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Wie teuer wird die Krankenversicherung in Zukunft sein?

Die Finanzierung des Gesundheitssystems in Deutschland steht auf wackligen Füßen. Versicherungsexperten erwarten in den kommenden Jahren extreme Beitragssteigerungen, sollte die Politik nicht eingreifen. Doch welche Faktoren verursachen die explodierenden Kosten?
Wie teuer wird die Krankenversicherung in Zukunft sein?
Krankenversicherte müssen künftig tiefer in die Tasche greifen

Vor allem gesetzlich Krankenversicherte stöhnen schon jetzt unter den Zuzahlungen, die sie neben ihrem Krankenkassenbeitrag leisten müssen. Die Belastungen werden künftig gar noch steigen. Unsere Leser haben uns gefragt, warum das so ist und wie sie bei ihrer Krankenversicherung sparen können. Die Antworten auf diese und weitere Fragen finden sie hier. 

Warum fehlt in der Krankenversicherung künftig Geld?

Unabhängig davon, wie die Beiträge in der gesetzlichen (GVK) und privaten Krankenversicherung (PKV) erhoben werden, steht das deutsche Gesundheitssystem vor enormen Herausforderungen. Versicherungsmathematikern der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) zufolge drohen die Kosten für Versicherte durch

  • eine höhere Lebenserwartung und damit eine alternde Bevölkerung,
  • die steigende Anzahl an Pflegebedürftigen,
  • den technischen Fortschritt in der Medizin sowie
  • die strukturelle Einnahmeschwäche (Löhne steigen nicht so stark wie das Bruttoinlandsprodukt)

zu explodieren.

Die höhere Lebenserwartung der Menschen verursacht höhere Gesundheitsausgaben, gerade in der Pflege. Die technische Weiterentwicklung im Bereich der Medizin ist ebenfalls ein Kostentreiber. Dem gegenüber stehen immer weniger Beitragszahler, die ein volles Gehalt aus ihrer beruflichen Tätigkeit beziehen. Die Lohnentwicklung kann zudem mit den steigenden medizinischen Kosten nicht mithalten. Die Beitragseinnahmen aus GKV und PKV werden dadurch künftig nicht reichen, die Gesundheitsausgaben zu decken. 

Wie stark könnten die Beiträge steigen?

Die Versicherungsexperten der DAV untersuchten in ihrer Analyse der Krankenversicherung den Zeitraum bis zum Jahr 2060. Sie befürchten heftige Beitragssteigerungen, wenn die Politik das Gesundheitswesen nicht effizienter gestaltet. Für die GKV könnten die Beiträge von derzeit durchschnittlich 15,5 Prozent auf fast 25 Prozent des Einkommens steigern.

Rechenbeispiel: Bei einem Bruttoeinkommen von 2.500 Euro bedeutet dies einen monatlichen Krankenkassenbeitrag von 625 Euro statt bisher 388 Euro.

Noch düsterer fallen die Prognosen für die private Krankenversicherung aus. Sie ächzt besonders unter der alternden Bevölkerung. Für das Jahr 2060 sagen die DAV-Mathematiker dreimal so hohe Beiträge wie heute voraus. 

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in der Pflegeversicherung ab. Der Beitragssatz in der gesetzlichen Versicherung könnte in den nächsten 40 Jahren von 2,55 Prozent auf 8,5 Prozent steigen. In der privaten Pflegepflichtversicherung sind sogar mehr als viermal höhere Beiträge als aktuell möglich.

Werden gesetzlich Versicherte bald noch mehr Zuzahlungen leisten müssen?

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind zu einem großen Teil gesetzlich festgeschrieben und decken nur das medizinisch Notwendige ab. Medikamente, logopädische oder physiotherapeutische Behandlungen müssen gesetzlich Versicherte beispielsweise oft aus eigener Tasche zahlen, obwohl sie darauf angewiesen sind.

Bereits in den vergangenen Jahren haben Patienten immer mehr solcher Zuzahlungen leisten müssen. Waren es 2016 in der Summe noch 609 Millionen Euro, steigerte sich der Betrag 2018 auf 668 Millionen Euro. Das ergibt ein Plus von zehn Prozent in nur zwei Jahren. 

Mit einem Ende des Trends ist aufgrund der steigenden Gesundheitskosten nicht zu rechnen. Um profitabel zu bleiben, werden die Krankenkassen ihren Leistungsumfang weiter einschränken und so den Versicherten weitere Zuzahlungen zumuten. 

Welche Sparpotenziale haben Krankenversicherte?

Jeder Deutsche muss eine Krankenversicherung, ob nun gesetzlich oder privat. Sollten die Kosten für den Gesundheitsschutz in den kommenden Jahren tatsächlich wie befürchtet stark steigen, sind die Handlungsmöglichkeiten für Versicherte begrenzt. Ein paar Sparmöglichkeiten gibt es dennoch.

  • Krankenversicherungsvergleich: Die einfachste Variante bei der Krankenversicherung zu sparen, ist es, sich beim günstigsten Anbieter zu versichern. Unabhängige Vergleiche helfen dabei, den Krankenversicherer mit den niedrigsten Beiträgen zu finden.
     
  • Leistungen anpassen: Gerade in der privaten Krankenversicherung gibt es die Möglichkeit, sich den Leistungskatalog selbst zusammenzustellen. Wer auf einige nicht dringend benötigte Leistungen verzichtet, muss weniger Beiträge zahlen.
     
  • Zuzahlungsbefreiung: Die Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung sind auf eine maximale Belastungsgrenze gedeckelt. Diese liegt bei zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinkünfte. Chronisch Kranke müssen maximal ein Prozent pro Kalenderjahr zuzahlen. Haben Versicherte die Belastungsgrenze erreicht, können sie sich für den Rest des Jahres von weiteren Zuzahlungen befreien lassen