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Wer bekommt das neue Wohngeld ab 2020?

Die Mieten in Deutschland steigen und steigen. Die Einkommen können da nicht immer mithalten. Personen mit geringen Einkommen werden daher über das Wohngeld unterstützt. Das Bundeskabinett plant, dieses 2020 abzuheben. Hunderttausende Haushalte sollen davon profitieren. Doch der entsprechende Gesetzentwurf stößt auch auf Kritik.
Wer bekommt das neue Wohngeld ab 2020?
Das Wohngeld soll 2020 im Schnitt um 30 Prozent steigen

Einkommensgrenzen, Mietstufen, Höchstbeträge für Wohnkosten: Wer das Wohngeld beantragen darf und wie viel am Ende dabei herauskommt, ist oft verwirrend. Unsere Leser haben gefragt, mit wie viel staatlicher Unterstützung künftig zu rechnen ist und wer vom Wohngeld profitiert. Die Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier. 

Wie viel Wohngeld gibt es bisher und für wen?

Wie viel Wohngeld genau es gibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen: 

  • Anzahl der Haushaltsmitglieder
  • Gesamtes Haushaltseinkommen
  • Höhe der Miete beziehungsweise der Wohnkosten

Ein Zwei-Personen-Haushalt kann derzeit mit einem Zuschuss von 145 Euro im Monat rechnen. Anspruch haben alle Haushalte, die ein geringes Einkommen aufweisen und keine sonstigen staatlichen Förderungen wie Hartz IV oder die Grundsicherung beziehen. Zudem dürfen die Kosten für die Miete beziehungsweise die monatlichen Belastungen von Wohneigentümern bestimmte Beträge nicht übersteigen. 

Was genau „geringes Einkommen“ bedeutet, hängt von der sogenannten Mietstufe ab. Wer in einer Stadt mit der höchsten Mietstufe wohnt (zum Beispiel Hamburg, Köln oder München), ist in einem Ein-Personen-Haushalt bis zu einem Bruttoeinkommen von 1.527,10 Euro monatlich anspruchsberechtigt. Der Höchstbetrag für die Wohnkosten, der hierfür angerechnet wird, beträgt in diesem Fall 522 Euro im Monat. Das Wohngeld wird für zwölf Monate bewilligt, danach ist ein neuer Antrag erforderlich.

Was soll sich mit den Neuerungen zum Wohngeld 2020 ändern?

Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf bewilligt, nach welchem das Wohngeld ab dem 1. Januar 2020 angehoben werden soll. Bund und Länder teilen sich die Kosten zur Hälfte, daher muss der Bundesrat dem Gesetz noch zustimmen. Haushalte mit zwei bezugsberechtigten Personen könnten dann 190 Euro statt 145 Euro Wohngeld bekommen.

Zudem wird eine neue Mietstufe eingeführt, mit der vor allem Haushalte in Städten und Kreisen mit besonders hohen Mieten entlasten werden sollen. Auch eine Anhebung der Miethöchstbeträge um bis zu zehn Prozent ist geplant. Anders als bisher soll das Wohngeld alle zwei Jahre an die Mietkosten- und Einkommensentwicklung angepasst werden. 

Wer profitiert besonders vom neuen Wohngeld ab 2020?

Menschen mit kleinen Einkommen kommt der Gesetzentwurf besonders gelegen. Denn die letzte Wohngelderhöhung gab es 2016. Mieterverbände sprechen angesichts der in den letzten Jahren stark gestiegenen Wohnkosten daher von überfälligen Neuerungen. 

Rund 660.000 Haushalte von Geringverdienern könnten von dem neuen Wohngeld profitieren, davon 180.000, die ohne Neuregelung keinen Anspruch auf die staatliche Unterstützung hätten. Ende vergangenen Jahres erhielten circa 560.000 Haushalte in Deutschland Wohngeld

Warum gibt es Kritik?

Die Erhöhung des Wohngelds 2020 wird von vielen Seiten begrüßt. Dennoch wird die Neuregelung auch als unzureichend kritisiert. So sagt Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbands Deutschland, dass die geplante Anpassung nicht ausreicht. Zudem müsse das Wohngeld nicht alle zwei, sondern jedes Jahr neu berechnet werden.

Schwerwiegende Probleme wie steigende Mieten oder zu knappen Wohnraum löse das neue Gesetz überhaupt nicht, bemängelt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Eine weitere ungeklärte Schwierigkeit stellt der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) fest. „Zu wenige Berechtigte kennen ihren Anspruch auf das Wohngeld und beantragen es deshalb nicht“, so VNW-Direktor Andreas Breitner. 

Welche weiteren Möglichkeiten für Mietzuschüsse gibt es?

Je nach Lebenssituation können für die eigenen Wohnkosten andere staatliche Hilfen beantragt werden. Ein bekanntes Beispiel ist das BAföG, mit welchem Auszubildende, Schüler und Studenten ihre Miete bezuschussen lassen können. Sie dürfen daher kein Wohngeld beantragen. 

Ähnlich sieht es bei Arbeitslosengeld II-Empfängern aus. Ihre Hartz IV-Bezüge beinhalten bereits Leistungen für den Wohnraum. Wer ein geringes Einkommen bezieht und nicht auf Sozialleistungen wie BAföG oder Hartz IV zurückgreifen kann beziehungsweise möchte, hat also kaum eine Alternative zum Wohngeld.