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Warum müssen immer mehr Rentner Steuern zahlen?

Immer mehr Rentner werden vom Staat bei der Steuer zur Kasse gebeten. Mehr als jeder Vierte, der Einkünfte aus gesetzlicher, privater oder betrieblicher Rente erhält, muss aktuell Steuern zahlen – Tendenz stark steigend. Und da die Freibeträge künftig weiter sinken, erhöht sich die Steuerlast für Rentner in den kommenden Jahren zunehmend.
Warum müssen immer mehr Rentner Steuern zahlen?
Mehr als jeder vierte Rentner ist mittlerweile steuerpflichtig

Mehrere Milliarden Euro pro Jahr zahlen Rentner an Steuern in die Staatskasse. Trotz der zuletzt regelmäßig beschlossenen Rentenerhöhungen bleibt ihnen damit im Alter nicht mehr Geld im Portemonnaie. Uns haben die Fragen unserer Leser erreicht, woher der starke Anstieg an steuerpflichtigen Rentnern kommt und welche Freibeträge in Zukunft noch gelten werden. Die Antworten darauf gibt es hier.  

Wie viele Rentner müssen aktuell Steuern zahlen?

Rund 21 Millionen Menschen erhielten in Deutschland im Jahr 2015 eine gesetzliche, private oder betriebliche Rente. 5,8 Millionen und damit mehr als jeder Vierte von ihnen mussten Steuern auf die Renteneinkünfte zahlen. Das teilt das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung von Mittwoch mit. Dass die Daten erst jetzt veröffentlicht wurden, begründete die Statistikbehörde mit den langen Fristen in der Steuerveranlagung. Daher sind neuere Zahlen noch nicht verfügbar. 

Insgesamt wurden 2015 über 43 Milliarden Euro und damit rund 16 Prozent aller Rentenzahlungen besteuert. Die Zahl der steuerpflichtigen Rentner und der zu versteuernden Einkünfte steigt seit Jahren signifikant an. Im Jahr 2005 waren es lediglich rund drei Millionen Rentenempfänger, die Steuern auf ihre Rentenleistungen zahlen mussten. Somit hat sich die Zahl steuerpflichtiger Rentner in nur zehn Jahren fast verdoppelt

Warum ist die Zahl der steuerpflichtigen Rentner in den vergangenen Jahren gestiegen?

Im Zuge der Steuerreform im Jahr 2005 wurde auch die Besteuerung der Renten neu geregelt. Wurden zuvor nur die Einzahlungen in der Ansparphase besteuert, wird bis 2040 auf eine nachgelagerte Besteuerung umgestellt. Das bedeutet, dass aktuell teilweise, in 21 Jahren dann ausschließlich die Leistungen in der Auszahlphase besteuert werden.

Hinzu kommt, dass die Renten aufgrund der guten Konjunkturlage in den vergangenen Jahren immer wieder angehoben wurden. Die nächste Rentenerhöhung gibt es im Juli 2019, wenn die gesetzlichen Renten in den alten Bundesländern um 3,18 Prozent und in den neuen Bundesländern um 3,91 Prozent steigen. Da im Gegenzug der steuerfreie Anteil der Renten jedes Jahr geringer wird, müssen allein in diesem Jahr Zehntausende Rentner erstmalig Steuern zahlen.  

Welche Steuerfreibeträge gelten für Rentner?

Für alleinstehende Rentner gilt im Jahr 2019 ein Grundfreibetrag von 9.168 Euro. Bei verheirateten Paaren beträgt der Freibetrag 18.336 Euro. Das heißt, dass Rentner erst steuerpflichtig werden, wenn die Einkünfte aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Rente diese Summe übersteigen. 

Auf die Renteneinnahmen gilt ein Rentenfreibetrag, der sich nach dem Jahr des Renteneintritts richtet und sich über die volle Dauer des Bezugs nicht ändert. Für Personen, die 2005 in den Ruhestand gegangen sind, gilt ein Freibetrag von 50 Prozent. Dieser sinkt seither jährlich um zwei Prozentpunkte, liegt also aktuell bei 22 Prozent. Ab 2020 wird ein Prozentpunkt pro Jahr abgezogen. Im Jahr 2040 gibt es keinen Rentenfreibetrag mehr. Die Renteneinkünfte müssen dann voll versteuert werden.

Rechenbeispiel:

Wer dieses Jahr in Rente geht und pro Monat Leistungen in Höhe 900 Euro erhält, kann darauf den Rentenfreibetrag von 22 Prozent geltend machen. Die zu versteuernden Einkünfte reduzieren sich dadurch von 10.800 auf 8.424 Euro pro Jahr. Der Rentner muss damit keine Steuern zahlen. Bei Rentenzahlungen von 1.000 Euro monatlich, bleiben abzüglich des Freibetrags noch 9.360 Euro zu versteuerndes Einkommen. Der Rentner ist damit steuerpflichtig.  

Wann und auf welchem Weg müssen Rentner ihre Steuererklärung abgeben?

In diesem Jahr gilt erstmalig die verlängerte Abgabefrist für die Steuererklärung. Auch Rentner dürfen sich nun bis zum 31. Juli statt bisher bis zum 31. Mai Zeit lassen, um die Steuererklärung für das vergangene Jahr einzureichen. Zur Abgabe sind dabei alle Rentner verpflichtet, deren Einkünfte über dem Grundfreibetrag von derzeit 9.168 Euro liegen.

Jedoch testen einige Bundesländer wie Bremen, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen ein Pilotprojekt, das für Rentner vereinfachte Steuererklärungsformulare anbietet. Diese stehen jedoch nicht allen Rentenempfängern zur Verfügung. Wer beispielsweise Einkünfte aus Vermietung erzielt, darf die Formulare nicht nutzen. Auch die Abgabe der Steuererklärung in Papierform ist nicht mehr unbegrenzt möglich. Ist ein Rentner nicht in der Steuerklasse 1 oder bezieht neben der Rente weitere Einnahmen, kann die Steuererklärung nur noch auf elektronischem Wege eingereicht werden.

Wie können Rentner Steuern sparen?

Rentnern stehen verschiedene Möglichkeiten offen, ihre Steuerlast zu senken. So können die Beträge für die Kranken- und Pflegeversicherung von der Steuer abgesetzt werden. Auch die Kosten für Haushaltshilfen oder Pflegedienste dürfen Rentner steuerlich geltend machen. Gleiches gilt für Sonderausgaben wie die Kirchensteuer und Spenden.

Unter dem Punkt außergewöhnliche Belastungen lassen sich die Ausgaben für Arznei, Heil- und Hilfsmittel von der Steuer absetzen. Daher sollten Belege und Quittungen für Brillen, Gehhilfen, Medikamente und Co. immer aufgehoben werden. Weitere Tipps zur Steuererklärung erhalten Rentner zum Beispiel auf den Seiten der Verbraucherzentrale