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Druck für die Politik: Die Klimakrise ist kein Privatproblem

Am 20. September 2019 findet der dritte globale Klimastreik statt. Dabei wird weltweit dazu aufgerufen, für die Einhaltung des Klimaabkommens von Paris und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut zu werden. Die Klimaproteste rund um die „Fridays for Future“-Bewegung haben in den vergangenen Monaten verstärkt an Rückenwind gewonnen - auch von den „Parents for Future“.
Die "Parents for Future" stärken den jungen "Fridays for Future"-Aktivisten den Rücken
Marc Schmitt-Weigand von „Parents for Future“

Seit Anfang des Jahres gehen immer mehr junge Menschen im Rahmen der „Fridays for Future“-Bewegung auf die Straße, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. So ist innerhalb weniger Monate aus der schwedischen Vorreiterin Greta Thunberg und einzelnen Mitstreitern eine internationale Bewegung entstanden. 

Damit diese jungen Menschen das notwendige Gehör von Politik und Öffentlichkeit erhalten, stellen sich immer mehr Erwachsene hinter sie. So auch die sogenannten „Parents for Future“. Wie die „älteren“ den jungen Klimaaktivisten den Rücken stärken, erklärt Marc Schmitt-Weigand, Organisator der Bewegung. 

Wie kamen Sie zu der Entscheidung, „Parents for Future” zu gründen?

Marc Schmitt-Weigand: Parents for Future wurde Ende Februar 2019 von einer Gruppe von Menschen gemeinsam gegründet. Impuls war der politische Druck, der auf die „Fridays for Future“- Bewegung ausgeübt wurde. Stichworte: Schule schwänzen, Experten ranlassen. Dazu wollten wir bewusst als Erwachsene und Wähler*innen unsere Unterstützung für die Proteste öffentlich machen.

Welche Schnittstellen gibt es zwischen Ihrer Organisation und „Fridays for Future”?

Marc Schmitt-Weigand: Beide Organisationen sind basisdemokratisch aufgebaut und leben von der Arbeit in vielen Hundert Ortsgruppen. Dort findet der wesentliche Kontakt statt. Daneben gibt es eine Vernetzungs-Arbeitsgruppe, die Themen von überregionaler Bedeutung bearbeitet.  

Welche Ziele verfolgt Ihre Organisation und wie unterstützen Sie die Kinder und Jugendlichen da, wo sie selbst noch nicht viel tun können?

Marc Schmitt-Weigand: Die Ziele sind so simpel wie weitreichend:

  • Die Umsetzung der Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen und
  • die Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels.

Wir tragen die daraus hergeleiteten Forderungen von „Fridays for Future“ und „Scientists for Future“ voll mit. Wir unterstützen die jungen Menschen dort, wo es von ihnen gewünscht ist. Daneben wollen wir in der Öffentlichkeit deutlich machen, dass viele Erwachsene hinter „Fridays for Future“ stehen und diesen Menschen eine Plattform für ihr Engagement anbieten.

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger entscheiden sich dazu, ihren Alltag nachhaltiger zu gestalten. Was raten Sie diesen Menschen für ihre ersten Schritte zum Klimaschutz?

Marc Schmitt-Weigand: Wer die ersten Schritte in Richtung Nachhaltigkeit gehen will, kann beispielsweise 

  • den Stromanbieter wechseln, 
  • auf Flugreisen verzichten, 
  • das Auto wann immer möglich stehen lassen
  • und im Freundes- und Bekanntenkreis über den Klimawandel reden, reden und reden. 

Das Wichtigste ist es jedoch, zu verstehen, dass alleine mit unserer persönlichen Lebensführung der Klimawandel nicht aufzuhalten ist. Deshalb ist politischer Druck entscheidend – die Klimakrise ist kein Privatproblem.

In welchen Ländern sind Sie bereits mit Ihrer Organisation vertreten und zeichnen sich international Unterschiede hinsichtlich der Motivation zum Klimaschutz ab?

Marc Schmitt-Weigand: Es gibt Vernetzungen zur Klimaschutzbewegung auch in anderen Ländern. Bei allen engagierten Menschen ist die Motivation erst einmal identisch: die sich abzeichnende Klimakatastrophe noch abzuwenden und Klimagerechtigkeit global durchzusetzen. Die Methoden, die öffentliche Wahrnehmung und die Breite der Bewegungen sind allerdings sehr unterschiedlich.

Welche Erfolge konnten Sie mit Ihren Aktionen bereits erzielen und wo tut sich die Politik noch schwer?

Marc Schmitt-Weigand: Ein erster Schritt ist, dass sich viele erwachsene Menschen bei uns für den Klimaschutz engagieren, die bisher nicht politisch aktiv waren. Durch zunehmende Vernetzung werden die Organisation und ihre Schlagkraft größer. Politisch ist jedoch noch nichts erreicht! Zu lange haben sich alle mit Worten und Absichtserklärungen zufrieden gegeben. Dieser Selbstbetrug löst sich langsam auf, aber erst wenn Gesetze verabschiedet sind und sich als wirksam erweisen, kann man von „Erfolg“ sprechen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Schmitt-Weigand.