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Homöopathie im Kreuzfeuer: Wird die Kassenleistung bald gestrichen?

In Frankreich werden die Krankenkassen ab 2021 keine Kosten mehr für homöopathische Mittel übernehmen. In Deutschland entfacht dieser Entschluss die Debatte um die Kostenerstattung von Homöopathie neu. So fordert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach das Ende der Kassenleistung – und erhält dabei reichlich Unterstützung.
Wie lange dürfen Kassen Homöopathie noch bezahlen?
Wie lange ist Homöopathie noch Kassenleistung?
  • Angestoßen durch einen Beschluss aus Frankreich formiert sich in Deutschland Widerstand gegen die Kostenerstattung von Homöopathie.
     
  • Rückenwind für die Forderung kommt unter anderem aus dem Gesundheitsausschuss.
     
  • Derzeit ermöglicht mehr als die Hälfte der Kassen die Kostenübernahme von homöopathischen Mitteln.

Aktuell bieten rund zwei Drittel der gesetzlichen Krankenkassen an, Kosten für homöopathische Behandlungen zu übernehmen. Ginge es jedoch nach dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA), würde die Kassenleistung bald zur Vergangenheit zählen. Sie setzen sich derzeit dafür ein, die freiwillige Leistung der Kassen zu streichen. Denn diese sollten wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll sein. Vor allem beim zweiten Punkt scheiden sich allerdings die Geister.

Frankreich streicht Homöopathie als Kassenleistung

Anlass für die neu entfachte Debatte über Homöopathie ist eine Entscheidung des französischen Gesundheitsministeriums. Demnach dürfen die dortigen Krankenkassen ab 2020 nur noch 15 Prozent statt bisher 30 Prozent der Kosten für homöopathische Mittel zahlen. Ab 2021 verschwindet die Kassenleistung komplett. Ursache ist, dass dem Ministerium wissenschaftliche Nachweise fehlen, wie und ob Homöopathie wirkt. Diese würden eine Erstattung über die Krankenversicherung rechtfertigen.

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Lauterbach für Verbot freiwilliger Kostenerstattung von Homöopathie

Die Wirksamkeit von Globuli und Co. wird auch in Deutschland stark diskutiert. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hat dabei eine eindeutige Meinung. „Es gibt keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Verfahren“, sagte er der Rheinischen Post. Wer die Mittel haben will, könne sie auch bekommen, „aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft.“

Ähnlich argumentiert der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken. Im Tagesspiegel betont er: „Leistungen wie Homöopathie ohne klaren Beleg für Wirksamkeit und Nutzen sollten nicht noch dadurch geadelt werden, dass sie von Kassen als Satzungsleistungen bezahlt werden.“

Für Karl Lauterbach von der SPD übernehmen die Kassen die Kosten von Homöopathie aus Marketinggründen. Dies sei „im Sinne der Vernunft und der Aufklärung sowie des Patientenschutzes falsch“, sagte er im Tagesspiegel. In der Großen Koalition müsse daher über eine gesetzliche Anpassung geredet werden.

Gesundheitsausschuss spricht sich für Streichung aus

Gegenwind für die Pläne von Lauterbach kam zwar zum Teil aus der Union. So betonte deren gesundheitliche Sprecherin Karin Maag (CDU), dass es den Kassen auch künftig möglich sein sollte, die Erstattung von Homöopathie freiwillig anzubieten. Doch Parteikollege Erwin Rüddel, Vorsitzender des Bundestags-Gesundheitsausschusses, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zuletzt, „es ist schwer vermittelbar, dass Kosten für Homöopathie teilweise übernommen werden, während an anderer Stelle gespart werden muss.“ Er könne sich daher ein Ende der Erstattungsfähigkeit vorstellen.

Damit spielt Rüddel beispielsweise auf die hohen Zuzahlungen von gesetzlich Versicherten bei Zahnersatz an. Wie der aktuelle Zahngesundheitsatlas der Barmer zeigt, müssen Zahnarztpatienten je nach Bundesland durchschnittlich zwischen 628 Euro und 1.228 Euro aus der eigenen Tasche für Zahnersatz ausgeben.

Angesichts der Rückendeckung aus dem Gesundheitsausschuss scheint es für die Kassenleistung Homöopathie eng zu werden. Allerdings hat sich der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bisher noch nicht in die Debatte eingeschaltet. In der Vergangenheit hatte sich der Minister lediglich ausweichend geäußert, wie mit der Kritik an die freiwillige Kostenerstattung homöopathischer Mittel umgegangen werden sollte.

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