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Babysitting-App: Vielen Eltern fehlten bisher Unterstützungsnetzwerke

Brauchen Eltern für ihr Kind eine Betreuung, verlassen sich viele von ihnen auf Freunde oder Familie. Doch nicht jeder hat diesen Rückhalt oder will ständig darauf zurückgreifen. Eine App hilft befreundeten Eltern neuerdings dabei, sich beim Babysitting gegenseitig kostenlos zu unterstützen.
Babysitten unter Freunden: „Vertrauen und Sicherheit sind das A und O“
Das Gründerteam von SitEinander

Die außerplanmäßig geschlossene Kita, ein Notfall bei der Arbeit oder einfach nur ein Kinoabend – Es gibt genügend Situationen, in denen Eltern jemanden brauchen, der für die Kinderbetreuung einspringt. Jedes Mal einen Babysitter zu bezahlen, geht jedoch ins Geld. Zudem kann sich dies nicht jeder Elternteil leisten.

Seit einiger Zeit erleichtert die App SitEinander die Suche nach einer Betreuung. Eltern bauen damit kostenlos ein Netzwerk auf, indem sie sich mit befreundeten Familien verbinden. Bereits 3.500 Personen nutzen die App und über 500 Nachbarschaftsgruppen wurden bisher gegründet, berichtet Anna-Lena Gerber von SitEinander. Zusammen mit ihren Schwestern Ulrike und Henrike hat sie das Unternehmen gegründet. Mit finanzen.de sprach sie über Herausforderungen in der Gründungsphase und die optimale Vorbereitung für die Kinderbetreuung.

In Deutschland gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Dennoch suchen viele Eltern vergebens nach einem Betreuungsplatz und müssen sich Alternativen einfallen lassen. Kam Ihnen daher die Idee, SitEinander zu gründen?

Anna-Lena Gerber: Durch die bundesweite Kitakrise ist uns nochmal klar geworden: SitEinander wird dringend gebraucht. Die Idee schlummerte aber schon viele Jahre in uns. Wir sind drei Schwestern und haben lange im Markt der privaten Kinderbetreuung gearbeitet: als Erzieherin, Kinderbetreuerin und im Management von internationalen Nanny-Agenturen.  Ulrike ist außerdem selbst zweifache Mutter.

Was war für Sie die schwierigste Phase im Gründungsprozess?

Anna-Lena Gerber: Die Anfangsphase ist natürlich die schwierigste: den ersten Schritt wagen, Risiken eingehen, viele neue Themen lernen wie Finanzierung, Recht, Marketing, Team-Management und Produktentwicklung, sich als Team finden und Verantwortungen festzulegen.

Welche Vorteile bietet SitEinander im Vergleich zu einer WhatsApp-Gruppe, mit der Eltern ebenfalls Betreuungspersonen für die eigenen Kinder finden können?

Anna-Lena Gerber: Es gibt drei Hauptvorteile:

  • Jeder erstellt sein eigenes persönliches Netzwerk aus Personen, denen man sein Kind anvertrauen würde, beispielsweise einer Nachbarin, Eltern aus der Schule oder Kita sowie Bekannten und Freunden. In WhatsApp-Gruppen hingegen finden sich oft auch Leute, die man selbst nicht ausgewählt hat. Und nicht in jeder WhatsApp-Gruppe befinden sich alle kinderbezogenen Kontakte.

    SitEinander erspart es Eltern, jede potenzielle Betreuungsperson einzeln zu kontaktieren oder sich durch endlose Gruppennachrichten zu kämpfen: Mit der App erreichen Nutzer mit einer Betreuungsanfrage das gesamte Netzwerk an von ihnen ausgewählten Personen.
     
  • Oft fällt es Eltern schwer, andere Menschen um Hilfe bei der Kinderbetreuung zu bitten. In dringenden Notfällen geht das vielleicht noch. Wenn es aber um individuelle Freiräume geht, sind schnell auch Stolz und Scham im Spiel. Mithilfe des einfachen Währungssystems über die Sitpunkte verhindert die App
    solche Schuldgefühle.

     
  • Wer noch über kein Netzwerk verfügt, kann neue Eltern aus der Umgebung kennenlernen. In den Nachbarschaftsgruppen der App können Eltern sich austauschen und verabreden.

Welche Voraussetzungen sollten erfüllt sein, damit die Betreuung bestens klappt?

Anna-Lena Gerber: Vertrauen und Sicherheit sind das A und O. Die Familien, die sich gegenseitig helfen, müssen sich vertrauen und mögen, damit eine Betreuung gut klappt.

Wir von SitEinander motivieren unsere Nutzer zu der Teilnahme an Erste-Hilfe-Kursen am Kind und geben Tipps zu Nachschlagewerken und Materialien, die man zu Hause haben sollte. Wenn es dann zum gegenseitigen Babysitting kommt, hat man ein viel besseres Bauchgefühl. Sowohl die betreuenden Eltern als auch diejenigen, die ihre Kinder in der Obhut der anderen lassen, empfinden mehr Sicherheit und Vertrauen, wenn der Sitter eine solide Ausbildung in Erster Hilfe hat.

Seit etwa einem Jahr gibt es Ihre App. Was ist das wichtigste Feedback, dass sie bisher erhalten haben?

Anna-Lena Gerber: Wir wussten von Anfang an, dass die erste App-Version noch nicht perfekt ist. Viele Funktionen sind noch nicht ganz intuitiv. Es hat uns umso mehr überrascht, wie viele Elterngruppen in der App gegründet wurden.

Wir hätten auch nicht gedacht, dass es so viele Eltern gibt, die noch über gar kein Unterstützungsnetzwerk verfügen und sich so gerne wünschen, andere Familien in der Nachbarschaft kennenzulernen.

Nun stehen wir kurz vor dem Relaunch der neuen Version, die sehr viel intuitiver und ansprechender vom Design ist. Außerdem können nun auch iPhone-User die App nutzen.

Vielen Dank für das Interview, Frau Gerber.