oft heftige Regenfälle mit sich bringt, bedürfen Regenrinnen, Fenster und Türen besonderer Aufmerksamkeit. Damit sich kein Wasserstau bildet, sollten Eigentümer die Rinnen regelmäßig von Laub befreien. Wichtig ist auch, dass sie die Dichtungen von Fenster und Türen stets in Schuss halten, um eindringendes Wasser zu verhindern. Unmittelbar vor einem Sturm empfiehlt es sich, Gartenmöbel und Fahrräder im Haus zu verstauen sowie potenzielle Geschosse wie Blumenkübel zu sichern. Auto- und Motorradfahrer sollten Ihre Fahrzeuge in der Garage oder an einem sicheren Ort parken.