0800 300 3009

Kostenlose Service-Hotline

 
finanzen.de Top-Thema: Leser fragen, wir antworten

Steht die Impfpflicht kurz vor der Einführung?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schlägt Alarm. 2018 ist die Zahl der Masern-Erkrankungen weltweit um über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Dabei sei es mit entsprechendem Impfschutz nicht schwer, die Krankheit auszurotten. Das lässt die Debatte zur Einführung einer Impfpflicht in Deutschland neu aufflammen.
Steht die Impfpflicht kurz vor der Einführung?
Die Einführung einer Impfpflicht hat nicht nur Fürsprecher

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzt sich für verpflichtende Schutzimpfungen gegen Masern im Kindesalter ein. Mit dieser Forderung macht sich der Minister jedoch nicht nur Freunde. Uns haben unsere Leser gefragt, ob es in Deutschland bereits eine Impfpflicht gibt und welche Argumente gegen diese sprechen. Die Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier. 

Wie ist das Impfen in Deutschland bislang geregelt?

In Deutschland gibt es aktuell keine gesetzliche Impfpflicht. Erwachsene können für sich selbst und Eltern für ihre Kinder frei entscheiden, ob und welche Impfungen sie vornehmen lassen möchten. Dennoch gibt das Bundesministerium für Gesundheit mit der Ständigen Impfkommission (STIKO) Impfempfehlungen heraus. In diesen wird festgelegt, in welchem Alter welche Impfungen besonders ratsam sind. Gesetzlich Krankenversicherte haben einen Anspruch auf Kostenerstattung für diese empfohlenen Schutzimpfungen.

Einige empfohlene Impfungen nach Altersgruppe

Säuglinge, Kinder und Jugendliche  

  • Tetanus
  • Masern
  • Mumps
  • Röteln
  • Hepatitis B 

Erwachsene

  • Kinderlähmung
  • Diphterie
  • Keuchhusten 

Senioren ab 60 Jahren

  • Grippe
  • Pneumokokken
  • Gürtelrose

Sonderregelungen gibt es im Land Brandenburg, wo Impfungen gegen Masern Pflicht werden sollen, und für Bundeswehrsoldaten, die je nach Einsatzgebiet bestimmte Pflichtimpfungen benötigen.

Warum will Jens Spahn die Impfpflicht einführen?

Immer weniger Schulanfänger sind ausreichend geimpft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Statistik des Robert Koch-Instituts. So bekommen sieben Prozent aller Kinder nicht die notwendige zweite Schutzimpfung gegen Masern. Bei Krankheiten wie Diphterie, Kinderlähmung oder Hepatitis B sank die Zahl der Geimpften innerhalb der letzten drei Jahre um über zwei Prozentpunkte. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Schulanfänger, die bislang gar keinen Impfschutz erhalten haben.

Dies ist Gesundheitsminister Jens Spahn ein Dorn im Auge. Er spricht sich daher für eine verpflichtende Masernimpfung in Kindergärten und Schulen aus. Aufklärungskampagnen hätten bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht, so der CDU-Politiker. Ziel ist es, die Masern komplett auszurotten. Dafür müssten jedoch mindestens 95 Prozent der Bevölkerung zweimal gegen die Infektionskrankheit geimpft werden. Das erfüllen bislang nur Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Baden-Württemberg verfehlt das Ziel mit einer Impfquote von 89 Prozent am deutlichsten. 

Für wen und für welche Krankheiten soll die Impfpflicht künftig gelten?

Bislang beschränken sich die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Impfpflicht gegen Masern an Kitas und Grundschulen. Auch Brandenburg, das sich als erstes Bundesland für eine Impfpflicht aussprach, fordert diese lediglich für Kinder, die in eine Kita gehen. 

Der Ärztekammer gehen diese Maßnahmen jedoch nicht weit genug. Ärztekammerpräsident Ulrich Montgomery schlägt eine umfassende Impfpflicht gegen zahlreiche Krankheiten und härtere Strafen gegen Verweigerer vor. „Impfungen, die die Ständige Impfkommission heute für Kinder empfiehlt, sollten verpflichtend sein“, so der Ärztepräsident. Dazu zählen unter anderem auch Röteln und Windpocken. Nicht geimpfte Kinder sollten vom Besuch von Kindertagesstätten und Schulen ausgeschlossen werden, regt Montgomery an. 

Warum gibt es Widerstände gegen eine Impfpflicht?

Die rückläufigen Impfquoten zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung die Impfpflicht ablehnt. Beanstandet wird von den Gegnern unter anderem die hohe Zahl der Impfungen. Die STIKO empfiehlt in den ersten 14 Lebensmonaten fast 30 Grundimpfungen. Dies sei nichts als Geldmacherei der Pharmaunternehmen, die ihre Wirkstoffe verkaufen wollen, heißt es aus den Reihen der Kritiker. 

Zudem haben die Eltern Angst, die kleinen Körper ihrer Kinder durch die hohe Zahl der Injektionen zu überfordern und fürchten Nebenwirkungen. Sie sehen in der Impfpflicht einen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper. Hier entschied allerdings das Bundesverwaltungsgericht bereits 1959, dass eine Impfpflicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist. 

In welchen Ländern ist Impfen bereits Pflicht?

Die Impfpflicht ist im Ausland sehr unterschiedlich geregelt. In den meisten Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas wird von Touristen vor der Einreise eine Gelbfieberimpfung verlangt. Diese muss durch eine Bescheinigung nachgewiesen werden.

In Finnland, Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Österreich, Schweden und der Schweiz gibt es aktuell keine Impfpflicht. Anders in Griechenland, Kroatien, Lettland, Malta, Polen, der Slowakei und Slowenien, wo es gesetzliche Vorschriften zum Impfschutz gibt. In den übrigen europäischen Staaten beschränkt sich die Impfpflicht auf einige ausgewählte Krankheiten. So müssen die Menschen in Belgien gegen Kinderlähmung geimpft sein, in Frankreich unter anderem gegen Keuchhusten, Masern und Mumps.